Was von den „Likes“ bleibt

Irgendwie ist es gruselig! Die erste Generation, die mit Facebook und Co. aufwächst, ist auch die Erste, die „virtuelle“ Spuren hinterlässt. Was früher Tagebücher und Liebesbriefe waren, sind heute Messages, Likes und Postings. Eines ist klar: Was das Internet einmal hat, ist für immer gespeichert.

Diese Daten sagen viel über einen Menschen aus, und können so für Hinterbliebene einen Trost, aber auch manchmal eine Erklärung liefern. Wie im Falle eines 15-jährigen Mädchens aus Berlin, das 2012  vor eine U-Bahn gestürzt ist. Die Eltern der jungen Frau kämpften fast sechs Jahre darum, Einsicht in die privaten Nachrichten der verstorbenen Tochter zu bekommen – mit Erfolg. Heute entschied der Bundesgerichtshof in Karlsruhe in letzter Instanz, dass auch digitale Inhalte wie Tagebücher oder Briefe behandelt werden sollten, denn diese gehen nach dem Tod einer Person auch an die direkten Erben. Die Eltern des Mädchens  haben nun endlich eine Art Gewissheit. Denn  Suizid wurde bis heute von der Familie des Mädchens nicht ausgeschlossen.

Die eigentliche Schwierigkeit in diesem Fall ergab sich aus den Datenschutz-Verordnungen von Facebook. Grundsätzlich kann man Konten von Personen durch ein paar Mausklicks in den „Gedenkzustand“ bringen. Somit kann man das Profil von Verstorbenen immer besuchen, jedoch kann niemand mehr eine Änderung daran vornehmen. Wer das im Fall der 15-Jährigen veranlasst hat, ist ebenso unklar. Facebook schweigt auch hier aus Datenschutz-Gründen. Weiteres ist Facebook um den Datenschutz der Freunde des Mädchens besorgt: Denn der Schutz der Dritten sollte in diesem Fall garantiert sein. Wie dieses Meldeformular aussieht, habe ich euch im folgenden Screenshot illustriert:

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Quelle: Facebook

Wem überlasse ich mein Facebook-Profil?

Damit man schon im Vorhinein das Entscheidungsrecht darüber hat, wer nach dem Tod die privaten Daten auf Facebook sehen und bearbeiten darf, hat der Social-Media-Riese ein extra eingerichtetes Feature. Wieso man hierfür 18 Jahre alt sein muss, erschließt sich mir leider nicht ganz:

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Quelle: Facebook

Hier kann man seinen „Nachlasskontakt“ bestimmen, der im Todesfall das Profil verwalten kann. Wenn man auf ein Facebook-Profil nach dem Tod lieber verzichten würde, kann man auch eine Löschung veranlassen. Beides ist unter Einstellungen im Bereich „Konto verwalten“ zu finden. Wie das Ganze aussieht, seht ihr hier:

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Quelle: Facebook

 

Wie es auch sei und ob man sich für eine der Möglichkeiten schon im Vorhinein entscheidet, es ist doch immer am Wichtigsten,  während Lebzeiten darauf zu achten, was man veröffentlicht und was nicht. Und zum Thema Datenschutz: Ach Facebook, seit wann ist euch DER denn eigentlich SO wichtig? 😉

Bis bald,

Melanie

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Brauchen wir ein Drittes Geschlecht?

Der Verfassungsgerichtshof gab letzten Freitag bekannt, dass neben „männlich“ und „weiblich“ eine weitere Geschlechtseintragung in amtlichen Dokumenten möglich sein muss. Das Ganze ins Rollen brachte Alex Jürgen*, eine intersexuelle Person, die sich diskriminiert fühlte, da es ihr nicht gestattet worden war, ihren Geschlechtseintrag im Zentralen Personenstandsregister auf „inter“ oder eine ähnliche Formulierung ändern zu lassen.

Traurig einerseits, dass der Verfassungsgerichtshof erst auf Druck das Personenstandsgesetz amtswegig geprüft hat. Erfreulich natürlich andererseits, dass endlich darüber geredet wird und etwas passiert. Denn laut einer EU-weiten Statistik sind 1,79 Prozent der Bevölkerung intergeschlechtlich. Umgerechnet sind das dann mehr als 9 Millionen Menschen in der EU, die seit Jahren kein offizielles, amtliches Recht auf Intersexualität haben – und das im 21. Jahrhundert.

Außerdem könnten in Zukunft mit dieser Möglichkeit vielen Kindern eine Menge Leid erspart werden. Geschlechtsanpassungen sind, vor allem im Baby- und Kindesalter, gang und gäbe. Schließlich muss das Kind „Geschlechtskonform“ erzogen werden. Einen offiziellen Buben in Mädchenkleider zu stecken, da sich das Kind doch in eine andere Richtung entwickelt, erscheint doch als unmöglich für Eltern. Ich hoffe, man versteht die Ironie.

