Hallo, ich bin’s!

Acht Wochen: Ich kann es drehen und wenden wie ich will, auf mehr komme ich nicht. 53 Wochen hat das Jahr 2016, acht Wochen davon bin ich zu Hause. Also, so wirklich zu Hause, in Österreich eben. In der Zeit freue ich mich eigentlich immer darauf, Leute zu treffen, die sich freuen, dass sie mich sehen. Obwohl ich nun schon bald ein Jahr nicht mehr zu Hause wohne, gibt es jedoch immer lustige Konversationen zwischen manchen Mitmenschen und mir, die ich mir lieber ersparen würde.

10 Sätze, die ich regelmäßig zu hören bekomme, wenn ich zu Hause bin

 

1.“Ach, du bist’s ja wirklich!“

Wer soll ich sonst sein?

 

2.“Hast mich vermisst?“

Freundlicher Verweis auf Yep, still NOT in Berlin! Nein, ich tue es ein Jahr später immer noch nicht.

 

3.“Du bist meine Lieblingsdeutsche!“

Stopp! Nur weil ich länger in Deutschland bin, bin ich keine Deutsche. Ich war auch schon einmal etwas länger im Meer, und bin noch immer kein Fisch.

 

4.“Was machst du denn da?“

Leben, atmen und jetzt anscheinend auch mit dir reden.

 

5.“Du studierst Journalismus oder? Also da einen Job zu kriegen ist sehr schwer…“

Macht nix, da ich ja noch die österreichische Staatsbürgerschaft habe, lieg‘ ich eh euch auf der Tasche.

 

6.“Hast gar keine Angst, so ganz allein? Was da alles passieren kann…“

Nein, keine Sorge, ich werde schon niemanden was antun.

 

7.“Wo bist du jetzt eigentlich daheim? Österreich oder Berlin?“

Nehmen wir einmal an, du könntest nur deine rechte oder deine linke Hand behalten. Für welche würdest du dich entscheiden?

 

8.“Kannst‘ schon langsam Deutsch?“

Äh, was habe ich davor gesprochen? Hindi?

 

9.“Du bist schon ziemlich oft daheim…“

Nachvollziehbare Aussage für jemanden, der selbst immer zu Hause ist!

 

10.“Hast du noch immer kein Heimweh?“

Nein, nur Angst vor der Abschiebung.

 

„Die beiden schönsten Dinge sind die Heimat, aus der wir stammen, und die Heimat, nach der wir wandern.“

Johann Heinrich Jung-Stilling

 

Bis bald,

Melanie

Manchmal mach ich irgendwas mit Medien

Der heutige Student hat es auch nicht leicht! Es reicht nämlich nicht mehr, einfach nur Student zu sein, sondern man sollte auch konkrete Pläne für später haben. Wenn man auf die Frage: „Was wirst du in 10 Jahren machen?“ mit „Irgendwas mit Medien“ antwortet, kann man in Mitleidsblicken fast ertrinken. Ab und an hört man dann auch die Leute untereinander tuscheln und nimmt Wortfetzen wie „zukünftiger Arbeitsloser mit Hobby“ oder „McDonald’s sucht doch immer“ wahr. Dabei lässt mich doch niemand ausreden, denn dass ich irgendwas mit Medien machen, aber eben auch noch reich heiraten werde, will keiner hören. Unfair!

Private (Vor)Urteile

Apropos reich heiraten: Das ist meist nicht mehr nötig, wenn man sowieso Bonzen-Eltern hat. Diese Eltern schicken ihre Kinder dann auch gerne auf private Hochschulen, um ihren Rotzgören den Titel zu erkaufen. Inklusive Porsche, der täglich in der hauseigenen Uni-Garage parkt, versteht sich. Also wieso sich das Leben erschweren, wenn man mit dem gekauften Titel doch irgendwas mit Medien machen kann? Problem dabei ist eben nur, dass es den Studiengang „Irgendwas mit Medien“ leider noch nicht gibt, egal, wieviel die Eltern dafür ausgeben würden.

