Ein Besuch bei Bernd Boßmann

Könnt ihr euch noch an den Beitrag erinnern, den ich im Januar 2016 gepostet habe, in dem es um das Thema Sternenkinder ging? Nein? Dann könnt ihr hier den Text nochmals nachlesen.

Mein Artikel damals handelte von dem „Garten der Sternenkinder“ und Bernd Boßmann, der das Projekt ins Leben gerufen hatte. Es war eines meiner ersten Interviews und ich war natürlich aufgeregt und top vorbereitet. Letzteres hat mich gelehrt, das eine gute Vorbereitung nicht immer von Vorteil ist, denn von meinen Fragen, die ich aufgeschrieben hatte, habe ich genau eine gestellt. Der Rest war spontan und aus dem Kontext heraus. Alles kann man eben nicht recherchieren!

Vor ein paar Tagen, also eineinhalb Jahre später, war ich mit einer Freundin wieder auf dem alten St.-Matthäus-Kirchhof, um Bernd zu treffen. Eigentlich war unser Gespräch für eine Uni-Prüfung bestimmt, da sich aber die Aufgabe geändert hatte, lag  das dann natürlich nicht mehr im Fokus unseres Treffens. Trotzdem habe ich mich sehr gefreut, ihn wiederzusehen.

Unseren Besuch habe ich vorher telefonisch angekündigt, viel zu groß ist die Gefahr, dass Bernd nicht anzutreffen ist. Bestatter, Theater-Chef, Gründer eines Friedhofcafés: Logisch, dass man da viel um die Ohren hat. „Du musst schon ein bisschen Zeit mitbringen, du weißt doch, wenn ich einmal quatsche, dann lange“, meinte er also schon im Voraus. Diesmal habe ich mich dann auch einfach nicht darauf vorbereitet. Zuhören und nachdenken war die Devise.

„Ihr Journalisten habt das noch immer mit dem Siezen, oder? Also ich sieze eigentlich nur Leute die ich nicht mag. Bankberater zum Beispiel“, waren Bernds erste Worte an mich.  Das versteckte Angebot um uns zu Duzen, fühlte sich irgendwie an, als hätte ich einen Freund wieder getroffen, den ich jahrelang nicht gesehen hatte. Und Freunde, die man jahrelang nicht gesehen hat, haben natürlich auch immer viel erlebt in der Zwischenzeit. Auf die Frage, wie sich das Projekt mit den Friedhof für Sternenkinder entwickelt hat, seufzte Bernd nur: „Leider sind sehr viele Eltern von solchen Schicksalen betroffen. Aber natürlich, der Garten der Sternenkinder wird nach wie vor in Anspruch genommen und wir erweitern ihn regelmäßig.“

Während unserem Gespräch haben wir uns auch mitten im „Garten der Sternenkinder“ gesetzt. Für mich eine eher komische Situation, aber Bernd erzählte mir, dass auf diesem Friedhof sogar Feste gefeiert werden, quasi zwischen den Gräbern. „Der Tod trifft uns früher oder später alle, und jeder geht anders damit um. Aber deshalb soll er auf keinen Fall ein Tabu werden oder etwas, wovor man Abstand halten muss!“, meinte er, als er meinen etwas kritischen Blick sah. „Am schlimmsten ist es immer, wenn Kinder zurechtgewiesen werden, die etwas lauter sind oder am Friedhof spielen möchten“, so Bernd. Denn Kinder haben ihren eigenen Trauerprozess und können in solchen Momenten gar nicht begreifen, warum sie jetzt zurechtgewiesen werden.

„Eine Geschichte hat mich besonders berührt: Eine Mutter kam einmal zu mir, die gerade ihr zweites Kind verloren hatte. Ihr kleiner Sohn, der sie begleitete, spürte natürlich von Anfang an, dass da etwas nicht stimmt. Als die Mutter dann vor lauter Trauer tränenüberströmt am Boden kauerte, hat sie der Kleine rührend getröstet und für mich wie ein Erwachsener gewirkt. Es war herzzerreißend“, schilderte Bernd.

Da saßen wir also, mitten auf dem Friedhof und während Bernd mir Geschichten erzählte, wir über Kindererziehung diskutierten und dann im Endeffekt doch über Gott und die Welt sprachen , wurde die Situation für mich immer surrealer. Was habe ich früher gelernt? Auf dem Friedhof muss man leise sein. Ein düsterer und trauriger Ort, der nicht dazu einlädt, länger dazubleiben, als man eigentlich muss.

Bernd hingegen hat mir ein bisschen die Augen geöffnet. Nicht alles, was man in jungen Jahren gelernt hat, stellt sich als richtig heraus. Also gibt es hoffentlich irgendwann ein nächstes Treffen mit Bernd, mitten auf dem Friedhof!

Bis bald,

Melanie

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Vom BWL-Student zum preisgekrönten Filmemacher

Seine fixen Arbeitsinstrumente: Ein Laptop und ein Handy. Der Arbeitsplatz hingegen ändert sich nahezu täglich. Der Filmemacher İlker Ҫatak hat das geschafft, wovon viele Filmstudenten träumen. Schon während seines Studiums realisierte der 33-Jährige diverse Kurzfilme. Besonders seine Filme „Wo wir sind“ und „Sadakat“ stechen heraus. Mit beiden gewann er den Kurzfilmwettbewerb des Max-Öphuls-Festivals. Zusätzlich folgte die Nominierung für den Student-Academy-Award, mit dem sein Film „Sadakat“ auch ausgezeichnet wurde. Des Weiteren erhielt er ebenfalls mit „Sadakat“ den First-Steps-Award in der Kategorie „Kurz- und Animationsfilm“. Was der Filmemacher selbst zu seinen Erfolgen sagt und wie seine Familie darüber denkt, hat İlker mir* in einem Telefongespräch erzählt, während er im Zug für ein Projekt nach München pendeln musste.

