Hallo, ich bin’s!

Acht Wochen: Ich kann es drehen und wenden wie ich will, auf mehr komme ich nicht. 53 Wochen hat das Jahr 2016, acht Wochen davon bin ich zu Hause. Also, so wirklich zu Hause, in Österreich eben. In der Zeit freue ich mich eigentlich immer darauf, Leute zu treffen, die sich freuen, dass sie mich sehen. Obwohl ich nun schon bald ein Jahr nicht mehr zu Hause wohne, gibt es jedoch immer lustige Konversationen zwischen manchen Mitmenschen und mir, die ich mir lieber ersparen würde.

10 Sätze, die ich regelmäßig zu hören bekomme, wenn ich zu Hause bin

 

1.“Ach, du bist’s ja wirklich!“

Wer soll ich sonst sein?

 

2.“Hast mich vermisst?“

Freundlicher Verweis auf Yep, still NOT in Berlin! Nein, ich tue es ein Jahr später immer noch nicht.

 

3.“Du bist meine Lieblingsdeutsche!“

Stopp! Nur weil ich länger in Deutschland bin, bin ich keine Deutsche. Ich war auch schon einmal etwas länger im Meer, und bin noch immer kein Fisch.

 

4.“Was machst du denn da?“

Leben, atmen und jetzt anscheinend auch mit dir reden.

 

5.“Du studierst Journalismus oder? Also da einen Job zu kriegen ist sehr schwer…“

Macht nix, da ich ja noch die österreichische Staatsbürgerschaft habe, lieg‘ ich eh euch auf der Tasche.

 

6.“Hast gar keine Angst, so ganz allein? Was da alles passieren kann…“

Nein, keine Sorge, ich werde schon niemanden was antun.

 

7.“Wo bist du jetzt eigentlich daheim? Österreich oder Berlin?“

Nehmen wir einmal an, du könntest nur deine rechte oder deine linke Hand behalten. Für welche würdest du dich entscheiden?

 

8.“Kannst‘ schon langsam Deutsch?“

Äh, was habe ich davor gesprochen? Hindi?

 

9.“Du bist schon ziemlich oft daheim…“

Nachvollziehbare Aussage für jemanden, der selbst immer zu Hause ist!

 

10.“Hast du noch immer kein Heimweh?“

Nein, nur Angst vor der Abschiebung.

 

„Die beiden schönsten Dinge sind die Heimat, aus der wir stammen, und die Heimat, nach der wir wandern.“

Johann Heinrich Jung-Stilling

 

Bis bald,

Melanie

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„A life worth walking“- Daniel Mckevitt

Oft werde ich gefragt, was ich eigentlich mache, wenn mir in Berlin langweilig ist. Grundsätzlich eine berechtige Frage, jedoch wird mir von Natur aus nicht langweilig. Ich bin einer der wenigen Menschen, die sich einfach andauernd selbst beschäftigen und immer etwas Neues finden. Doch das soll nicht heißen, dass ich 24 Stunden lang in meiner Wohnung sitze und irgendetwas schreibe, wie es vielleicht manchen so scheint. Nein, ab und zu muss ich auch raus. Denn meistens, wenn ich alleine unterwegs bin, passieren mir die komischsten, aber auch tollsten Dinge!

Letzten Samstag konnte ich es also wieder einmal nicht mehr in meiner Wohnung aushalten, also ging ich einfach hinaus, um Milch zu kaufen. So banal es klingt, aber ich gehe gerne raus, um einfach irgendwas zu besorgen, und lasse mir dabei viel Zeit. In dieser Zeit genieße ich eben Berlin! Da ich letzten Samstag ganz viel Zeit hatte, spielte ich ein bisschen mit den Filtereinstellungen an meiner Kamera, um ein gutes Bild von Berlin während des Sonnenuntergangs zu bekommen. Nein, ich war definitiv nicht erfolgreich:

 

Als ich also endlich ein Bild vom Fernsehturm hatte, und mein Handy verfluchte, wollte ich eigentlich schon los Richtung Einkaufszentrum. Plötzlich rief ein Mann auf der anderen Straßenseite etwas in meine Richtung und ich dachte, er wollte, dass ich mein letztes Foto lösche. Denn er wäre mir fast in mein Bild gelaufen und ich konnte mir nur vorstellen, dass er nicht darauf zu sehen sein wollte. Doch als er nochmals etwas rief, erkannte ich erst jetzt, dass er Englisch sprach. „Do you speak Englisch?“ Ja, jetzt waren die Worte eindeutig zu hören und nach einem kurzen „Yes, I do.“ meinerseits hatte er schon die Straße überquert und stand direkt neben mir.