Immer diese Lügenpresse

Aber nun im Ernst: Ich bin nicht Dagi Bee, die sich durch ihre Chia-Samen-Züchterei und DM-Shoppingtouren über Wasser halten kann. Die macht nämlich „irgendwas mit Medien“. Ich bin Journalismus-Studentin. Journalisten? Ach, die Leute, die für die Zeitung schreiben. LÜGENPRESSE! Ich habe den Part gerne schon übernommen.  Genau aus diesem Grund behaupte ich, dass ich irgendwas mit Medien machen möchte. Ich werde eben lieber bemitleidet, als bespuckt.

Um Shampoos zu testen, muss ich mir keine teure Ausbildung leisten. Irgendwas mit Medien- das liegt heutzutage praktisch jedem, der einen Knopf an einer Kamera bedienen kann. Wahrer Journalismus ist etwas für Hartgesottene. Eben für jene, die gerne zu wenig schlafen, zu viel denken und eventuell auch drei Tage am Stück nur Nudeln essen. Klingt nach einem Studentenleben, das man aber noch mit 40 führen wird. Die Arbeit dahinter interessiert keinen, denn wichtig ist das Endprodukt. Dieses setzt sich aus lebenslangem Lernen, stundenlangem Lesen und endloser Begeisterung zusammen. Meinung zu verfassen, Diskussionen anzuregen und sich der Welt zu stellen, gehört da dazu. Das dieser Beruf nur wenig Zukunft haben wird, sei dahingestellt. Aber lieber mache ich das, was mich erfüllt, als in einem versifften Büro Bleistifte zu spitzen. Journalismus gleicht einem Eheversprechen. Etwas in guten wie in schlechten Zeiten treu zu bleiben, so bis der Kontostand uns scheide!

Bis bald,

Melanie

Urlaubsfähig

Es gibt Dinge, die sollte man einfach gemacht haben, bevor das Leben vorbei ist. Auf jeder „Bucket List“ muss daher unbedingt ein Urlaub mit Freunden stehen. Ob nun zu zweit, ein reiner Männer- oder Mädelsurlaub oder in der gemischten Truppe: Ihr werdet davon euren Enkelkindern noch erzählen. Meist umso klischeehafter, umso besser. Da ich aus Erfahrung spreche, kann ich euch im Vorhinein jedenfalls schon erzählen, was ihr definitv nicht sagen werdet…

10 Dinge, die man in einem Urlaub mit Freunden nicht sagt

 

1.“Ich ernähre mich so gesund wie nie!“

Bier ist quasi Malz und Malz ist quasi Getreide. Zusammengefasst: Bier ist gesund.

 

2.“Ich freue mich schon darauf, alle Fotos meinen Eltern zeigen zu können.“

Wenn ich mit 20 nochmals Hausarrest bekommen will, warum eigentlich nicht?

 

3.“Ich habe immer mindestens acht Stunden geschlafen.“

Wenn es hochkommt, zusammengefasst in 5 Tagen vielleicht.

 

4.“Ich habe noch nie etwas verloren.“

Gut, das Köpfe am Körper angewachsen sind.

 

5.“Ich bin immer so vorsichtig, und habe daher keinen Sonnenbrand.“

Jedenfalls nicht auf der Fußsohle…

 

6.“Ich habe eindeutig zu wenig getrunken…“

Ja, Wasser.

 

7.“Irgendwie haben wir keine neuen Leute kennengelernt.“

Aber wem gehören die drei ausländischen Nummern, die mir gerade schreiben?

 

8.“Wow, unsere Unterkunft haben wir immer reinlich sauber gehalten.“

Wenn man den Boden sehen kann, darf man das fast behaupten.

9.“Boah, das Wetter hier nervt mich echt, eigentlich wäre ich lieber zu Hause.“

Sommer ist generell beschissen, kann ich verstehen.

 

10.“Mit dir fahre ich NIE mehr irgendwo hin!“

Aber Malle nächstes Jahr steht noch, oder?

 

Nachdem ihr dann geistig, körperlich und finanziell ruiniert nach Hause kommt und auf eine erlebnisreiche Reise zurückblicken könnt, wisst ihr: Manche Dinge auf der „Bucket List“ muss man erledigen, solange man noch jung ist.

