Alltagsgeschichten 3.0

Als Student hat man es grundsätzlich nicht leicht. Ständig wird einem vorgeworfen, dass man faul sei und der Familie nur auf der Tasche liegt. „Studieren ist wie arbeitslos sein, nur das die Eltern stolz sind“, höre ich öfter als „Despacito“ im Radio. Natürlich mag das für den ein oder anderen stimmen, aber den meisten Studenten macht ihr Studium Spaß, und sie investieren viel Zeit und Nerven.

Starke Nerven kann ich auch sehr gut gebrauchen, wenn ich neue Leute kennenlerne und diesen erzähle, dass ich Journalismus studiere. Wenn ich in Österreich bin und gefragt werde, ist es meistens total egal, was ich studiere, sondern wo. Hier zählt nur, wie cool Berlin doch ist und welche „Geheimtipps“ ich preisgeben kann, falls der ein oder andere doch einmal Urlaub machen sollte. In Deutschland sieht so eine Kommunikation ganz anders aus. Von abwertenden Blicken bis mitleidigen Kopfschütteln ist so einiges dabei. Der Begriff „Lügenpresse“ ist dank Mister Trump doch alltagstauglicher als erwartet. Aber nun zur eigentlichen Geschichte:

Vor einigen Wochen musste ich zum Arzt und da ich in Berlin war, suchte ich mir wohl oder übel eine neue Praxis. Nachdem ich schon zwei Stunden im Wartezimmer zwischen hustenden Kindern und jammernden Omas verbracht hatte, war ich endlich dran. Als ich den Behandlungsraum betrat, empfing  mich der Doktor schon mit einem lachenden „Griaß DU!“. Nein, kein Tippfehler, er hat es wirklich so gesagt. Anscheinend ein sprachliches Überbleibsel von seinem letzten Schi-Urlaub in Tirol, welches er auf Grund von zu viel Jägertee nur noch schwammig in Erinnerung hatte. Allein meine Krankenkassen-Karte erinnerte ihn vermutlich wieder an die wohl recht flüssige Zeit. Für mehr als ein trockenes „Hallo“ als Antwort hat meine körperliche Verfassung aber nicht gereicht, was den Arzt aber weniger beirrte. Während er also mit einem Holzmundspatel meinen geröteten Rachen abcheckte, redete er weiter.

Arzt: “ Ich war schon öfter im Urlaub in Österreich. So schön ist es da, allein die Berge. Warum in aller Welt kommen Sie  freiwillig nach Berlin?“

Ich: „Studium.“

Meine Hoffnungen, dass dieses Gespräch somit beendet ist und er mir endlich das Rezept für mein Medikament in die Hand drückt, wurden in Sekunden zerstört. Hätte ich „Staatsbürgerschaft“ gesagt, hätte er vermutlich gelacht und mich in Ruhe gelassen. Aber schlauer ist man bekanntlich immer später.

Arzt: „Lassen Sie mich raten, Medizin studieren Sie hier nicht.“

Ich: „Nein, Journalismus.“

Arzt, wie aus der Pistole geschossen: „Gegen wen?“

Wow, noch eine Reaktion, mit der ich mittlerweile rechnen sollte, aber die mich dann trotzdem eiskalt überrascht. Sehr originell, der Herr Doktor. Das hat auch der Arzt bemerkt, der sein Grinsen kaum verbergen konnte. Auch wenn ich nur mehr ins Bett wollte und keine Lust auf Diskussionen hatte, fiel mir doch noch ein schneller Konter ein.

Ich: „Für alle, und auch speziell für Sie, damit Sie auch in Zukunft jeden Morgen wissen, was auf der Welt passiert ist. Wissen Sie vielleicht, wo die nächste Apotheke ist?“

Anscheinend hat ihn diese Antwort dann doch so verblüfft, dass er den Themenwechsel lächelnd annahm und mir den Weg erklärte. Allerdings rief er mir noch nach, das er mir viel Erfolg im Studium wünsche und er hoffentlich nie einen Artikel in der BILD von mir lesen würde.

Der letzte Satz wäre natürlich auch eine Antwort wert gewesen, aber auf das hatte ich dann  genauso viel Lust wie auf die kommenden Tage, die ich im Bett bleiben musste. Den Arzt werde ich wahrscheinlich nicht mehr sehen, außer eventuell irgendwo in einer Schihütte in Österreich. Dann könnte ich ihn auch fragen, ob er nun für den Patienten oder die Pharmaindustrie arbeitet. Aber das ist dann schon wieder eine ganz andere Geschichte!

Bussi Baba,

Melanie

 

 

 

 

Ehe für alle

Am 17. Mai 1990 traf die WHO (Weltgesundheitsorganisation) die Entscheidung, Homosexualität nicht mehr als psychische Krankheit anzusehen. Heute, rund 27 Jahre später, wurde im deutschen Bundestag beschlossen, dass auch gleichgeschlechtliche Paare heiraten dürfen. Bei 623 abgegebenen Stimmen sprachen sich 393 Abgeordnete für die rechtliche Gleichstellung homosexueller Paare aus.