 

Zuerst hast du bei verschiedenen Filmproduktionen gearbeitet und hast danach erst ein Studium absolviert. Wieso wolltest du noch ein Studium anhängen?

Ich hatte mich bei diesen Produktionen beworben, weil ich für das Studium, das ich eigentlich machen wollte, praktische Erfahrung brauchte. Der Entschluss war schon vorher da, aber da ich für die Bewerbung Praktika brauchte, musste ich diese natürlich auch machen.

Aber im Endeffekt hast du dich dann doch für die DEKRA Hochschule entschieden, wo man keine Praktika-Erfahrung für die Bewerbung benötigt. Wie kam es denn dazu?

Ursprünglich habe ich an der Freien Universität in Berlin BWL studiert. Leider machte mir dies nach einer gewissen Zeit keinen Spaß. Also habe ich mich an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (dffb) und an der Hochschule für Film und Fernsehen Konrad Wolf (HFF) beworben. Beide haben mich abgelehnt, aber ich wollte unbedingt Film studieren und so bin ich an die DEKRA Hochschule gekommen.

 

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©Unbekannt

Also denkst du, dass das Studium ausschlaggebend für deinen jetzigen Erfolg war?

Das kann ich nicht sagen. Was ausschlaggebend war, ist vermutlich eine Kombination an Ereignissen. Ob das nun ein Kommilitone war, dem ich begegnet bin oder etwas, was mir im Unterricht vermittelt wurde oder ob es dann doch die Erziehung meiner Eltern war: Im Endeffekt gibt es nie schwarz und weiß, sondern immer eine Mischung aus Grautönen.

Apropos Eltern: Was sagt deine Familie zu deinen Erfolgen?

Na, die freuen sich natürlich, verständlicherweise.

Fun Fact: Ich bin auf das Filmemachen eigentlich durch das Arbeitsamt gekommen. Der Berater meinte so: „Was sind denn deine Hobbies?“ Und ich meinte: „Kino.“ Und er meinte: „Ja gut, dann mach halt Kino.“

Du hast schon viele große Preise gewonnen: Gibt es dir Selbstsicherheit oder ist es ein Antrieb für noch größere Projekte?

Selbstsicherheit geben mir Preise schon. Aber in erster Linie sind sie auch Türöffner für weitere Projekte. Im Endeffekt fängst du nach jedem Projekt wieder bei null an. Mit jedem Projekt werden die Karten neu gemischt. Aber klar, größere Projekte sind auch der Versuch, nach den Sternen zu greifen. Da will ich hin.

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©Unbekannt

Nun kurz zu einem anderen Thema: Du hast dein Abitur in Istanbul gemacht. Warum bist du danach wieder zurück nach Deutschland?

 Weil ich Zivildienst machen musste. Ich war also wieder in Deutschland und habe zu studieren begonnen. Aber davor war ich acht Jahre in der Türkei.. Meine Familie lebt zum Teil noch in Istanbul und Ankara.

Mit wem hättest du einmal Lust zu arbeiten?

Die Frage kann ich nicht wirklich beantworten, da ich in meinem letzten Film mit jeden zusammenarbeiten durfte, mit dem ich wollte. Aber wenn du mich nun nach amerikanischen Stars fragst, finde ich uninteressant. Deshalb muss ich dich bei dieser Frage leider auch enttäuschen (lacht).

Also hast du gar keine hochgesteckten Träume?

 Doch schon.Aber es ist doch viel geiler wenn man Freunde pusht und die dann zu Stars macht, als andersrum. Gut mir fällt jetzt jemand ein: mit Nina Hoss würd ich gern mal einen Film drehen.

Welchen Tipp kannst du Studenten geben, die dich als Vorbild haben?

 Geht raus und dreht eure Filme und wartet nicht darauf, perfekte Umstände zu haben. Denn es muss nicht die beste Kamera sein, solange ihr eure Geschichte erzählen könnt. Am Anfang ist es ganz wichtig, einfach zu produzieren. Mit jedem Projekt lernst du neue Sachen. Lernst im Schnitt was funktioniert und was nicht. Das ist ein Prozess, der Zeit braucht. Im Großen und Ganzen musst du Spaß an der Sache haben und darfst dich nicht vom Ehrgeiz zerfressen lassen.

Ich habe noch ein paar kurze Entweder- / Oder-Fragen für dich!

Schieß los!

 

Frühaufsteher oder Langschläfer?

Frühaufsteher

 

Schifahren oder Strandurlaub?

Strandurlaub

 

Currywurst oder Döner?

(lacht) Döner

 

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Während der Reise nach München ©Ilker

Partynacht oder Filmeabend?

Oh, da fragst du aber was! Also beides!

 

Und wenn du nur eines wählen kannst?

Ne, ich habe gerade beides erfunden!

 

Okay, also zuerst Partynacht und danach einen Film?