Schönen Urlaub,

Melanie

 

10 Dinge, die kein Kellner hören will

Das auch Schüler und Studenten in der Gastronomie gern gesehene Arbeitsnehmer sind, ist schon längst kein Geheimnis mehr. Flexible Arbeitszeiten, fixer Lohn und meist gratis Hotelessen machen den Job als Kellner zum attraktiven Nebenberuf. Doch die Zeiten, in denen man sich von Gast zu Gast abhetzt, sind nicht immer ganz so rosig:

10 Sätze, die kein Kellner hören möchte

1.“Hallooo, Fräulein!“

„Fräulein“ kann auch gerne x-beliebig mit „Puppe“, „Süße“ oder anderen, schrecklichen Wörtern ausgetauscht werden. Wir sind hier nicht am Straßenstrich! “ Entschuldigung, können wir noch etwas bestellen?“ Das tut es auch.

2.“Machen Sie 10 Euro daraus, Sie haben uns so gut bedient…“

…nachdem die Rechnung 9,99 Euro betrug. Oh danke, wie gütig! Den Cent werde ich zu Hause einrahmen und immer wieder daran zurückdenken, wie toll und großzügig Sie doch waren! Oder vielleicht kaufe ich mir davon eine Hose mit Fransen, wovon Sie eine davon bezahlt haben. Danke!

3.“Wir haben heute die Terrasse geöffnet.“

Ganz toll! Bei 40 Grad im Schatten kommt bei meiner langsamen und stressfreien Arbeit ein super Urlaubsfeeling auf. Bei den ganzen Rauchern fühle ich mich wie auf der italienischen Autobahn, wenn ich das Fenster zu lange geöffnet habe.

4.“Ich will HIER sitzen.“

Klar, gar kein Problem. Ist ja nicht so, als wären alle anderen Tische sauber. Ich würde auch immer den einzigen schmutzigen Tisch wählen, einfach, weil ich es kann.

5.“Und dort hat die Mutter meines Schwiegersohnes deren Schwesters Kind…“

Ihre Geschichte mag vielleicht spannend sein, aber mit gefühlten 12312 Tellern in der Hand fällt mir das Zuhören relativ schwer. In diesen Momenten sind Arnold Schwarzeneggers Arme nichts gegen die eines Kellners. Haben Sie keinen Frisör, dem Sie das erzählen können?

6.“Sie könnten für mich doch eine Ausnahme machen!“

Aber natürlich! Soll ich Sie vielleicht zum Auto auch noch tragen? Soll ich Sie füttern? Fußmassage?

7.“ Haben Sie etwas, dass glutenfrei, laktosefrei, fructosefrei, mit möglichst wenig Zucker und vegan ist?“

Ja, Wasser. Wenn sie es ganz fancy mögen, haben wir auch noch Eiswürfel.

8.“Was ist denn da genau drinnen?“

Ehrlich gesagt, habe ich keine Ahnung und wahrscheinlich wollen Sie es gar nicht so genau wissen.

9.“Kannst du Schlussdienst machen? Der Kollegin XY ist ganz schlecht.“

Ich habe das Gefühl, mir wird auch gleich ganz schlecht werden.

10.“ Kannst du bitte am Sonntag um 6 Uhr arbeiten?“

Klar, oder ich kann auch ganz einfach liegen bleiben und über Prostitution nachdenken. Nachdem ich „Süße“ genannt werde, wäre das auch schon egal. Da muss ich wenigstens nicht so früh aufstehen.

Ich geh dann weiter Tellern tragen! Bis dann,

Melanie

 

 

10 things about the first apartment

Der eine früher und der andere später: Irgendwann zieht jeder von „Hotel Mama“ aus, auch wenn es nur für kurze Zeit sein sollte. Grundsätzlich glaubt man dann, dass man von heute auf morgen überdurchschnittlich erwachsen ist und alles alleine kann. Eventuell hat man auch noch 1000 Vorsätze und Vorstellungen, die man unbedingt umsetzen möchte.

Guter Witz! Denn hier sind die zusammengefassten Top 10 der Dinge, die nach dem Ausziehen nicht von Anfang an funktionieren:

1.Die unendlichen Weiten des leeren Kühlschrankes

Bestenfalls habt ihr in eurem Kühlschrank ein Stück Butter und als Student gegebenenfalls noch eine Flasche Hugo. Meistens ist es dann auch noch Sonntag und ihr habt keine Lust, zum nächsten größeren Supermarkt zu fahren. Grundsätzlich liegt es in diesem Fall nicht an Kleingeldmangel, sondern an grundloser Faulheit. Gut, dass der Lieferservice unter der Kurzwahl 1 eingespeichert ist und euch der Lieferboy schon freundlich duzt!