Bestimmt ein Tramper, dachte ich mir, oder eben jemand, der nach dem Weg fragen will. Denn mit dem übergroßen, grünen Rucksack, an denen er ein paar Kabelbinder und ein altes paar Schuhe gebunden hatte, merkte man, dass seine Reise doch schon etwas länger dauerte. Auch der schwarze Daunenmantel hatte seine besten Tage hinter sich. Alles nicht ungewöhnlich und das schon gar nicht in Berlin, wo Wochenendes oft Firmenbosse wie Obdachlose aussehen. An den Kleidern erkennt man hier wirklich nie, mit wem man es zu tun hat! Auffallend war eben nur das Buch, dass er in der Hand hielt. Denn aus dem Buch ragten tausende von Notizzetteln voll mit Telefonnummern und E-Mail-Adressen. Ich war also gespannt, was dieser Mann von mir wollte.

„Hallo, ich bin Daniel aus Kalifornien. Ich reise derzeit durch Europa, da ich ein Buch schreibe…“*, sagte er mir auf Englisch. Ich hätte mit wirklich viel gerechnet, aber das dieser Mann ernsthaft von Kalifornien nach Europa reist, um ein Buch zu schreiben, beeindruckte mich doch sehr. Er erzählte weiter, dass er nur von sogenannten „Spenden“ lebe und fragte mich, ob ich etwas zu essen habe oder ihm sonst irgendwie weiterhelfen konnte. Außerdem fragte er mich, ob er mich ein Stück begleiten darf.

Da ich ihn auf Anhieb mochte und mich über solche Abwechslungen im Leben immer freue, war das für mich ein willkommener Spaziergang. Und ja, erwischt, innerlich schlug ich drei Purzelbäume, da meine Neugier gestillt werden würde. Als wir also nebeneinander liefen, und ich Daniel meinen Grund für mein Leben in Berlin äußerte, begann er zu erzählen*:

„Weißt du, bei mir lief es nicht so gut. Ich hatte meinen Traumjob als Journalist, war verheiratet und sehr glücklich. Doch ich wurde gekündigt, und meine Frau hat mich betrogen. Es war ein beschissenes Jahr und ich wollte einfach nur mehr weg. Die Idee zur meiner Reise kam mir, weil ein Freund von mir in der Medienbranche PR für einen Verlag macht. Das Schreiben ist eben das Einzige, was mich glücklich macht und was ich gut kann, seit ich sechs Jahre alt bin. Da ich aber keine erfundenen Geschichten schreiben wollte, dachte ich mir, dass ich das Leben einfach schreiben lasse. Ich hatte ja nichts mehr zu verlieren! Also flog ich letzten August von Kalifornien nach Barcelona. Alles, was ich danach noch hatte, waren 300 Euro und das, was du gerade siehst! Aber da ich diese Tour zu Fuß bestreite, brauche ich auch nicht wirklich viel Geld, sondern nur das Nötigste. „

Irgendwie waren Daniels Lachen und sein Enthusiasmus ansteckend. Mir war es egal, dass wir schon vor dem Einkaufszentrum standen. Ich wollte mehr erfahren, und neugierig wie ich war, stellte ich ihm auch gefühlte 100 Fragen. Hast du das Buch schon begonnen? Hast du deine Entscheidung jemals bereut? Was sagt deine Familie dazu? Wann möchtest du wieder nach Hause? Warst du in dieser Zeit nie krank? Der arme Daniel wurde von mir regelrecht verbal erschlagen, aber er meisterte diese Hürde grandios:

„Ich schreibe derzeit noch alles per Hand und habe schon fünf dicke Notizbücher voll, jedoch muss das dann am Ende gekürzt werden. Dafür ist mir nun der perfekte Titel eingefallen: „A life worth walking“. Bereut habe ich es aber definitiv nicht, denn seitdem glaube ich an das Schicksal und ich bin dankbar für all die Freundschaften, die auf dieser Reise entstanden sind! Ich meine, ich wurde wirklich einmal krank, und zwar in Hamburg. Ich habe bei einer Frau geklingelt, die nachts half und bei der ich sechs Tage lang unterkommen durfte, um gesund zu werden. Ich glaube, größeres Glück kann man nicht besitzen.  Meine Familie steht hinter mir, vor allem meine Schwester! Aber in elf Monaten will ich in Rom angekommen sein, wo es für mich dann wieder nach Hause geht. Ich hoffe, die Zeitspanne ist realistisch, aber wir werden sehen, wie schnell ich es schaffe.“