Das Thema dieser Abstimmung steht nicht erst seit kurzem zur Debatte und hat im Vorfeld schon ziemlich viele, „schlagfertige“ Gegenargumente hervorgezaubert. Von „Mimimimi, das ist doch gegen die Natur, mimimi“ bis zum Familienvorschlag der AfD trieben es die Politiker bunter als auf der Regenbogenfahne Farben sind. Aus diesem Anlass hier:

Die zehn „schönsten“ Argumente gegen die Ehe für alle

1. „Die Ehe ist ein Bündnis zwischen Mann und Frau! Das war schon immer so.“

Die Erde ist eine Scheibe! Das war schon immer so. Folter ist eine super Methode um Informationen zu kriegen! Das war schon immer so. Frauen dürfen nicht wählen! Das war schon immer so. Alles ganz logisch, oder?

2. „Die Ehe dient der Fortpflanzung.“

Okay, wenn das so ist, dann müssten  alle Paare, die heiraten wollen, ihre Fruchtbarkeit medizinisch belegen lassen. Außerdem müsste dann ein Gesetz entworfen werden, welches bestimmt, in welchem Zeitraum nach der Eheschließung das erste Kind geboren werden muss. Sonst macht das alles keinen Sinn!

3. „Das Kindeswohl muss geschützt werden.“

Bei solchen Argumenten denkt man doch gerne an „Teenie-Mütter“ oder „Teenager werden Mütter“ und fragt sich, wo die ganzen Moralapostel in diesem Fall bleiben. Außerdem gibt es viele Kinder und Jugendliche, die sich eine Familie wünschen und diese erst durch Adoption bekommen können. Da es in der gleichgeschlechtlichen Ehe theoretische zu keiner Fortpflanzung kommen kann, haben so viele Kinder eine Chance auf eine Familie. Übrigens beweisen Studien, dass es Regenbogenkindern nicht schlechter geht, als Kindern in einer „heterosexuellen Familie“.

4. „Dann könnte man auch Vielehen erlauben.“

Wo auch immer dieses Argument herkommt: Mit einem Verbot der gleichgeschlechtlichen Ehe, wo es wie bei der heterosexuellen Ehe um ZWEI Menschen geht, die sich lieben, diskriminiert man auch quasi die sexuelle Orientierung der einzelnen Person. Somit lässt sich eine homosexuelle Ehe gar nicht gleichschließen mit einer Vielehe. Denn hier können die Personen (zumindest einmal) verheiratet sein.

5. „Es gibt doch die eingetragene Lebenspartnerschaft.“

Ja, aber in dieser sind die Rechte der beiden Partner wiederum  anders als in der Ehe. Und warum sollte man jemanden Rechte wegnehmen, nur weil sie/er sich in eine/n Frau/Mann verliebt hat? Als hätten sie sich das ausgesucht.

6.“Aber in der Bibel steht, das…“

Das Eva aus der Rippe Adams gezeugt wurde? Sind die beiden dann nicht quasi verwandt? Wie auch immer,  ich bezweifle stark, dass Gott Waffen, Kriege und ähnliches gut heißt, und sich gegen Liebe aussprechen würde.

7.“Die Ehe steht im Grundgesetz. Eine Änderung wäre verfassungswidrig.“

Well played, immer schön auf das Grundgesetz zurückgreifen, da kann man nichts falsch machen. Blöd nur, wenn das einzig und allein „Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung“ steht. Wer nun wen heiraten darf, ist darin aber nicht festgelegt und eine Änderung somit unnötig.

8. „Das spricht gegen die deutsche Leitkultur.“

Döner essen, Mode aus Italien tragen und sich nicht in einer Schlange anzustellen dann auch.

9. „Das ist gegen die Natur.“

Liebe ist eine (komplizierte) biochemische Reaktion im Körper eines Menschen ausgelöst durch Hormone. Also sehr natürlich. Was allerdings gegen die Natur sprich sind Autos, Plastik und Herzschrittmacher. Noch Fragen?

10. „Das kann man nicht machen.“ -Hedwig von Beverfoerde

Naja, liebe Frau von Beverfoerde, irgendwie schon, wie sie vermutlich mitbekommen haben!

Traurig eigentlich, dass im Jahre 2017 Diskriminierung und Benachteiligung noch immer mit solchen Argumenten verteidigt werden. Man muss selbst nicht homosexuell sein, um die Rechte anderer einzufordern. Denn schlussendlich geht es um Liebe und nichts anderes. Vielleicht versteht das auch Österreich irgendwann.

Bis bald,

Melanie

 

Menschen Museum Berlin

Alle Präparate dieser Ausstellung sind echt. Sie stammen von Menschen, die zu Lebzeiten darüber verfügt haben, dass ihr Körper nach dem Ableben dauerhaft konserviert und in dieser Ausstellung für die Ausbildung zukünftiger Generationen verwendet werden darf. […] Dafür sind wir Ihnen zu tiefem Dank verpflichtet.“

Dankbarkeit. Etwas, das in unserer modernen Welt schon lange zu kurz kommt. Wir leben zu schnell, essen zu viel und schlafen zu wenig. Das wir aber eigentlich aus „Zufall“ hier sind, und uns nur ein Körper für dieses Leben gegeben wurde, vergessen wir viel zu oft. Auch wenn unsere Knochen stärker als Stahl sind, wir machen uns selbst kaputt mit schlechter Ernährung oder durch gebrochene Herzen.