2.Der Geheimcode der Waschmaschine

Wenn man nicht gerade das Glück hat und seine Wäsche jedes Wochenende zu Mama bringen kann, dann entpuppt sich die Bedienungsschaltfläche der Waschmaschine als Raumschiffcockpit. Pflegeleicht, Allergie, Täglich, Sport,… äh okay? Alles schön und gut, aber welche Einstellung ist nun wirklich für was? Und wieviel Wäsche kann ich eigentlich in das Ding stopfen, ohne das es explodiert? Und ein weißes T-Shirt mit roten Socken zu mischen kann ja nicht so schlimm sein, oder?

3.Die „Wie komme ich nach Hause?“- Situation

Es ist drei Uhr morgens, man steht vor irgendeiner Bar und will einfach nur ins Bett. Blöd nur, dass ausgerechnet nie ein öffentliches Verkehrsmittel fährt, wenn man es am dringendsten brauchen würde. Wie schön wär’s jetzt, einfach Mama oder Papa anzurufen…? Tja, Pech gehabt, entweder gehst du jetzt zu Fuß nach Hause oder gönnst dir ganz á la „Sex and the City“ ein Taxi. Kleiner Tipp am Rande: Das mit dem Röckchen heben solltest du eventuell bleiben lassen!

4.Der Stromzähler des Grauens

„Können Sie mir bitte ihren Zählerstand durchsagen?“- Ja, könnte ich, wenn ich wüsste, wo dieses verdammte Ding ist. Wenn man den Zähler dann doch gefunden hat, und von 123124 Millionen Zahlen fast erschlagen wird, wünscht man sich einfach in die Zeit zurück, wo man nur seine Legoteile zählen musste.

5.Die Rundfunkgebühren und andere Späße des Staates

Wenn man zum ersten Mal auszieht, hat man ja gar keine Ahnung, welchen Mist man eigentlich monatlich zu bezahlen hat. Rundfunkgebühren, Versicherung & Co kennt man schließlich nur vom Hörensagen. Großen Dank an sämtliche Beamte, die sich die Mühe machen, und mir ein nettes Schreiben zusenden. Echt süß von euch!

6.Die Grippe des Todes

Ja es ist Winter und damit ganz normal, dass man krank werden könnte. Wenn man aber nun alleine wohnt, fühlt man sich wie ein Kängurubaby, das aus dem Beutel gefallen ist. Kurzum: Hilflos, allein und einem ist ständig kalt. Statt der  konstanten Flüssigkeitszufuhr, die einem von Kind auf gepredigt wird, schläft man drei Tage durch und hofft auf das Beste. Gleicher Effekt, vielleicht eben nur um eine Spur ungesünder.

7. Kochen á la Jamie Oliver

Nein, damit meine ich nicht die Glanzzeiten des Starkochs, in der er gegen McDonald’s feuerte und anscheinend nur Gemüse verzehrte. Ich meine die Zeit, in der Jamie Oliver vergessen hatte, was gesund ist. So geht es definitiv auch jeden, der zum ersten Mal alleine wohnt. Lügt euch jetzt nicht selber an, ihr habt euch vorgenommen, gesund zu essen. Im Endeffekt seid ihr doch schon stolz, wenn ihr überhaupt irgendetwas gekocht habt.

8.Putzen als neues Lieblingshobby

Auch das nimmt man sich irgendwie immer vor und man bestimmt sogar einen Tag in der Woche, an dem immer geputzt wird. Eine gewisse Zeit läuft das ganze System gar nicht so schlecht, doch ganz plötzlich fehlt einem die Zeit, Motivation, Begeisterung,… Ihr wisst, was ich meine!

9.Die Ära der eigenen Unterschrift

„Sie müssten bitte nur hier unterschreiben..“- Was? Moment? Ich kann doch nicht…? Soll ich jetzt die Unterschrift meiner Eltern fälschen? Oh, chill down, du bist erwachsen. Du darfst das schon alleine. Hoffentlich hat niemand mein Zögern bemerkt!