„Man bekommt im Leben nie das, was man haben möchte, sondern das, was man braucht!“- Daniel Mckevitt

Nun war ich wirklich perplex, denn Daniel hatte eine harte Zeit hinter sich und macht nun einfach das Beste daraus, in dem er Europa zu Fuß (!) erkundet. Da ich unbedingt am Laufenden gehalten werden will, gab mir Daniel seine E-Mail-Adresse, die seine Schwester verwaltet und versprach mir, dass er unser gemeinsames Foto in seinem Buch veröffentlichen wird. Mich freut das alles besonders, denn aus meinem „Milch holen gehen“ wurde eine besondere Begegnung mit einem interessanten Menschen, von dem ich hoffentlich in Zukunft noch einiges hören werde. Genau deshalb liebe ich Berlin!

Daniel, I wish you all the best and take care of you! It was a pleasure to meet you 🙂

Melanie

* Alle direkten Reden sind ins Deutsche übersetzt und Gedächtnisprotokoll.

Christian Below im Portrait: Vom Stadtkind zum Aussteiger

Selbstbewusst, glücklich und vor allem zufrieden: So beschreibt sich Christian Below selbst. Der gebürtige Deutsche aus Beckum in Nordrhein-Westfalen lebt nun schon seit 22 Jahren in Kanada. Dort hat ihn damals die Liebe hinverschlagen, doch heute verbindet ihn einiges mehr mit Nordamerika. Er ist nicht nur ein begabter Ranger, sondern auch ein einzigartiger Lebenskünstler.

Chris
Christian Below in Kanada © Chris Below

„Ich vermisse Deutschland nicht!“ Christian Below verließ vor circa 28 Jahren sein Heimatland, um die Welt zu erkunden. Ganze sechs Jahre verbrachte er in den verschiedensten Ländern. Von Japan über Neuseeland bis hin zu Sardinien war alles dabei. Er selbst behauptet, dass er ein durchaus glücklicheres und erfüllteres Leben führt, als Leute, die einen festen Job besitzen und ihr Leben nur an einem Ort verbracht haben. An Deutschland selbst kritisiert er die Gesellschaft, in die er sich nie einfügen wollte: „Ich brauche meinen Freiraum und kann mich dadurch entfalten! In Deutschland musst du in die Gesellschaft passen. Eine gute Karriere und Geld sind die Voraussetzung dafür.“

Als Nesthäkchen einer fünfköpfigen Familie begann Chris mit 18 Jahren zu reisen. Um sein Budget möglich ausgeglichen zu halten, setzte er auf Trampen, Couchsurfing & Co. So konnte er günstig die Welt erkunden. Auch viele Freundschaften entstanden in dieser Zeit, vor allem durch das Couchsurfing. Aber um auf der Couch eines Fremden zu schlafen, braucht es nicht nur Mut, sondern auch eine offene Einstellung und eine gesunde Portion Selbstbewusstsein. „Die gute Zeit, die ich dadurch hatte, ist unschätzbar!“, sagt Chris.

 

Liebe zwischen Mensch und Natur

Trotz der Liebe zur Freiheit wurde Christian im Jahre 1994 mit seiner damaligen Ehefrau in

Chris und Nicole
Nicole Lischewski und Chris Below ©Nicole Lischewski

Atlin, British Columbia, sesshaft. Heute ist Chris glücklich mit der gebürtigen Hamburgerin Nicole Lischewski zusammen, die selbst sehr jung nach Kanada zog. Die  Sozialpädagogin ist heute beruflich Schriftstellerin und bloggt auf nicole.penarctica.com über ihr Leben als Auswanderin, doch in ihrer Freizeit teilt sie die Leidenschaft für die Natur mit Christian. Die Wildnis zog beide nahezu magisch an, so dass sie im Jahre 2006 in den Wald nahe des Atlin und Tagish Lake zogen. Alleine schon der Weg vom nächst gelegenen Flughafen nach Hause ist für beide jedes Mal ein kleines Abenteuer: Die Straße ist 80 km geteert, danach ist man auf eine holprige Schotterstraße angewiesen. Von Atlin aus kommen die beiden nur zu Fuß oder per Boot weiter, da sie den sieben Kilometer breiten Atlin Lake überqueren müssen. In dieser Wildnis bauten sie ihr erstes gemeinsames Haus auf eigene Faust, 40 Kilometer Luftlinie ist es von der nächsten Straße entfernt. Nach rund einem halben Jahr waren die  Bauarbeiten abgeschlossen. Bis heute wohnt das Paar in diesem Haus. Von den Fenstern bis zum Boden – alles ist Handarbeit der Aussteiger. Auch die Fleisch- und Wasserversorgung erfolgt durch eigenen Fleiß. Das Motto ihres Lebens lautet: „Wenn man etwas will, kann man alles erreichen!“