Nein, andersrum, nach der Partynacht bist du ja zerstört!

 

Berlin oder Hamburg?

Tut mir leid, das sind aber bescheuerte Fragen! Ich liebe Hamburg und Berlin, ist so, als würde ich dich fragen, welchen deiner Daumen du lieber magst!

 

Danke für deine Ehrlichkeit und auch für das Interview!

Auch wenn man sich etwas Anderes von einem Preisträger erwartet: İlker Ҫatak ist auf dem Boden geblieben und liebt einfach das, was er täglich machen kann. Das ist wahrscheinlich sein bisher größter Erfolg!

Bis bald,

Melanie

*Bildauswahl und Textüberarbeitung: Vanesa Heilig

 Der Artikel erschien zuerst im EX!-Magazin der DEKRA Hochschule.

 

Szczecin European Filmfestival 2016

Meine letzten sechs Tage kann ich mit einem Wort beschreiben: lehrreich. Von „immer schön die Nase pudern bevor gedreht wird“ bis hin zu „flexibel und spontan ist die beste Vorbereitung“ war alles dabei.

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https://wordpress.com/post/elitale.wordpress.com/4228 © Szczecin European Film Festival

 

Aber ich will niemand mit vielen Worten langweilen, sondern zeige euch hier lieber einige der Ergebnisse.

 

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Um die Beiträge sehen zu können, müsst ihr nur auf die Links klicken, die ich euch unten aufliste. Einige Videos sind noch in Arbeit, also stay tuned!

Interview mit Tomasz Razek & Bartosz Wójcik und Start der „European Competition“ . Außerdem würde ich mich sehr freuen, wenn ihr bei Electronic News vorbeischaut. Nächste Woche gibt es dann wieder einen Text von mir zu lesen.

Bis dann,

Melanie

 

 

Drogen – Alltag in Berlin

„Ich werd doch nicht abhängig wie du. Ich hab mich total unter Kontrolle. Ich probier das mal, und dann ist Schluss.*“ Christiane F., mittlerweile bekannt unter ihrem vollen Namen Christiane Felscherinow, ging mit dem Buch „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ als eine der bekanntesten Drogensüchtigen in die deutsche Geschichte ein. Mit zwölf machte sie ihre ersten Erfahrungen mit Haschisch, mit dreizehn verfiel sie dem Heroin. Unvorstellbar, dass so ein junges Mädchen eiskalt in die Welt der Drogen eintaucht. Statt sich um Schminke und Klamotten zu sorgen, dreht es sich im Leben des süchtigen Mädchens um die ständige Beschaffung der Droge, die damit verbundene Prostitution und die Angst vor dem Turkey.

Laut einem Artikel des Tagesspiegel starben im Jahr 2015 1226 Menschen am Rauschgiftkonsum. Die Haupttodesursache sei eine Überdosis an Heroin gewesen. Der „goldene Schuss“, wie man es auch nennt. Eine Zunahme des Konsums der harten Drogen lässt sich in den letzten Jahren verzeichnen. So gab es vergangenes Jahr 15 Prozent mehr erstauffällige Konsumenten von Heroin. Dunkelziffer ungewiss.

Berlin gilt als Hauptstadt der Drogenszene und auch, wenn man mit Drogen nichts zu tun haben will, hat man es irgendwie trotzdem. Jeder kennt irgendjemand, der regelmäßig kifft oder auch zu härteren Drogen greift. Gefühlt werden dabei die Dealer immer jünger. „Hey, wanna buy drugs? Drogen? Weed?“- Hunderte Male wird man das täglich in Berlin gefragt. Heutzutage muss man sich theoretisch nicht mehr um Drogen bemühen. Es reicht, das Haus zu verlassen. Die Hotspots der Szene sind allerseits bekannt. Der Kotti, der Görlitzer Park oder die Revaler Straße sind längst keine Geheimtipps mehr. Der Rest erledigt sich von selbst.

Doch wie steht es um unsere Jugend? Ist der Fall von Christiane F. Schnee von gestern und nur ein Einzelbeispiel? Um Antworten auf meine Fragen zu bekommen habe ich bei den verschiedensten Suchtberatungsstellen Berlins angerufen. Schlussendlich landete ich bei Frederik Rühmann, Sozialarbeiter und Projektleiter bei Karuna. Bei Drugstop – Komma – Karuna handelt es sich um eine Suchberatung und Tageseinrichtung für drogenabhängige Jugendliche im Alter von 13 bis 27 Jahren. Die Beratung unterteilt sich in verschiedene Phasen, wobei die Hilfe individuell an den Jugendlichen angepasst wird.

Wie alt sind die meisten Kinder und Jugendlichen, die zu Ihnen in die Einrichtung kommen?

Der Großteil der Jugendlichen ist zwischen 16 und 21 Jahre alt. Wobei es natürlich auch jüngere Fälle gibt.

Welche Droge wird am häufigsten konsumiert?

Größtenteils Cannabis. Jedoch werden auch immer öfter härtere Drogen konsumiert.

Im dem Buch „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ gilt Heroin als DIE Droge. Hat sich das geändert?

Heroin ist immer noch ein großes Thema. Ich würde sogar behaupten, dass der Konsum in den letzten Jahren wieder zugenommen hat.

Wie finanzieren sich Jugendliche den Konsum?