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©elitale

Die Ausstellung „Körperwelten“ von Dr. Gunter von Hagens im Berliner Menschen Museum am Alexanderplatz fasziniert nicht nur Mediziner, sondern ist für Jung und Alt gedacht. Das Werk des deutschen Arztes soll zur Aufklärung der Öffentlichkeit beitragen, ohne das die Identität der Spender Preis gegeben wird.

Natürlich kann man darüber diskutieren, ob es verwerflich ist, tote Körper und vor allem Babys auszustellen. Doch um etwas wirklich verstehen zu können, muss man es gesehen haben.

Bis bald,

Melanie

Es war nicht alles gut,…

…auch wenn jeder so tut! Eine bekannte Textpassage der deutschsprachigen Rock-Band Jennifer Rostock. Bevor ich irgendetwas anderes sage: Ich bin ein riesiger Fan. Die Texte der Songs haben immer eine Hook und einen sehr lyrischen Stil. Man muss zwar meist ein Lied mindestens fünfmal gehört haben, um die Aussage des Textes „richtig“ interpretieren zu können, aber genau das macht es spannend. Und habe ich eigentlich schon die Frontfrau Jennifer Weist erwähnt? Wahnsinn, das trifft es ziemlich gut. Das ehrliche Selbstbewusstsein ohne einen Hauch Arroganz an den Tag zu bringen, ist eine Meisterleistung. Ihre Optik ist Geschmackssache, aber ich kann ihr in dem Fall zwölf von zehn Punkten geben. Wenn ihr versteht, was ich meine.

Nichtsdestotrotz: Umso geiler die Band, umso beschissener die Fans. Es tut mir leid, aber mir ist kein freundlicheres und seriöseres Wort eingefallen. In Berlin ist es meist so, dass jeder ein bisschen „mehr anders“ als der andere sein will. Nett ausgedrückt. Das führte natürlich auch dazu, dass es auf dem „Genau in diesem Ton“-Konzert von Jennifer Rostock in der Columbiahalle letzten Sonntag nur so von „anderen“ Menschen wuselte. Was auch alles total in Ordnung ist! Jeder soll bitte das tun, was derjenige möchte. Wenn du die Spucke von Jennifer Weist trinken willst, die sie dir in einem Schnapsglas anbietet, dann tu das bitte. Wenn du dir einen Joint während dem Konzert reinziehst, bitte, ist nicht mein Problem. Wenn du dich halb ausziehen willst, um deine Brüste zu präsentieren: Respekt, würde ich mich nicht trauen. Und wenn du pogen willst, ist das auch völlig legitim! Aber bitte, wirklich, dafür gibt es den Moshpit. Und der ist üblicherweise IN DER MITTE vor der Bühne.

Womit ich auch schon zu den „beschissenen“ Fans komme. Und das sind die, die andere nicht respektieren. Leider waren auf diesem Konzert eine Menge davon anwesend. Denn, wie oben schon erwähnt, ist es üblich, auf solchen Konzerten zu pogen. Meiner Meinung nach zeigt das wieder, wie sehr wir Menschen von den Affen abstammen und wie primitiv unsere Gesellschaft ist. Genau deshalb mache ich nicht mit. Aber ich kenne einige Personen, die das gerne tun, um so „den Shit um sich herum“  vergessen zu können. Alles legitim! Jeder, der auf so ein Konzert geht, weiß, dass es praktisch zum guten Ton gehört, in der Mitte zu pogen. Deshalb stelle ich mich aus Prinzip weiter außen hin. Blöd nur, wenn einige Fans das Gefühl haben, alleine auf diesem Planeten zu wohnen. Wenn dann nicht einmal mehr ein: „Alter, geh doch in die Mitte, wir lassen dich durch!“ hilft, solltest du entweder deine Moral oder deinen Cannabiskonsum überdenken. Denn egal wer du sein willst oder was du bist, geh einfach anderen nicht damit auf die Nerven!

Bis bald,

Melanie

Vom BWL-Student zum preisgekrönten Filmemacher

Seine fixen Arbeitsinstrumente: Ein Laptop und ein Handy. Der Arbeitsplatz hingegen ändert sich nahezu täglich. Der Filmemacher İlker Ҫatak hat das geschafft, wovon viele Filmstudenten träumen. Schon während seines Studiums realisierte der 33-Jährige diverse Kurzfilme. Besonders seine Filme „Wo wir sind“ und „Sadakat“ stechen heraus. Mit beiden gewann er den Kurzfilmwettbewerb des Max-Öphuls-Festivals. Zusätzlich folgte die Nominierung für den Student-Academy-Award, mit dem sein Film „Sadakat“ auch ausgezeichnet wurde. Des Weiteren erhielt er ebenfalls mit „Sadakat“ den First-Steps-Award in der Kategorie „Kurz- und Animationsfilm“. Was der Filmemacher selbst zu seinen Erfolgen sagt und wie seine Familie darüber denkt, hat İlker mir* in einem Telefongespräch erzählt, während er im Zug für ein Projekt nach München pendeln musste.