10.Hammer, Nagel & Co

Das Bild muss noch aufgehängt werden, beim Schrank ist eine Schraube locker… Irgendwas ist immer! Aber kann ich da jetzt ein Loch in die Wand schlagen, ohne dass ich eine Leitung durchtrenne? Oder Wasser rauskommt? Ach egal, Tschüss Kaution!

Viel Spaß beim Erwachsen werden!

Eure Melanie

Schlüsselerlebnis erwünscht?

Wenn mich jemand fragen würde, wann ich zu schreiben begonnen habe, würde ich ohne zu zögern mit „Ich schreibe schon immer!“ antworten. Diese Antwort ist natürlich totaler Schwachsinn, aber so rein gedanklich war ich in der  Überzeugung, dass das auch so ist.  Während ich aber heute meinen alten Laptop durchforstete, stieß ich auf einen Text, den ich vor circa 4 Jahren geschrieben habe. Grundsätzlich nichts besonderes, wenn es zu diesem Text nicht eine Geschichte geben würde…

Mein schulischer Charakter lies sich mit einem Satz relativ gut beschreiben: Ich war faul, aber trotzdem ehrgeizig! Kurz gesagt, minimaler Aufwand musste mit maximalsten Ergebnis gepaart werden, sonst war ich nicht zufrieden. So war es auch immer bei Referaten, die wir meistens zu zweit halten mussten. Da wir damals für Referate auch immer einen medialen Teil (Text, Video, etc.) einbauen sollten, war es einfach, die Arbeit aufzuteilen. Eine Freundin und damalige Schulkollegin von mir war anscheinend schon voller Tatendrang, also hatte sie ein Plakat und den halben Text für uns schon vorbreitet. Da ich ihr nicht die ganze Arbeit überlassen wollte, weil ich prinzipiell Leute hasse, die alles den anderen machen lassen, kümmerte ich mich um das Medium. Das Thema unserer Präsentation war „Magersucht“ und wie ihr euch vorstellen könnt, gibt es tausend Texte, Videos und sonstiges Material dazu. Ich hätte also ganz einfach die „Copy & Paste“- Methode anwenden können und mein Aufwand wäre mit einer Minute zu verbuchen gewesen. Da meine Freundin sich aber wirklich Mühe mit dem Plakat und dem Text gegeben hatte, wollt ich unsere gute Note nicht mit einem lieblos ausgesuchten Bild oder Ausschnitt einer Dokumentation riskieren. Also begann ich, mich einzulesen und dann selbst einen Text zu schreiben, den ich euch natürlich nicht vorenthalten will:

„Dünne Engel fliegen leichter
Ich heiße Hannah und bin 18 Jahre alt. Als ich klein war liebte ich es Schmetterlinge zu fangen, Baden zu gehen oder tonnenweise Schokopudding zu essen. Ich mag diese Dinge auch heute noch, nur leider habe ich keine Zeit mehr für solche Sachen, ich bin zu beschäftigt.
Heute habe ich andere Interessen, wie zum Beispiel Sport!
Manche Ärzte behaupten zwar, dass ich krank wäre, doch das bin ich einfach nicht!
Sie sagen mir ich muss mehr essen, doch meiner Meinung nach reichen eine Karotte und ein Knäckebrot pro Tag. Doch manchmal esse ich einen Teller Suppe, damit meine Mutter nicht mehr weint…
Ich hasse es meine Mutter weinen zu sehen. Ich will, nein, ich kann sie einfach nicht mehr weinen sehen. Denn sie hat schon viel zu oft um mich geweint, doch damit ihr euch etwas vorstellen könnt, beginne ich von vorne:

Stellt euch einmal ein Mädchen vor. So um die 13 Jahre alt, gesund, glücklich und unbesorgt. Es hat keine Ahnung vom Leben. Das Mädchen ist ziemlich klein und etwas pummelig. Sie hat blonde, lange Haare und süße Wangen, die immerfort rot werden.
So ein Mädchen war ich! Wirklich glücklich mit dem Leben und viele Freunde waren an meiner Seite.
Ich hatte nur Einsen und eine tolle Zukunftsaussicht. Ich wurde auf eine Modeschule angenommen, auf der ich meinen Traum vom Modedesignen verwirklichen wollte.
Wie gesagt: wollte!
Als ich auf die Modeschule kam, waren dort nur schlanke und hübsche Mädchen. Ich fühlte mich wie der letzte Dreck. Die Mädchen behandelten mich auch schrecklich. Da waren Aussagen wie „fette Kuh“ noch das Netteste was ich hörte. Ich fühlte mich schlechter und schlechter. Das aufstehen am morgen fiel mir schwer, mir war jeden Tag speiübel und ich hatte Angst. Wirklich panische Angst, so dass ich noch von den Beschimpfungen träumte. Es sind Albträume die mich bis heute verfolgen: In diesen Träumen stehen die Mädchen vor mir, beschimpfen mich aufs letzte und ich kann nirgendwo hin.