Diese Suchtmittel sind alle sehr teuer. Hauptsächlich beginnen Jugendliche ihren Konsum durch Diebstahl, Betrug oder Überfälle zu finanzieren. Wenn das nicht mehr reicht spielt dann die Prostitution eine immer größere Rolle.

Also kann man hier vom typischen Straßenstrich ausgehen?

Auch, aber eher läuft die Prostitution sozusagen im Alltag. Über Beziehungen ergeben sich dann Freier. Es kommt auch vor, dass Dealer diese Situationen für Sex nutzen. Pädophile stellen auch manchmal ihre Wohnungen zur Verfügung, wo dann Kinder und Jugendliche vorbeikommen, um Drogen zu nehmen, zu spielen oder dort zu schlafen. Meist zieht sich so etwas über Jahre hinweg und schlussendlich kommt es dann zu sexuellen Handlungen.

Kommen dann die Jugendlichen selbst zu Ihnen und suchen Hilfe oder machen das grundsätzlich die Eltern?

Sowohl als auch.  Jedoch kommt aber auch oft das Jugendamt mit den Jugendlichen zu uns. Das ist von Fall zu Fall verschieden.

Wie viele schaffen die Therapie wirklich?

Da gibt es keine verlässlichen Zahlen. Zum einem ist die Entwöhnung ein langwieriger Prozess, wobei es hier immer viele Rückfälle und Abbrüche geben kann. Das soll aber nicht heißen, dass die Therapie dann kein Erfolg war. Gegebenenfalls benötigen die Jugendlichen viele Anläufe um drogenfrei zu sein. Vor Rückenfällen ist aber niemand geschützt.

Sind es wirklich immer Kinder und Jugendliche, die aus „Problemfamilien“ kommen? Oder sind es auch Jugendliche aus „guten“ Familienverhältnissen?

„Gute Familienverhältnisse“ muss man, wie Sie, unbedingt in Anführungszeichen setzten. Denn kein Jugendlicher entwickelt grundlos ein Suchtverhalten. Es sind auch Jugendliche dabei, die aus der sogenannten bürgerlichen Mitte stammen. Aber man weiß nie, was in den Familien vorgefallen ist. Deshalb, wie gesagt, grundlos entwickelt niemand ein Suchtverhalten.

Was war Ihr schlimmstes Erlebnis in Ihrer Arbeit als Suchtberater?

Ich darf natürlich keine Details erzählen. Jedoch kann ich sagen, dass es einige Jugendliche gibt, die es schaffen, und in ein normales Leben zurückfinden. Umso trauriger ist es für mich, wenn einige junge Menschen es nicht schaffen, und sich das Leben nehmen. Das ist besonders tragisch, weil man in jedem Jugendlichen Hoffnung hat.

Bei meiner letzten Frage hat sich Frederik Rühmann etwas mehr Zeit gelassen, um die passende Antwort zu finden. Kein einfacher Job, wenn man täglich mit dem Schicksal junger Drogenabhängiger konfrontiert ist. Vor allem dann, wenn die Droge den Kampf gewonnen hat.

Bis zum nächsten Blog,

Melanie

*“Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“: Christiane F. zu einem befreundeten Fixer, kurz bevor sie zum ersten Mal Heroin konsumierte (S.82)

Erzählen Sie…

1922-Fasziniert starre ich noch immer auf die Jahreszahl. Zweimal rechne ich, um mir wirklich sicher zu sein. Im Oktober 2016 wird Anton Plattner 94 Jahre alt. 94 Jahre voller Arbeit und Angst, aber auch voller Glück und Dankbarkeit. Auf dieses Leben zurückzublicken gleicht einer Märchenstunde. Ein Märchen, welches ein gutes Ende nehmen durfte…

Von der Nachkriegszeit in den nächsten Krieg

Als Drittes von neun Kindern wurde Anton Plattner 1922 in Terlan, einem Dorf in Südtirol, geboren. Der erste Weltkrieg liegt nur einige Jahre zurück, die Italianisierung ist im vollem Gange. In der Schule und in der Öffentlichkeit wurde nur Italienisch gesprochen, Deutsch war verboten. „Mein Vater hätt‘ uns aber bei den Ohren gezogen, wenn wir daheim nicht Deutsch gesprochen hätten“, so Plattner.

Im Jahre 1935, mit 13 Jahren, wurde Anton Plattner von zu Hause weggeschickt, um beim Hof des Großbauern Kroaner zu arbeiten. Als siebtes und damit auch fremdes Kind in der Familie hieß es oft: „Bua tu dies, Bua tu das.“ Aber trotz der vielen Arbeit auf der Landwirtschaft war es der Bäuerin wichtig, dass die Lernerfolge in der Schule stimmten. So verfolgte Anton Plattner einen Alltag über Jahre hinweg, der sich aus Schulbildung und Arbeit zusammensetzte. Eine Bezahlung für das Schuften gab es nicht, lediglich Kost und Quartier wurden geboten, sowie die getragene Kleidung der älteren Kinder am Hof. Gern erinnert sich Anton Plattner noch an ein besonderes Ereignis zurück: „Einmal wurde mir ein ganz neuer Anzug mit soliden Schuhen gekauft. Ich fühlte mich damals wie ein richtiger Gentleman!“

 

Der Beginn einer langen Reise

Im Mai 1939 wurde die Bevölkerung Südtirols vor die Wahl gestellt: Entweder man entschied sich für das Deutsche Reich oder man bleibt ohne ethnischen Minderheitsschutz in der Heimat unter der Führung Mussolinis. Herr Plattner durfte im Alter von 17 Jahren noch nicht für sich selbst entscheiden, so wurde er mit seiner Familie nach Österreich gebracht. „Ich wäre nicht nach Österreich gegangen. Ich hatte am Bauernhof alles und ich konnte alles. Aber im Konsulat wurde bestimmt, dass ich mit meinen Eltern mitgehen muss. Mein Vater hat sich für Hitler und das Deutsche Reich entschieden. Die Bauersleute, bei denen ich arbeitete, stimmten für Mussolini und blieben in Italien. Verständlich, bei diesem schönen Besitz“, erklärt Plattner.