 

Zuerst hast du bei verschiedenen Filmproduktionen gearbeitet und hast danach erst ein Studium absolviert. Wieso wolltest du noch ein Studium anhängen?

Ich hatte mich bei diesen Produktionen beworben, weil ich für das Studium, das ich eigentlich machen wollte, praktische Erfahrung brauchte. Der Entschluss war schon vorher da, aber da ich für die Bewerbung Praktika brauchte, musste ich diese natürlich auch machen.

Aber im Endeffekt hast du dich dann doch für die DEKRA Hochschule entschieden, wo man keine Praktika-Erfahrung für die Bewerbung benötigt. Wie kam es denn dazu?

Ursprünglich habe ich an der Freien Universität in Berlin BWL studiert. Leider machte mir dies nach einer gewissen Zeit keinen Spaß. Also habe ich mich an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (dffb) und an der Hochschule für Film und Fernsehen Konrad Wolf (HFF) beworben. Beide haben mich abgelehnt, aber ich wollte unbedingt Film studieren und so bin ich an die DEKRA Hochschule gekommen.

 

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©Unbekannt

Also denkst du, dass das Studium ausschlaggebend für deinen jetzigen Erfolg war?

Das kann ich nicht sagen. Was ausschlaggebend war, ist vermutlich eine Kombination an Ereignissen. Ob das nun ein Kommilitone war, dem ich begegnet bin oder etwas, was mir im Unterricht vermittelt wurde oder ob es dann doch die Erziehung meiner Eltern war: Im Endeffekt gibt es nie schwarz und weiß, sondern immer eine Mischung aus Grautönen.

Apropos Eltern: Was sagt deine Familie zu deinen Erfolgen?

Na, die freuen sich natürlich, verständlicherweise.

Fun Fact: Ich bin auf das Filmemachen eigentlich durch das Arbeitsamt gekommen. Der Berater meinte so: „Was sind denn deine Hobbies?“ Und ich meinte: „Kino.“ Und er meinte: „Ja gut, dann mach halt Kino.“

Du hast schon viele große Preise gewonnen: Gibt es dir Selbstsicherheit oder ist es ein Antrieb für noch größere Projekte?

Selbstsicherheit geben mir Preise schon. Aber in erster Linie sind sie auch Türöffner für weitere Projekte. Im Endeffekt fängst du nach jedem Projekt wieder bei null an. Mit jedem Projekt werden die Karten neu gemischt. Aber klar, größere Projekte sind auch der Versuch, nach den Sternen zu greifen. Da will ich hin.

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©Unbekannt

Nun kurz zu einem anderen Thema: Du hast dein Abitur in Istanbul gemacht. Warum bist du danach wieder zurück nach Deutschland?

 Weil ich Zivildienst machen musste. Ich war also wieder in Deutschland und habe zu studieren begonnen. Aber davor war ich acht Jahre in der Türkei.. Meine Familie lebt zum Teil noch in Istanbul und Ankara.

Mit wem hättest du einmal Lust zu arbeiten?

Die Frage kann ich nicht wirklich beantworten, da ich in meinem letzten Film mit jeden zusammenarbeiten durfte, mit dem ich wollte. Aber wenn du mich nun nach amerikanischen Stars fragst, finde ich uninteressant. Deshalb muss ich dich bei dieser Frage leider auch enttäuschen (lacht).

Also hast du gar keine hochgesteckten Träume?

 Doch schon.Aber es ist doch viel geiler wenn man Freunde pusht und die dann zu Stars macht, als andersrum. Gut mir fällt jetzt jemand ein: mit Nina Hoss würd ich gern mal einen Film drehen.

Welchen Tipp kannst du Studenten geben, die dich als Vorbild haben?

 Geht raus und dreht eure Filme und wartet nicht darauf, perfekte Umstände zu haben. Denn es muss nicht die beste Kamera sein, solange ihr eure Geschichte erzählen könnt. Am Anfang ist es ganz wichtig, einfach zu produzieren. Mit jedem Projekt lernst du neue Sachen. Lernst im Schnitt was funktioniert und was nicht. Das ist ein Prozess, der Zeit braucht. Im Großen und Ganzen musst du Spaß an der Sache haben und darfst dich nicht vom Ehrgeiz zerfressen lassen.

Ich habe noch ein paar kurze Entweder- / Oder-Fragen für dich!

Schieß los!

 

Frühaufsteher oder Langschläfer?

Frühaufsteher

 

Schifahren oder Strandurlaub?

Strandurlaub

 

Currywurst oder Döner?

(lacht) Döner

 

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Während der Reise nach München ©Ilker

Partynacht oder Filmeabend?

Oh, da fragst du aber was! Also beides!

 

Und wenn du nur eines wählen kannst?

Ne, ich habe gerade beides erfunden!

 

Okay, also zuerst Partynacht und danach einen Film?

Nein, andersrum, nach der Partynacht bist du ja zerstört!