 

Reisen mit Leidenschaft

Obwohl Chris nun sesshaft geworden ist, verzichtet er  nicht auf seine geliebten Reisen. Der Ranger arbeitet gute neun Monate im Jahr. In dieser Zeit rettet er hauptsächlich verirrte Menschen aus der Wildnis. Einmal musste er einen toten Mann bergen, der mit seinem Quard verunglückte. Keine schöne Erfahrung!

Die kalten kanadischen Wintermonate nutzt der Aussteiger, um  zurück in die Zivilisation zu kehren. Mit einem maximalen Budget von 3000 Euro besucht er alte Freunde und kann sein Leben in vollen Zügen genießen. Um zu sparen, geht er im Reiseland zu Fuß,  zeltet viel  oder übernachtet bei Freunden.

Ein ausgeglichenes Ying und Yang zwischen Wildnis und Zivilisation ist Christians Geheimtipp für eine glückliche Seele. Auch wenn Chris nicht religiös ist, denkt er sehr spirituell und glaubt an ein Leben danach. Beim Thema Technik hat Christian seine eigenen Ansichten:“ Ich habe mir dieses Jahr mein erstes Smartphone gekauft. Es ist einfach praktischer, um sich mit Freunden zu verständigen! Sobald ich es aber benutzt habe, lege ich es sofort wieder für längere Zeit weg.“

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Strecke von Frankfurt nach Atlin ©Google Maps

Aber kann ein Leben in der Wildnis nur glücklich und ohne Ängste verlaufen? „Ich habe mich doch oft alleine gefühlt, vor allem in Krisen “, meint Chris heute. Als seine Eltern vor sechs Jahren starben, war es schwer für ihn, nicht bei ihnen sein zu können. „Ich habe große Angst vor dem Tod, den kann man nicht selbst bestimmen und schon gar nicht kontrollieren.“ In der Wildnis Kanadas eine berechtigte Befürchtung, denn bis jemand zur Hilfe kommen kann, könnte es längst zu spät sein. „Einmal hatte Nicole innere Blutungen und wir mussten sechs Stunden auf einen Rettungshubschrauber warten“, so Christian. Aber laut dem Aussteiger muss man dem Tod eine gewisse Akzeptanz entgegenbringen, nur so sei es erträglich. Angst vor wilden Tieren hat das Paar aber nicht. Die gibt es zwar, aber wenn man sie in ihrem natürlichen Umfeld  nicht stört, hat man als Mensch laut Naturexperte nichts zu befürchten. Trotz dieser negativen Aspekte bleibt Christian Below nur eines zu sagen: „Ich liebe die Wildnis und ich fühle mich hier so wohl, wie nirgendwo anders!“

Wer nun auf den Geschmack gekommen ist: Hin- und Rückflüge von Frankfurt nach Whitehorse im Bundesstaat Yukon sind auf www.condor.com schon ab 930 Euro zu haben. Im Gegensatz zu anderen Flügen fliegt man hier nonstop in nicht einmal zehn Stunden nach Kanada. Um dann von Whitehorse, dem nächsten Flughafen von Tagish aus, in die Wildnis zu gelangen, kann man vor seiner Reise auf www.billiger-mietwagen.de  ein Auto buchen. Den Wagen kann man schon ab günstigen 340 Euro für vierzehn Tage mieten. Für das perfekte Abenteuer empfiehlt es sich, in einer Blockhütte zu übernachten. Die Wilderness Lodge am Tagish Lake bieten hier den perfekten Ausgleich zwischen Abenteuer und Entspannung. Mit Vollpension inklusive einer abenteuerlichen Anreise von Tagish aus per Boot, Wasser-flugzeug, Hundeschlitten oder Schneemobil ist dies mit einem Preis von 625 Euro für zwei Personen und 3 Nächten ein lohnenswertes Erlebnis.