Die Reise der Familie Plattner in die neue Heimat Kainach in der Steiermark dauerte eine Woche. Der Vater hatte Verwandte in Graz und gab die Steiermark als sein Wunschziel in Österreich an. Dort angekommen schickte man Anton Plattner mit seinem Bruder Martin zum Arbeitsamt. Den jungen Männern wurde erklärt, dass sie sowieso in den Krieg eingezogen werden. Wer sich aber freiwillig für die Wehrmacht meldete, wurden sowohl Wohnung auch als Arbeit nach dem Krieg versprochen. „Am 10. August 1940 war meine Musterung und am 1. Februar 1941 wurde ich der Deutschen Wehrmacht übergeben. Es ging alles sehr schnell!“, erinnert sich Anton Plattner.

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Anton Plattner zu Hause in Kainach. ©Melanie Köppel

Das Interview

Anton Plattners Geschichte faszinierte mich von Anfang an. Umso mehr freute es mich, dass ich ihn und seine Frau Ella besuchen durfte. Mit einer Flasche Wein in der Tasche klingelte ich also an seiner Haustür. „Die Schuhe kannst‘ gern anlassen, ich bin der Hausmann“, begrüßte er mich fröhlich und ich folgte ihm in die Küche, wo auch seine Ehefrau schon wartete. „Da werd‘ ich auf meine alten Tag nochmal rauschig!“, schmunzelte er, als ich ihm die Flasche Wein gab und unser Gespräch konnte beginnen…

Sie sind Zweisprachig aufgewachsen, aber dann mit 17 nach Österreich gekommen. Haben Sie Italienisch jemals wieder gebraucht? Können Sie es noch?

, sì signorina, parlo italiano! (lacht) Aber gebraucht habe ich es eigentlich nicht mehr. In der Gefangenschaft in Amerika habe ich dann noch etwas Englisch gelernt. Nach dem Arbeiten mussten wir immer eine Stunde lernen, aber im Schreiben war ich ganz schlecht. I speak no English! (lacht)

Was war ihr schlimmstes Erlebnis als Soldat? Wenn man überhaupt ein Einziges als Schlimmstes definieren kann.

Wir Soldaten wurden in zwei Truppentransporter eingeschifft: Einmal der Transporter „Donau“, in dem ich war und der Zweite hieß „Ibizzia Laura“. Am fünften Tag dieser Schiffsfahrt wurden wir auf offener See in der Nähe von Kirkenes (Norwegen) von Torpedos der Engländer getroffen. Es war der 30. August 1941 gegen 17:30 Uhr, als die „Donau“ angegriffen wurde, sofort in der Mitte brach und innerhalb drei Minuten versank. Ich war mit meinem Kameraden Bertl Plank im ersten Deck in der Nähe der Treppe. Die Schwimmwesten hatten wir als Kopfkissen für unser Nachtlager benutzt und in meinem Schrecken hatte ich die einfach liegen gelassen. Das Schlimmste an dieser Situation war, dass ich nicht schwimmen kann. Ich traute mich nicht, einfach ins Meer zu springen und die Rettungsboote waren alle demoliert…

Sind Sie trotzdem gesprungen?

Nein, ich glitt an einem Seil ins Wasser, weil die Kameraden von oben drängten. Verständlich, wir hatten auch nicht viel Zeit. Ich habe auch sofort Wasser geschluckt und wurde in die Tiefe gezogen. Das Nächste, an das ich mich erinnern kann, ist, dass mich ein Kamerad im Schwitzkasten, und mir regelmäßig mit voller Wucht auf den Kopf geschlagen hatte. Ich hatte so viel Salzwasser geschluckt, allein daran hätt‘ ich sterben können. Der Kamerad trug eine Schwimmweste und schrie die ganze Zeit: „Gib Ruh‘, gib Ruh‘!“ Ich kann mich heute noch an die Rufe der verzweifelten Soldaten im Wasser erinnern. Mein unglaubliches Glück war, dass ich nach einer halben Stunde im Wasser auf ein Kriegsschiff von unserem Verband von ein paar Matrosen hochgetragen wurde. Bertl wurde auch gerettet und wir sind uns um den Hals gefallen, als wir uns wiedergesehen haben.

Frau Plattner, die auch am Tisch sitzt und gespannt zuhörte, fragte mich kurz, wie mein Nachname lautet. „Schau, du hasts auch nicht mehr g’wusst“, sagte sie zu ihrem Mann. „Wennst du 100 Jahr alt bist, vergisst halt auch mal was!“, entgegnete dieser nur lächelnd. Das holte mich kurz wieder in die Gegenwart zurück, denn beim Erzählen wirkt Herr Plattner nicht wie fast 100…

Wie viele Kameraden haben diesen Angriff nicht überlebt?