 

Berlin oder Hamburg?

Tut mir leid, das sind aber bescheuerte Fragen! Ich liebe Hamburg und Berlin, ist so, als würde ich dich fragen, welchen deiner Daumen du lieber magst!

 

Danke für deine Ehrlichkeit und auch für das Interview!

Auch wenn man sich etwas Anderes von einem Preisträger erwartet: İlker Ҫatak ist auf dem Boden geblieben und liebt einfach das, was er täglich machen kann. Das ist wahrscheinlich sein bisher größter Erfolg!

Bis bald,

Melanie

*Bildauswahl und Textüberarbeitung: Vanesa Heilig

 Der Artikel erschien zuerst im EX!-Magazin der DEKRA Hochschule.

 

Prenzlauer Berg Kids

Das der Stadtteil Prenzlauer Berg nicht auf einem Berg liegt, wie der Name vermuten lässt, stellt sich als einzige Lüge über das beliebte Berliner Gebiet heraus. Die Klischees rund um das Szene-Viertel stimmen aber soweit. Viele Schwaben und umso mehr Familien mit kleinen Kindern oder Pärchen, die sich gerade in diese Richtung bewegen, besiedeln diesen Stadtteil. Seit ich hier wohne habe ich so viele Babys gesehen und deren Spucke an irgendeinem Kleidungsstück gehabt, wie in den letzten 20 Jahren nicht. Und in dieser Zeitspanne war ich schließlich selbst einmal ein Kleinkind.

10 Dinge, die jeder im Prenzlauer Berg schon einmal gehört hat

1. „Können Sie mir bitte helfen?“

Jede Mutter, mindestens einmal täglich, wenn sie mit Kinderwagen und öffentlichen Verkehrsmittel unterwegs ist. Denn laut meiner eigenen Statistik funktionieren gut 90% der Aufzüge innerhalb von Bahnhöfen nicht. Selbstverständlich, dass man da als Außenstehender hilft, und den Kinderwagen gut 900 Stufen hinauf- oder hinunterschleppt. Spart einem die Fitnessstudiogebühren. Aber könnten Sie ihr Balg bitte davor aus dem Kinderwagen nehmen? Ersten möchte ich nicht angespuckt und zweitens will ich nicht wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht verurteilt werden. Danke!

2. „Welcher ist nun meiner?“

Weiter geht es mit der Kinderwagen-Mafia, denn egal wo man wohnt, in jeder Straße gibt es mindestens eine Tagesmutter oder eine Kita. Davor sind dann die Kinderwägen geparkt, wie Autos vor einem Kaufhaus. Das man hier den Überblick verlieren kann, ist durchaus berechtigt. Nicht selten sieht man verzweifelte Mütter mit Kindern auf dem Arm, die ihr eigenes Baby-Mobil noch nicht ausfindig machen konnten.

3.“Maaaaaaaaama!“

Supermarktregale können aber auch furchtbar verwirrend sein. Das man da seine Mama verliert, klingt einleuchtend. Ich tue es heute noch. Aber so rumzuschreien ist wirklich unnötig, wenn eure Mutter drei Meter weiter steht.

4.“Wir haben heute minus 20% auf unsere Umstandsmode!“

Oh, danke für die Info. Egal was du mir damit sagen willst, belassen wir es besser dabei.

5.“Entschuldigung, darf ich Sie als Wunschnachbar für meine DHL-Pakete angeben. Mein Kind wacht immer auf, wenn der Bote klingelt.“

Wie bitte? Ich bin Student und werde gegen 15 Uhr auch immer vom Klingeln des DHL-Boten geweckt! Ihr Kind ist noch jung, das verkraftet es schon noch.

6.“*Geschrei aus der Wohnung gegenüber*“

Oder Kindergetrampel. Am Sonntag. Um 9 Uhr.

7.“Können Sie einmal halten bitte?“

Was? Wie? Ihr Kind? Oh Gott, nein! Ach, sie meinten die Tasche, damit sie sich ihr Kind wieder in ihrem Tuch um den Bauch schnallen können. Klar, kein Problem.

8.“Ja wirklich, sie hat heute schon drei Schritte ganz alleine gemacht!“

Ach schön, aber das kann man seinem Mann auch ganz in Ruhe zu Hause erzählen. Nicht in der vollen U-Bahn am Telefon, währen 400 andere Fahrgäste gezwungener Maßen mithören müssen.

9.“Tut mir leid, normalerweise macht er das nie!“

Kinder sind super, so lange sie einen nicht anniesen oder sogar anspucken. Ich weiß, es ist eigentlich halb so wild, aber menschliche Sekrete auf irgendwelchen Kleidungsstücken kleben zu haben, ist weniger erfreulich.

10.“Wiiiiir steigen aus. Wir aussteigen. Da raaaaaus!“

Jede Kita-Gruppe im Chor in der U-Bahn, zehn Stationen bevor sie aussteigen müssen.

Der Preis den wir bezahlen, um unsere Zukunft von morgen großzuziehen, ist nicht nur für die Eltern oft sehr hoch.

