Journalisten und die AfD

Am Samstag der Jahreskonferenz von Netzwerk Recherche 2017 betritt die Bühne ein ganz besonderer Gast. Besonders nicht nur wegen seiner grünen Pudel-Krawatte, sondern anders in seinem Verhältnis zum anwesenden Publikum. Rund 200 Journalistinnen und Journalisten sitzen nun dem Vize-Vorsitzenden der „Alternative für Deutschland“ gegenüber. Mit ihm am Podium  AfD-Expertin Melanie Amann („Spiegel“) und der ARD-Aktuell-Chefredakteur Kai Gniffke. Das Thema:  „‚Populisten‘ und ‚Lügenpresse“.

Dass die Diskussion nicht gerade ruhig ablaufen wird, war durchaus zu erwarten. Das unendliche Spiel des „bösen“ Journalisten und der „armen“ AfD hat sich schon bei der Begrüßung irgendwie spürbar gemacht. Grundsätzlich hat man generell die abneigende Haltung beiderseits wahrnehmen können. Man kann zur AfD und Herrn Gauland stehen, wie man möchte, aber mutig, dass er sich diesem Publikum gestellt hat. Oder PR-freundlich. Wie auch immer.

Es ist nicht okay, wenn man die Flüchtlinge als „Invasion von Menschen“ bezeichnet und anzugeben, Jérôme Boateng nicht zu kennen, auch wenn man ihn vor fast einem Jahr „nicht als Nachbarn“ haben wollte. Aber auch nicht okay ist es, jemanden seinen Hass zu vermitteln und regelmäßig spüren zu lassen. Schon gar nicht als Journalist. Hiermit komme ich zum springenden Punkt:

Schon vor der Veranstaltung hat zum Beispiel die renommierte Journalistin Andrea Röpke ihre Mitgliedschaft bei Netzwerk Recherche gekündigt. Grund dafür ist die Veranstaltung mit Alexander Gauland. Gegenüber ZAPP sagt sie dazu: „Er ist jemand der die Politik von Björn Höcke und den anderen völkisch-nationalistischen in den eigenen Reihen ganz klar mitträgt. Gauland ist einer den man nicht als einzelne Person, als Charmeur, als einen netten Ansprechpartner verstehen muss, sondern als einen Vertreter einer Partei die höchstgefährlich ist für den sozialen Frieden, für die Demokratie und den Humanismus und als solchen würde ich ihn verstehen.“

Wo wir wieder bei null anfangen: Die AfD hat eine Sonderstellung, auch durch die journalistische Berichterstattung. Aber Journalisten sind Journalisten. Sie sollen fragen, recherchieren und Dinge für die Öffentlichkeit aufbereiten. Hier zu sagen „mit dem rede ich aber nicht“ klingt für mich so, als würde eine Reinigungskraft sagen:“ Diese Toilette putze ich aber nicht, die stinkt mir zu sehr!“ Das soll jetzt keine Verherrlichung der AfD-Partei sein. Aber in einer Demokratie ist trotzdem noch jede Meinung da, um ausgesprochen zu werden. Egal wie unmöglich man diese findet. Übrigens steht das sogar im Pressekodex:

Richtlinie 1.2 – Wahlkampfberichterstattung
Zur wahrhaftigen Unterrichtung der Öffentlichkeit gehört, dass die Presse in der Wahlkampfberichterstattung auch über Auffassungen berichtet, die sie selbst nicht teilt.

Also sollten wir in Zukunft weniger darüber nachdenken, was die AfD-Vertreter „schon wieder gemacht haben“ und uns besser darauf vorbereiten, wie wir darüber berichten wollen. Denn die Presse trägt immer noch einen sehr großen Teil zur Meinungsbildung bei, und dieser Auftrag sollte besser mit Respekt und Wissen erfüllt werden, als mit Hass und Ausgrenzung gegenüber einer Partei, die schlussendlich doch in Deutschland von einigen Menschen noch immer gewählt wird.

Bis bald,

Melanie

 

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Es war nicht alles gut,…

…auch wenn jeder so tut! Eine bekannte Textpassage der deutschsprachigen Rock-Band Jennifer Rostock. Bevor ich irgendetwas anderes sage: Ich bin ein riesiger Fan. Die Texte der Songs haben immer eine Hook und einen sehr lyrischen Stil. Man muss zwar meist ein Lied mindestens fünfmal gehört haben, um die Aussage des Textes „richtig“ interpretieren zu können, aber genau das macht es spannend. Und habe ich eigentlich schon die Frontfrau Jennifer Weist erwähnt? Wahnsinn, das trifft es ziemlich gut. Das ehrliche Selbstbewusstsein ohne einen Hauch Arroganz an den Tag zu bringen, ist eine Meisterleistung. Ihre Optik ist Geschmackssache, aber ich kann ihr in dem Fall zwölf von zehn Punkten geben. Wenn ihr versteht, was ich meine.

Nichtsdestotrotz: Umso geiler die Band, umso beschissener die Fans. Es tut mir leid, aber mir ist kein freundlicheres und seriöseres Wort eingefallen. In Berlin ist es meist so, dass jeder ein bisschen „mehr anders“ als der andere sein will. Nett ausgedrückt. Das führte natürlich auch dazu, dass es auf dem „Genau in diesem Ton“-Konzert von Jennifer Rostock in der Columbiahalle letzten Sonntag nur so von „anderen“ Menschen wuselte. Was auch alles total in Ordnung ist! Jeder soll bitte das tun, was derjenige möchte. Wenn du die Spucke von Jennifer Weist trinken willst, die sie dir in einem Schnapsglas anbietet, dann tu das bitte. Wenn du dir einen Joint während dem Konzert reinziehst, bitte, ist nicht mein Problem. Wenn du dich halb ausziehen willst, um deine Brüste zu präsentieren: Respekt, würde ich mich nicht trauen. Und wenn du pogen willst, ist das auch völlig legitim! Aber bitte, wirklich, dafür gibt es den Moshpit. Und der ist üblicherweise IN DER MITTE vor der Bühne.

Womit ich auch schon zu den „beschissenen“ Fans komme. Und das sind die, die andere nicht respektieren. Leider waren auf diesem Konzert eine Menge davon anwesend. Denn, wie oben schon erwähnt, ist es üblich, auf solchen Konzerten zu pogen. Meiner Meinung nach zeigt das wieder, wie sehr wir Menschen von den Affen abstammen und wie primitiv unsere Gesellschaft ist. Genau deshalb mache ich nicht mit. Aber ich kenne einige Personen, die das gerne tun, um so „den Shit um sich herum“  vergessen zu können. Alles legitim! Jeder, der auf so ein Konzert geht, weiß, dass es praktisch zum guten Ton gehört, in der Mitte zu pogen. Deshalb stelle ich mich aus Prinzip weiter außen hin. Blöd nur, wenn einige Fans das Gefühl haben, alleine auf diesem Planeten zu wohnen. Wenn dann nicht einmal mehr ein: „Alter, geh doch in die Mitte, wir lassen dich durch!“ hilft, solltest du entweder deine Moral oder deinen Cannabiskonsum überdenken. Denn egal wer du sein willst oder was du bist, geh einfach anderen nicht damit auf die Nerven!

Bis bald,

Melanie