Von den 1000 Kameraden, die am Schiff waren, haben es 600 nicht geschafft. Ich hatte bei dem Unglück Gott „angerufen“ und versprochen, dass ich jeden Sonntag in die Kirche geh‘, wenn ich das überlebe. Ich bin so dankbar, dass ich das überstanden hab‘. Mein Versprechen habe ich gehalten, jedoch, wenn ich es manchmal nicht mehr in die Kirche schaffe, dann höre ich die Messe im Radio.

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Anton Plattner hat seine Erinnerungen selbst niedergeschrieben. ©Melanie Köppel

Wurden Sie während des Krieges jemals krank?

In Russland hat mich die Gelbsucht erwischt. „Oh, weg weg, sonst krieg‘ ma alle die Gelbsucht!“, hat der Arzt damals gerufen und mich in ein Not-Lazarett nach Witebsk (Weißrussland) verwiesen. Da waren schon mindestens 20 Soldaten mit Gelbsucht und auch Verwundete.  Links lagen die Männer mit Gelbsucht und rechts die Verwundeten. Nach ein paar Wochen kam ich in das Heimatlazarett nach Warschau. Innerhalb vier Monaten war ich wieder geheilt. Medikamente oder Ähnliches gab es nicht, also musste sich mein Körper von allein erholen.

Wie ging es weiter?

Nachdem ich 10 Tage Heimaturlaub erhielt und danach zurückmusste, meldete ich mich freiwillig, um in Afrika einzuziehen. Mir wurde bewusst, dass ich aus Russland nie mehr lebend heimkommen würde, da ich sehr schwach war. Der Weg nach Afrika war schon sehr anstrengend.  Habidere, da hatte ich schon das Gefühl, dass das alles nicht gut gehen wird. Mit dem Güterzug ging es durch Italien bis nach Sizilien, danach mit dem Flugzeug weiter nach Tunis. Eigentlich wollten wir nach Tripolis, aber da in dieser Gegend die Engländer kämpften, waren wir schon beim Eintreffen zum Rückzug gezwungen. Am 11. Mai 1943 gegen 10:30 Uhr haben uns die Amerikaner schlussendlich in Gefangenschaft genommen.

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Die Route, die Anton Plattner während des Krieges zurücklegte. ©Anton Plattner

Wie haben Sie kommuniziert? Englisch haben Sie doch erst in Amerika gelernt…

In jedem LKW der Amerikaner war mindestens ein Deutschsprachiger. Der hat uns erklärt, wie wir uns verhalten sollen. Das war auch meine Gewissheit, dass es jetzt aus ist. „Wenn einer was tut, dann erschießen wir euch alle!“, hat der immer wieder gerufen. Dann wurden wir alle auf einen LKW verladen und Richtung Durchgangslager gebracht. Lager ist übertrieben, denn eigentlich wurden wir nur von einem Stacheldrahtzaun umrundet, an dem hunderte Schwarze mit Maschinengewehren standen. An diesem Tag hab ich zum ersten Mal einen Schwarzen gesehen!  Wilde Burschen waren das. Am nächsten Tag haben wir dann alle eine Gefangenennummer um den Hals bekommen. Ich hatte die 46500, bei den Zehner-Zahlen bin ich mir unsicher. Mit dieser Nummer haben wir dann zwei Packerl Kekse, etwas Dosenfleisch und eine Flasche Zitronenwasser bekommen.

Wann kamen Sie dann endgültig nach Amerika?

 Am 14. August 1943 wurde ich in New York eingeschifft, danach ging es weiter nach Alabama, wo wir am 27. August mit dem Zug eintrafen. Dort wurde ich wieder in ein Lager gebracht, welches wirklich schön und sauber war. In dem Lager mussten wir alle 10 Stunden täglich arbeiten. Im Sommer bei der Erdnussernte, im Winter im Holzschlag, wo wir Telegrafenmasten stockten. Wenn wir bei der Erdnussernte nicht gebraucht wurden, wurden wir im Steinbruch eingesetzt. Ich kann mit der Gabel umgehen, also war die Erdnussernte für mich eine leichte Aufgabe, denn man macht das wie bei den Heuhiefler. Einmal war ich mit meinen Kameraden schon mit 25 Hiefler fertig, da kam unser Chef in einem weißen Cadillac. Das war ein Auto! Der versprach uns Coca-Cola und eine Tafel Schokolade, wenn wir noch weiterarbeiten würden. Innerhalb einer Stunde war er zurück und wirklich jeder bekam etwas. „Good boys, good boys!“, hat er dann immer gerufen. Das war mein erstes Cola in meinem Leben!

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Als Kriegsgefangener in den Vereinigten Staaten. ©Anton Plattner

Wann sind Sie dann wieder nach Hause gekommen?

Der Krieg dauerte bis zum 8. Mai 1945, da  durften wir aber noch nicht heim, da uns gesagt wurde, das es zu Hause nichts zum Essen gibt. Erst im April 1946 wurde ich nach Liverpool gebracht. Dort musste ich Putzarbeit und Straßenreinigungen erledigen. Wir dachten alle, dass wir sofort nach Hause konnten, aber wir durften noch nicht. Mitte Mai hieß es dann plötzlich: Wer Österreicher ist, soll sich am nächsten Tag sofort in der Schreibstube melden. Die Freude war so groß, als ich erfuhr, dass ich endlich heim darf. Die Reise bis in die Steiermark dauerte bis 19. Juli 1946, wo ich im Entlassungslager in Feistritz eine Fahrkarte und 50 Schilling Wegzehrung erhielt.  Am 20. Juli kam ich endlich in Kainach an und meine Reise hatte ein Ende.