Bis bald,

Melanie

How to get THE girl

Auch wenn es mit der Gleichberechtigung von Mann und Frau in dieser Welt noch nicht ganz funktioniert, Liebe sollte für alle da sein. Deshalb gibt es nach meinen 10 unglaublichen Tipps für Frauen einen kleinen Ratgeber für die männliche Bevölkerung des deutschsprachigen Raumes, um vielleicht dieses Jahr doch ganz gekonnt einmal nicht die Wodka-Flasche für den Silvesterkuss missbrauchen zu müssen.

10 Tipps, um deine Traumfrau im Sturm zu erobern

1.Schreibe nicht zurück

Du hast ihre Handynummer und ihr schreibt schon etwas länger? Perfekt, denn ab heute schreibst du einfach stundenlang nicht mehr zurück, obwohl du es gelesen hast. Das macht dich unglaublich interessant und wenn du zu den ganz Guten gehören willst, dann schreibe am besten tagelang nicht zurück. Umso länger, umso besser! Du weißt schon, was ich meine.

2.Erzähl ihr von deiner Ex

Deine Ex-Freundin will dich nicht mehr, aber sie war einfach der tollste Mensch in deinem Leben? Jedenfalls, solange sie geschminkt war? Vermisse einfach keine Gelegenheit, um das deiner neuen Flamme klar zu machen. Also, dass deine Ex die tollste Person war. Nicht das mit der Schminke!

3.Like, like, like

Unsere sozialen Medien sollten in dem Leben eines unter 30-Jährigen einfach unglaublich präsent sein. Wo sonst gibt es so viele halbnackte Mädels? Am besten likest du auch jedes, aber wirklich jedes Foto, das du siehst. Nur eben nicht das von dem Mädchen, dass du eigentlich willst. Nur so bleibt sie special!

4.Macht der Kontrolle

Pssst, Geheimtipp: Frauen LIEBEN es, kontrolliert und bevormundet zu werden! Beliebte Fragen die du dazu stellen kannst: Wer ist denn der Typ auf dem Foto von 2012? Du warst schon die letzten drei Wochen feiern, bisschen viel, oder? Und deine Freunde sind wirklich alle schwul, oder? Der Rock ist viel zu kurz, meinst du nicht?

5.Kläre die Fronten

Und zwar so, wie man es schon vor 100 Jahren gemacht hat. Die Frau muss kochen, putzen und die Wäsche waschen, während du natürlich der Herrscher eurer zukünftigen Familie sein wirst. Das du nur männliche Nachkommen zeugst, ist  von Anfang an klar.

6.Krank=tot

Du musstest heute schon zweimal niesen? Bitte, teile das auch jedem mit! Denn wenn du krank bist, ist das quasi eine Nahtoderfahrung. Also besser nichts riskieren und das der Frau deiner Träume auch so oft mitteilen, wie es nur geht.

7.Eitelkeit

Eitelkeit ist eine wahre Tugend, vor allem wenn du ein Mann bist! Umso mehr Selfies es von dir gibt, umso präsenter bist du im Leben deiner Lieblingsfrau. Logisch also, dass du ab heute jeden Spiegel und jeden Lichteinfall für diese Gelegenheit nutzt.

8.Sauberkeit wer?

Besonders attraktiv an einem Mann ist ein stets ungepflegtes Auftreten. Wenn eine Frau sieht, wie viele Flecken deine Hose schon hat, die du schon acht Tage lang trägst, kann sie es kaum erwarten zu wissen, wie deine Küche aussieht.

9. Klassische Anmachen

Alles was eine Frau will, ist es, auf ihren Körper reduziert zu werden. Das solltest du auch in deiner Gesprächsweise berücksichtigen. Umso früher du damit beginnst, umso besser. Go for it!

10.Sinnvolle Sätze

„Hmm, also mehr als eine kurze Affäre ist da nicht drin. Ich mag dich, aber eben auch noch acht andere Mädels. Meine Hobbys sind meine PS4 und grundlose Besäufnisse jedes Wochenende. Mehr als die Bundesliga-Ergebnisse lese ich nicht.“ Macht euch um 120% attraktiver, versprochen!

Falls ihr noch immer maßlos überfordert mit Frauen seid: Keine Sorge, ihr könnt unter der Nummer 0600 600 600 eine tolle Kennerin ihres Faches erreichen, die euch bestimmt auf irgendeiner Weise weiterhelfen kann. Viel Glück!

Bis dann,

Melanie

 

 

Happy 1st Birthday, elitale! ♥

Huch, ich werde alt! Das wird mir nicht zu meinem 20. Geburtstag schmerzlich bewusst, sondern erst, als ich sehe, dass mein Blog schon ein Jahr existiert. Anscheinend merkt man es erst an den Kindern, wie schnell die Zeit vergeht. Elitale ist quasi mein Kind, um das ich mich regelmäßig kümmere. Von mir in die Welt gesetzt und ohne Vater, dafür aber mit viel Liebe, erzogen. Danke Emanzipation!