Heute würde man sagen, ich wurde gemobbt, wie so viele Schüler. Ich selber beschreibe das nicht mehr als Mobbing, es war seelische Verstümmlung mit Beschimpfungen, die mir nie im Leben einfallen würden.
Kurz gesagt ich ging durch die Hölle, aber ich traute mich nicht, meine Lehrer oder Eltern einzuweihen. Ich war zu feige und hatte Angst, vor noch schlimmeren Beschimpfungen. Also ließ ich mir alles gefallen bis zu dem Tag, der mein Leben veränderte!
An diesem Tag sollten wir ein Kleid als Abschluss des ersten Jahres nähen. Jedoch würde das Kleid für eine andere Mitschülerin sein, also musste eine Hälfte der Klasse als Model dienen. Ich war in der Modelgruppe, und Carina musste meine Maße notieren.
Das Erste was ich zu hören bekam war:“ Wie soll ich denn das Maßband um dich rumbekommen? Du bist einfach viel zu fett!“ Ich kämpfte mit den Tränen, doch sie machte weiter:“ Gibt’s eigentlich noch Jeans in deiner Größe? Oder musst du dir sie schon selber nähen?“ Das war’s dann auch schon mit meiner Selbstbeherrschung. Ich rannte aus dem Raum und hörte hinter mir nur mehr das schallende Gelächter der anderen Mädchen.

Ich schwor mir, abzunehmen. Mindestens 10 Kilo. Außerdem wollte ich soviel Sport treiben, dass alle neidisch auf meinen Körper werden!
Also rannte ich nach Hause und druckte mir eine Energietabelle aus, damit ich nur mehr Lebensmittel zu mir nahm, die unter 100 Kalorien haben. Danach rannte ich so lange durch den Wald bis ich zweimal erbrechen musste.
Ich hatte ein Ziel vor Augen und ich kontrollierte mein Gewicht jeden Tag fanatisch. Falls ich zugenommen hatte, aß ich einfach einen Tag nichts.
Die Mädchen in der Schule hänselten mich weiter, doch als ich nach einem Monat 7 Kilo abgenommen hatte, wurde es ruhiger um meine Person und sie suchten sich ein anderes Opfer.
Ich war so angespornt, dass ich mein Projekt auch nicht nach 10 verlorenen Kilos abbrechen wollte. Ich war total in Fahrt, und mir machte es nichts aus, meine Eltern zu belügen, die mich jeden Tag fragten, ob ich wohl etwas gegessen habe.
Ich kam von Kleidergröße 38 auf Kleidergröße 34, doch das war mir nicht genug. Ich begann zu Essen um nachher wieder alles zu Erbrechen. Doch das reichte mir auch nicht, denn neben dem Sport schluckte ich Wattebällchen in Orangensaft getunkt. Den Orangensaft tauschte ich später durch Wasser aus, denn er hat einfach zu viele Kalorien. Aber irgendwie musste ich meinen Hunger stillen.
Natürlich fingen alle an, sich Sorgen um mich zu machen, sogar einige Mädchen, die mich vorher aufs Letzte gemobbt hatten. Da ich meine Mutter dauernd anschrie und keinen mehr an meiner Seelenverfassung teilhaben ließ, fingen sogar meine Eltern an, mich in Ruhe zu lassen. Ich war einfach zu versessen und nun war fast schon ein Jahr vergangen, seit ich meinen Lebensstil umschmiss. Damals hatte ich ein Gewicht von 40 Kilo bei einer Körpergröße von 170 cm.
Es war mir aber nicht genug, also versuchte ich es, 2 Wochen nichts zu essen. Das mir dabei aber die Haare ausgingen und meine Zähne anfingen, locker zu werden, sah ich nicht. Ich sah immer nur das kleine dicke Mädchen im Spiegel, das unbedingt abnehmen musste. Wenn ich einkaufen ging, nahm ich automatisch immer die falsche Kleidergröße, da ich der Meinung war, dass ich sowieso in keine 38 Jeans passte. Und Arztbesuche mied ich generell. Die erste Woche meines Projekts überstand ich gut. Es war Winter und ich hatte tausend Schichten an Kleidung an, um mich wenigstens etwas zu Wärmen. Doch in der zweiten Hälfte verließen mich die Kräfte. Ich musste mitten in der Stunde erbrechen und bekam extremen Schüttelfrost. Ich kann mich nur mehr daran erinnern, wie jemand schrie: „Holt einen Arzt!“
Danach verließ mich mein Gedächtnis für mehr als 3 Monate. Ich wurde durch eine Magensonde Zwangsernährt und meinen Geburtstag bekam ich gar nicht mit. Ich war ein psychisches Wrack mit 35 Kilo und 5 Gramm.
Man gab mir nicht mehr lange zu leben, doch ich kämpfte und so erwachte ich aus dem Koma und begann wieder selber zu Atmen.