Haben Sie Ihren Kameraden, den Bertl Plank, wiedergesehen?

Ja, unsere Wege haben sich nach Russland getrennt, aber wir haben uns dann nach dem Krieg wiedergetroffen. Da war ich ihn besuchen und hab ihn zum Essen eingeladen. Den hat’s viel schlechter erwischt als mich. Er war in Gefangenschaft in Jugoslawien, also im heutigen Slowenien. Den ganzen Tag hat er nur Wasser und Brot gekriegt, da hab‘ ich dagegen wirklich gut gelebt.

Nach guten drei Stunden in der gemütlichen Küche der Familie Plattner wurde es für mich an der Zeit zu gehen. Doch eine letzte Frage kam mir noch auf:

Was sagen Sie denn heute darüber?

Ich hoff‘, dass so ein Blödsinn nicht nochmal passiert! Irgendwann müssen die Leut‘ ja gescheiter werden…

Irgendwann, hoffentlich.

Eure Melanie

Thomas Weber – Vom Fernseher zum Talk mit elitale

Wenn er durch die Herrengasse in Graz spaziert, wird er ständig angesprochen und um Fotos gebeten. Der 35-jährige Steirer ist aber keinesfalls ein bekannter Popstar. Thomas Weber ist seit 2015 Moderator der Tagesnachrichten „Steiermark heute“. Was ihm so daran gefällt und wie man sich als „der Mann aus dem Fernseher“ fühlt, hat der Wahl-Grazer mir ganz persönlich erzählt:

Ein freundliches „Hallo Melanie, hier ist Thomas Weber“ hallt mir aus meinem Telefonlautsprecher entgegen. Ich selbst sitze in einem kleinen Raum meiner Universität und bin ziemlich nervös. Schließlich telefoniere ich mit einem meiner großen Vorbilder. Journalismus ist das, was uns verbindet. Was er schon erreicht hat, liegt für viele in der Branche noch in ferner Zukunft. Ob London, Prag oder die alltägliche Arbeit im Landesstudio der Steiermark: Der Terminkalender des jungen Steirers ist randvoll. Eine Sportverletzung am Bein beschert ihm aber eine unfreiwillige Pause. „Ich liege hier gerade ganz bequem und habe meinen Fuß hochgelagert“, für mich das Stichwort, um loszulegen.

Die Karriere in der Medienbranche hat damals mit einem Praktikum bei dem Radiosender „Antenne Steiermark“ begonnen. Wie kam es dazu, dass Sie danach Politikwissenschaften studiert haben?

Ich wollte schon immer ein Studium machen und hatte das in meiner Lebensplanung drin. Irgendwie bin ich dann aber in den Medienjob „reingerutscht“. In den Sommerferien zwischen der 7. und 8. Klasse* habe ich ein Praktikum bei der „Antenne“ gemacht. Nach der Matura habe ich das Studium quasi auf Eis gelegt und bin dann als Reporter zur „Antenne“ zurück. Mit fast 23 Jahren kam dann der Punkt, an dem ich mir gedacht habe: „Wenn du jetzt kein Studium mehr machst, wirst du nie mehr eines machen.“ Also habe ich bei der „Antenne“ gekündigt, weil ich wusste, dass sich in diesem Fall der Job nicht mit dem Studium vereinbaren lässt. Nach einem abgebrochenen BWL- und JUS-Studium in Graz bin ich schlussendlich nach Wien und habe dort meinen Magister in Politikwissenschaften gemacht. Dieses Fach hat mich einfach am meisten interessiert!

Nach dem Studium waren Sie in München als Jungredakteur bei „ProSieben“. Warum kommt man danach wieder zurück in die Steiermark?

Nach dem Studium war ich viel unterwegs, aber ich muss gestehen, nach meinen ersten drei Wochen in München hatte ich richtig Heimweh. Ich habe einfach alles vermisst und bin dann relativ rasch zurück in die Steiermark, auch weil ich wusste, dass es eventuell eine Chance gibt, beim Österreichischen Rundfunk (ORF) anfangen zu können.

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Der gebürtige Weststeirer liebt seine Heimat. © Thomas Weber

 

Also ist die Arbeit beim ORF schon von Anfang an der Traumberuf gewesen?

Nein, das würde ich nicht so sagen. Ich habe schon früh gewusst, dass ich später im Medienbereich arbeiten will. Ob das nun im Radio, bei der Zeitung oder im Fernsehen sein soll, war mir damals nicht wirklich bewusst. Zum ORF speziell wollte ich nie. Es ist kein Geheimnis, dass der ORF der größte Medienanbieter Österreichs ist. Also wenn sich die Chance ergibt, dass man im ORF in verschiedensten Bereichen arbeiten darf, würde ich das dann schon als Traumjob bezeichnen.

Seit Juni 2015 sind Sie nun sogar Moderator für „Steiermark heute“. Wie fühlt es sich an, ein bekanntes „Fernseh-Gesicht“ zu sein?