Aber nun mal im Ernst: Ich werde nicht nostalgisch, weil ich sehe, dass ich diesen Blog schon ein Jahr lang führe. Eher erschrecke ich vor dem Fakt, dass ich bald ein Jahr lang in Berlin lebe und studiere. Mit Moving to Berlin 1.0 habe ich begonnen und bis jetzt noch immer nicht aufgehört zu bloggen. Damals saß ich noch wohlbehütet in einem kleinen Dorf in Österreich und war gespannt auf mein kommendes Jahr. Das dieses Jahr so schnell vorbei sein wird, damit habe ich wirklich nicht gerechnet.

2016 habe ich viel gelernt. Vor allem in Berlin lernt man grundsätzlich ständig dazu. Kein Tag gleicht dem anderen. Am Wichtigsten ist es zu wissen, dass nie etwas nach Plan laufen wird. Du kannst etwas perfekt planen und unglaublich genau einteilen, im Endeffekt musst du doch flexibel und spontan sein. Dann schmeißt du alles um und bringst trotzdem etwas Tolles dabei raus. Die einzig wahre Kunst des Lebens!

Zu meinem Blog kann ich nur sagen: Wow! Ich hätte mir niemals gedacht, dass so viele Leute etwas von mir lesen. Mehr als 4000 Besucher, unzählige Klicks und mit dem heutigen Tag 49 Beiträge sind für mich ein super Resümee. Oft werde ich einfach darauf angesprochen, meist von Leuten, von denen ich nie gedacht hätte, dass sie meine Beiträge lesen. Ich freue mich auch immer über die lieben Facebook-Nachrichten, in denen ich gefragt werde, wann endlich wieder ein Artikel kommt oder es Kritik für mich gibt. Für mich ist dieser Blog ein Hobby, dass Spaß macht und anscheinend auch andere Leute in irgendeiner Hinsicht bereichert. Ich will keine Zeit in Werbung oder Sonstiges investieren, wenn ich diese Zeit besser für Recherche und das Texten verwenden kann. Die Ideen gehen mir eigentlich nie aus, aber falls es Themen gibt, die euch interessieren, schreibt mir einfach, vielleicht kann ich sie umsetzten.  Natürlich ist nicht jeder Beitrag unglaublich anspruchsvoll, aber das muss auch nicht so sein.

Wenn die kommenden Jahre so werden, wie das Jahr, das hinter mir liegt, dann kann ich wirklich dankbar sein. Jeder hat selbst sein Glück in der Hand und derzeit mache ich meiner Meinung nach das Richtige. Ich hoffe, ihr auch!

Bussi Baba und bis bald,

Melanie

Szczecin European Filmfestival 2016

Meine letzten sechs Tage kann ich mit einem Wort beschreiben: lehrreich. Von „immer schön die Nase pudern bevor gedreht wird“ bis hin zu „flexibel und spontan ist die beste Vorbereitung“ war alles dabei.

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https://wordpress.com/post/elitale.wordpress.com/4228 © Szczecin European Film Festival

 

Aber ich will niemand mit vielen Worten langweilen, sondern zeige euch hier lieber einige der Ergebnisse.

 

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Um die Beiträge sehen zu können, müsst ihr nur auf die Links klicken, die ich euch unten aufliste. Einige Videos sind noch in Arbeit, also stay tuned!

Interview mit Tomasz Razek & Bartosz Wójcik und Start der „European Competition“ . Außerdem würde ich mich sehr freuen, wenn ihr bei Electronic News vorbeischaut. Nächste Woche gibt es dann wieder einen Text von mir zu lesen.

Bis dann,

Melanie

 

 

Drogen – Alltag in Berlin

„Ich werd doch nicht abhängig wie du. Ich hab mich total unter Kontrolle. Ich probier das mal, und dann ist Schluss.*“ Christiane F., mittlerweile bekannt unter ihrem vollen Namen Christiane Felscherinow, ging mit dem Buch „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ als eine der bekanntesten Drogensüchtigen in die deutsche Geschichte ein. Mit zwölf machte sie ihre ersten Erfahrungen mit Haschisch, mit dreizehn verfiel sie dem Heroin. Unvorstellbar, dass so ein junges Mädchen eiskalt in die Welt der Drogen eintaucht. Statt sich um Schminke und Klamotten zu sorgen, dreht es sich im Leben des süchtigen Mädchens um die ständige Beschaffung der Droge, die damit verbundene Prostitution und die Angst vor dem Turkey.

Laut einem Artikel des Tagesspiegel starben im Jahr 2015 1226 Menschen am Rauschgiftkonsum. Die Haupttodesursache sei eine Überdosis an Heroin gewesen. Der „goldene Schuss“, wie man es auch nennt. Eine Zunahme des Konsums der harten Drogen lässt sich in den letzten Jahren verzeichnen. So gab es vergangenes Jahr 15 Prozent mehr erstauffällige Konsumenten von Heroin. Dunkelziffer ungewiss.