Nun bin ich schon seit einem Jahr in der Klinik, und nach und nach versuche ich, wieder zu essen und mich nicht als dickes Mädchen zu sehen. Manchmal gelingt mir das.

Die Ärzte meinen, ich mache große Fortschritte. Aber ich bin nicht krank, die Magersucht ist Teil meines Lebens. Ich liebe sie und hasse sie zugleich, doch sie ist noch immer wie eine beste Freundin für mich. Ich habe gelernt, dass manche Freundschaften nicht für ewig gemacht sind. Deshalb wird sich mein Weg mit der von der Magersucht trennen, doch dies dauert noch seine Zeit!*“

(*Text ist aus dem Jahr 2012 und im Original übernommen)

Nach der Stunde fing  meine Professorin mich ab und fragte mich nach der Internetquelle für den Text, da ich logischerweise keine angegeben hatte. Mein 15- jähriges, gekränktes Ich musst ihr lange erklären, dass der Text wirklich von mir ist und ich sie nicht anlüge. Nachdem ich ihr auch erzählt habe, dass ich die ganzen Infos und Symptome der Krankheit eigentlich nur gegoogelt habe, war meine Professorin auf einmal ganz still und starrte mich  lange an. Ich fand das damals alles ziemlich komisch, da ich nicht verstand, worum es ihr ging. Mir ging’s ehrlich gesagt nur um die Note.

„Anscheinend hast du ein Talent dafür, du musst unbedingt weiterschreiben!“, sagte sie dann plötzlich zu mir. Wenn ich das hier so schreibe, kommt mir es so vor, als wäre das Ganze erst gestern passiert. Der Moment war einfach so verwirrend für mich, denn noch nie hatte jemand so etwas in der Art zu mir gesagt.

Grundsätzlich will ich damit sagen, dass man machmal einfach selber gar nicht weiß, was man eigentlich kann. Wahrscheinlich würde ich heute nicht Journalismus studieren, wenn meine Professorin damals nicht gewesen wäre. Natürlich hat mir das Schreiben schon davor Spaß gemacht, aber ich habe nie gedacht, dass meine Texte nur annähernd irgendjemanden interessieren würden.

Also wünsche ich euch nur eines: Nämlich jemanden, der euch etwas über euch selbst erzählt, das ihr noch gar nicht wusstet! Wer weiß, vielleicht wird etwas Großes daraus! 😉

Eure Melanie

10 Things about the f*** winter

Das menschliche Gehirn erinnert sich grundsätzlich leichter an negative Erfahrungen als an Positive. Und nein,das ist kein Schwachsinn, der aus meinem Kopf stammt, sondern wissenschaftlich belegt. Könnt ihr sogar googeln! Deshalb habe ich eine sehr repräsentative Umfrage gestartet, in der sich zeigte, dass 75% meiner Befragten den Winter Scheiße finden. Gut, ich habe nur 4 Personen befragt aber immerhin habe ich mich fast bemüht. Ich war übrigens eine der 4 Personen und ich habe den Winter noch nie gemocht. Okay, Schifahren kann man noch irgendwie akzeptieren, aber dann sind wir auch schon wieder fertig.