Unwirklich! (lacht) Nein, also ich arbeite bald 10 Jahre beim ORF und bin dort Teil des Teams. Als dann 2015 ein Moderator gesucht wurde, war das irgendwie die Erfüllung des Traums, den man als Journalist anstrebt. Wenn man dann wirklich nicht um 19 Uhr nach Hause geht, sondern im Hauptabendprogramm moderiert, kann man sich davor gar nicht vorstellen, welche Aufmerksamkeit man geschenkt bekommt. Oft höre ich auf der Straße „Schau, UNSER Nachrichtensprecher!“ und über solche Rückmeldungen freue ich mich doch sehr. Ob nun real oder virtuell über die sozialen Medien: Ich trete sehr gerne in Kontakt mit den Zuseherinnen und Zusehern. Mich nervt so etwas nicht, im Gegenteil, ich freue mich sehr darüber, angesprochen zu werden.

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Zuvor schon beim ORF, jedoch seit Juni 2015 Moderator von „Steiermark heute“.                                        © Thomas Weber

Stichwort soziale Medien: Auf ihrer Facebook-Seite tummeln sich mehr als 7000 Follower. Hand aufs Herz, googelt man sich da auch manchmal selbst, um zu wissen, was so geschrieben wird?

Nein, noch nie! Auf diese Idee wäre ich ganz ehrlich gesagt noch nie gekommen. (lacht) Meistens weiß man schon vorher, wenn irgendein Artikel geschrieben wird. Aber als Journalist ist man schon viel im Internet unterwegs, einfach um „Up-to-Date“ zu sein und wirkliche wichtige Nachrichten mitzubekommen. Mich selbst zu googeln würde für mich aber keinen Sinn ergeben!

Aber nun zurück zum Thema Facebook: Hauptsächlich sieht man dort Fotos von der Arbeit oder vom Sport. Ist der Sport nur eine lästige Tätigkeit, weil man als Moderator fit bleiben muss oder macht das Ganze schon Spaß?

Da kann ich nur meine Standardantwort auspacken und sagen, dass ich einer der wenigen Menschen bin, denen Sport überhaupt keinen Spaß macht. Ich habe auch nicht die Glückshormonausschüttung danach. (lacht) Laufen ist für mich nur Mittel zum Zweck, um fit zu bleiben und meine Figur zu halten. Deshalb mache ich vier bis fünf Mal pro Woche Sport, aber das wäre auch schon wieder der einzige Grund. Wenn es eine Möglichkeit gäbe, fit und gesund zu bleiben, ohne Sport zu machen, wäre ich sofort dabei!

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                Regelmäßig wird fleißig trainiert.                       ©Thomas Weber

Nun eine wirklich wichtige Frage: Wiener Schnitzel oder Kaiserschmarren?

Wiener Schnitzel!!! Ich bin der Parade-Österreicher, der von Zeit zu Zeit sein Wiener Schnitzel braucht. Immer wenn ich zu meinen Eltern fahre, dann gibt es eines. Ich liebe Wiener Schnitzel!

Bei der Mama ist es am besten oder?

Ja, sicher! (lacht)

In einem Interview im September 2015 haben Sie gesagt, dass Sie bis zu 5 Liebesbriefe pro Tag bekommen. Ist das heute auch noch so?

Nein, leider! (lacht) Aber man muss sich das sowieso ganz anders vorstellen, als es in diesem Interview dargestellt wurde. Wir leben im Jahr 2016 und da ist so ein handgeschriebener Liebesbrief eine echte Seltenheit. Also wenn, dann bekomme ich diverse Facebook-Nachrichten von Frauen, in denen steht, wie süß ich doch bin oder dass diese Damen mich kennenlernen möchten. Meistens werde ich auch gefragt, ob ich der aus dem Fernseher bin und ob man nicht weiter über Whats-App schreiben will. Das beschränkt sich aber auf maximal vier bis fünf Nachrichten pro Woche.

Haben Sie ihre große Liebe dann schon gefunden oder lässt die noch auf sich warten?

Die lässt noch auf sich warten! Sagen wir so, es war noch kein Liebesbrief dabei, der mich so geflasht hat, dass ich sagen würde, das ist jetzt meine große Liebe.

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Liebesbriefe via Facebook sind keine Seltenheit.      ©Thomas Weber

 

Würden Sie sich dann selbst als Romantiker bezeichnen?

Puh, würde ich mich selbst als Romantiker bezeichnen? Ja, schon. Gibt es eigentlich Menschen, die nicht romantisch sind?

Stimmt, gutes Gegenargument.

Es hängt davon ab, wie man romantisch definiert. Wenn man einfach in der Früh zu zweit aufwacht und sich darüber freut, finde ich das eigentlich schon romantisch. Fast romantischer als die kitschige Version, wenn man eben am Balkon mit vielen Decken ein Glas Wein trinkt und die Sterne dabei anschaut oder am Strand spazieren geht. Romantik ist immer eine Definitionssache und ich denke, jeder Mensch ist irgendwie romantisch.

Also hat er sich doch selbst verraten, der liebe Herr Weber. Welchem Mann wären solche Bespiele schon eingefallen, wenn er nicht selbst ein wahrer Romantiker wäre?

Thomas Weber seht Ihr bald wieder um 19 Uhr im ORF2 und von mir hört Ihr wieder nächste Woche, hier auf elitale,

 Eure Melanie

*Deutschland: 11. und 12. Klasse