Berlin gilt als Hauptstadt der Drogenszene und auch, wenn man mit Drogen nichts zu tun haben will, hat man es irgendwie trotzdem. Jeder kennt irgendjemand, der regelmäßig kifft oder auch zu härteren Drogen greift. Gefühlt werden dabei die Dealer immer jünger. „Hey, wanna buy drugs? Drogen? Weed?“- Hunderte Male wird man das täglich in Berlin gefragt. Heutzutage muss man sich theoretisch nicht mehr um Drogen bemühen. Es reicht, das Haus zu verlassen. Die Hotspots der Szene sind allerseits bekannt. Der Kotti, der Görlitzer Park oder die Revaler Straße sind längst keine Geheimtipps mehr. Der Rest erledigt sich von selbst.

Doch wie steht es um unsere Jugend? Ist der Fall von Christiane F. Schnee von gestern und nur ein Einzelbeispiel? Um Antworten auf meine Fragen zu bekommen habe ich bei den verschiedensten Suchtberatungsstellen Berlins angerufen. Schlussendlich landete ich bei Frederik Rühmann, Sozialarbeiter und Projektleiter bei Karuna. Bei Drugstop – Komma – Karuna handelt es sich um eine Suchberatung und Tageseinrichtung für drogenabhängige Jugendliche im Alter von 13 bis 27 Jahren. Die Beratung unterteilt sich in verschiedene Phasen, wobei die Hilfe individuell an den Jugendlichen angepasst wird.

Wie alt sind die meisten Kinder und Jugendlichen, die zu Ihnen in die Einrichtung kommen?

Der Großteil der Jugendlichen ist zwischen 16 und 21 Jahre alt. Wobei es natürlich auch jüngere Fälle gibt.

Welche Droge wird am häufigsten konsumiert?

Größtenteils Cannabis. Jedoch werden auch immer öfter härtere Drogen konsumiert.

Im dem Buch „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ gilt Heroin als DIE Droge. Hat sich das geändert?

Heroin ist immer noch ein großes Thema. Ich würde sogar behaupten, dass der Konsum in den letzten Jahren wieder zugenommen hat.

Wie finanzieren sich Jugendliche den Konsum?

Diese Suchtmittel sind alle sehr teuer. Hauptsächlich beginnen Jugendliche ihren Konsum durch Diebstahl, Betrug oder Überfälle zu finanzieren. Wenn das nicht mehr reicht spielt dann die Prostitution eine immer größere Rolle.

Also kann man hier vom typischen Straßenstrich ausgehen?

Auch, aber eher läuft die Prostitution sozusagen im Alltag. Über Beziehungen ergeben sich dann Freier. Es kommt auch vor, dass Dealer diese Situationen für Sex nutzen. Pädophile stellen auch manchmal ihre Wohnungen zur Verfügung, wo dann Kinder und Jugendliche vorbeikommen, um Drogen zu nehmen, zu spielen oder dort zu schlafen. Meist zieht sich so etwas über Jahre hinweg und schlussendlich kommt es dann zu sexuellen Handlungen.

Kommen dann die Jugendlichen selbst zu Ihnen und suchen Hilfe oder machen das grundsätzlich die Eltern?

Sowohl als auch.  Jedoch kommt aber auch oft das Jugendamt mit den Jugendlichen zu uns. Das ist von Fall zu Fall verschieden.

Wie viele schaffen die Therapie wirklich?

Da gibt es keine verlässlichen Zahlen. Zum einem ist die Entwöhnung ein langwieriger Prozess, wobei es hier immer viele Rückfälle und Abbrüche geben kann. Das soll aber nicht heißen, dass die Therapie dann kein Erfolg war. Gegebenenfalls benötigen die Jugendlichen viele Anläufe um drogenfrei zu sein. Vor Rückenfällen ist aber niemand geschützt.

Sind es wirklich immer Kinder und Jugendliche, die aus „Problemfamilien“ kommen? Oder sind es auch Jugendliche aus „guten“ Familienverhältnissen?

„Gute Familienverhältnisse“ muss man, wie Sie, unbedingt in Anführungszeichen setzten. Denn kein Jugendlicher entwickelt grundlos ein Suchtverhalten. Es sind auch Jugendliche dabei, die aus der sogenannten bürgerlichen Mitte stammen. Aber man weiß nie, was in den Familien vorgefallen ist. Deshalb, wie gesagt, grundlos entwickelt niemand ein Suchtverhalten.

Was war Ihr schlimmstes Erlebnis in Ihrer Arbeit als Suchtberater?

Ich darf natürlich keine Details erzählen. Jedoch kann ich sagen, dass es einige Jugendliche gibt, die es schaffen, und in ein normales Leben zurückfinden. Umso trauriger ist es für mich, wenn einige junge Menschen es nicht schaffen, und sich das Leben nehmen. Das ist besonders tragisch, weil man in jedem Jugendlichen Hoffnung hat.

Bei meiner letzten Frage hat sich Frederik Rühmann etwas mehr Zeit gelassen, um die passende Antwort zu finden. Kein einfacher Job, wenn man täglich mit dem Schicksal junger Drogenabhängiger konfrontiert ist. Vor allem dann, wenn die Droge den Kampf gewonnen hat.

Bis zum nächsten Blog,

Melanie

*“Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“: Christiane F. zu einem befreundeten Fixer, kurz bevor sie zum ersten Mal Heroin konsumierte (S.82)