Hier nun meine unglaublichen „Top 10″, die euch belegen, dass der Winter einfach schrecklich ist:

1.Kälte

Wenn mir nochmal jemand weiß machen will, dass ich die Kälte gewöhnt sein muss, dann bitte meldet euch für den nächsten Geographie Kurs an. Österreich liegt nicht am Nordpol und das sich bei -9°C mein Gesicht in einen roten Eiszapfen verwandelt, ist auch normal. Derzeit wäre ich jedenfalls nicht überrascht, wenn sich die streunenden Huskys in Berlin als verirrte Eisbärenfamilie entpuppt. So viel zum Thema globale Erwärmung!

2.Dunkelheit

Morgens, beim Versuch den Lichtschalter zu finden,kann man schon an seine Grenzen stoßen. Man fällt aus dem Bett und kann nur hoffen, dass man von einem der Nachbarn gerettet wird, der mit einer Fackel in der Hand die Tür aufbricht.

3.Kurze Haare

Ja, ich weiß, ich bin selbst Schuld. Bevor ich halb erfriere, trage ich Mützen, wenn man die aber wieder abnimmt, sieht man aus wie Kirsten Stewart in ihrer Kurzhaar- Phase, nachdem sie in die Steckdose gegriffen hat. Man ist in dem Fall dann so oder so eine Belastung für die Umwelt. Entweder durch die abstehenden Haare als optische Belästigung oder eben durch die Mütze, die man ganz unhöflich auch im warmen Raum am Kopf lässt.

4.Heizen

Der Grad zwischen Skandinavien und tropischer Urwaldsauna ist schmal. Sehr schmal. Die passende Einstellung ist von Wohnung zu Wohnung individuell und während man verzweifelt versucht, im dicken Norwegerpulli die Heizung runterzudrehen, kann man schon mal leicht an einem Hitzeschock sterben.

5.Jacken

Wenn man nicht gerade mit einer Elfenfigur gesegnet ist, sieht man in den meisten Winterjacken aus, wie Cindy aus Marzahn im Kartoffelsack. Das Schlimme daran ist auch noch, dass man sich kaum bewegen kann. Ihr wisst, wovon ich rede!

6.Handschuhe

Der Graus eines jeden Smartphone-Besitzers sind eindeutig Handschuhe. Nichts lässt sich bedienen und irgendwie sind die Hände trotzdem eiskalt. Falls dann doch irgendwie was geht, schickt man versehentlich eine Autokorrektur- SMS an seinen Professor mit dem Inhalt:“ Ich liebe dich.“

7.Tee in der Thermoskanne

Thermoskannen sind unglaubliche Erfindungen und bereichern mein Leben. Auch im negativen Sinne, denn ich hatte noch nie eine Thermoskanne, die nicht mindestens einmal sich von ganz alleine in meiner Tasche entleert hat. Während man dann den Tee verflucht, bügelt man seine Blöcke, Mappen und Notizbücher bis zur Unkenntlichkeit.

8.Öffentliche Verkehrsmittel

Derzeit stell ich mir die Mitarbeiter der BVG so vor:

Mitarbeiter A: „Ach du Scheiße, es hat 0,08 mm geschneit!“
Mitarbeiter B: „Komm, das ist zu gefährlich. Lass mal die nächsten 20 Züge ausfallen!“
Mitarbeiter A: „Liebe Fahrgäste! Auf Grund einer technischen Störung….“

End of the story.

9.Rutschige Gehwege

Wie ihr nun schon wisst, attackiere ich gerne diverse Böden. Die derzeitigen Wetterverhältnisse lassen die Anzahl meiner Akrobatik Shows in schwindlige Höhen steigen. Trotz relativ gutem Schuhwerk könnt ihr mich durch die Straßen von Berlin schlittern sehen, während ich noch immer Mädels bewundere, die im Schnee mit hohen Schuhen stolzieren.

10.Schneematsch

Während der Schnee auf meinem Balkon schön glitzert, sieht der Schnee in den Straßen aus wie ein großer Kuhfladen, den ich mit in meine Wohnung trage. I’m not amused!

Bleibt stark und packt euch warm ein, in zwei Monaten ist das Leben wieder besser!

Eure Melanie