Jedenfalls ist der Mensch ein komplexes Wesen und das körperliche Geschlecht muss nicht immer mit dem „geistigen Geschlecht“, wenn man sowas überhaupt hat, übereinstimmen. Die Möglichkeit nun, offiziell intersexuell sein zu können, könnte also vielen Menschen in Zukunft vieles erleichtern. Oder eben auch erschweren…

Braucht man überhaupt Geschlechter?

Muss man sich „abstempeln“ lassen? Welcher Nutzen hat die Menschheit von einem „M“, „F“ oder nun bald auch „X“ in offiziellen Dokumenten? Dass das Ganze im medizinischen Sinne wichtig werden kann, ist mir bewusst. Jedoch ist jeder Patient individuell und ein Mediziner muss sich auf die jeweiligen Umstände so oder so einstellen. Also nochmal: Worin steckt der Sinn hinter dieser Klassifizierung? Ob nun jemand männlich, weiblich oder einfach inter ist, ist doch nicht relevant. Mensch ist Mensch, es reicht doch, wenn man eine Staatsbürgerschaft hat, hinter der sich schon eine Sinnhaftigkeit versteckt. Also wieso muss man ein Geschlecht „haben“? Aufs Frauenklo darf ich auch ohne Reisepass!

Wenn man auf die Geschlechterangabe in Zukunft verzichtet, könnten auch einige Probleme wie die nicht vorhandene Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau etwas gemindert werden. Denn rein amtlich und offiziell gibt es dann keinen Unterschied mehr zwischen den Geschlechtern. Davon könnten wir doch nur alle profitieren, oder?

Bis bald,

Melanie

Rassismus ist keine Meldung wert

Wer Journalist werden möchte, muss auch mit negativer Kritik umgehen können. Und das ist durchaus diplomatisch ausgedrückt! Hass und Anschuldigungen erreichen Journalisten immer direkter und ungefilterter. Was früher vielleicht fünf Drohbriefe nach einem pikanten Artikel waren, sind heute unzählige E-Mails, Kommentare und, wenn es ganz außer Kontrolle gerät, auch Anrufe.

Ich möchte jetzt nicht behaupten, dass das Internet daran Schuld ist, aber salopp gesagt: Jeder Idiot kann heutzutage seinen Scheiß veröffentlichen, egal welcher Wahrheit die ganze Sache entspricht. Im Gegenzug erhält man auch Reaktionen auf sein geteiltes Wissen so schnell wie noch nie. So wird die Arbeit der Journalisten von manchen Leuten als lästige  Nebensache gesehen, welche man praktischer Weise auch in kürzester Zeit negativ befeuern kann. Denn für was braucht man noch einen Journalisten, wenn man jegliche Information per Internet quasi zum Nulltarif bekommen kann? Wenn mir einfach etwas nicht passt, wie jemand anderer berichtet, denkt oder publiziert, dann soll der das auch zu spüren gekommen – so jedenfalls der Anschein.

Der etwas „andere“ Journalist

Was passiert nun, wenn man Journalist ist UND einer Minderheit eines Landes angehört? Hasnain Kazim, deutscher Außenkorrespondent von SPIEGEL ONLINE in Wien, bekommt dies täglich zu spüren. Sein E-Mail-Postfach quillt praktisch über, und nett sind nur die wenigstens Zusendungen.  Als Sohn indisch-pakistanischer Eltern in einer Zeit, in der der Rechtspopulismus immer stärker wird, kann man sich den Inhalt vieler Nachrichten selbst ausmalen. „Raus aus Deutschland, du Islamist!“ ist harmlos, glaubt mir. Herr Kazim hat jedoch den Spieß umgedreht, und antwortet den „Hatern“ gerne  so sarkastisch, dass das Lesen wirklich Spaß macht. Im Buch „Post von Karlheinz“  hat er die „besten“ Dialoge zusammengefasst und zeigt auf, wieso der Kontakt zwischen Produzent und Rezipient oft genauso wichtig ist, wie die Veröffentlichung der Texte  selbst.

Auffallend dabei ist eben, dass es immer darauf ankommt, wer etwas veröffentlicht. „Logisch!“, könnte man nun behaupten. Aber ich meine das nicht im inhaltlichen Sinne, sondern ganz auf die Optik bezogen. Nämlich die Optik oder eben jedenfalls die Herkunft der äußerlichen Merkmale des Autors oder die Herkunft des Namens. Immer noch sind gewisse Stereotypen in den Köpfen der Menschen eingebrannt. Besonders Journalisten mit „ausländischen“ Wurzeln und „fremd“ klingenden Namen sind gerne im Fokus des Hasses. Welche politische Einstellung, Meinungen oder gar Ressorts sie angehören, scheint wiederrum keine Rolle zu spielen.

Journalist + „Ausländer“ = das ultimative Hassbild

Der Hass, die Vorurteile und die Ausgrenzung: All das muss aufhören. Natürlich ist es nicht leicht, von einem Tag auf den anderen keine Vorurteile mehr zu haben. Das Thema ist komplex, sollte aber auf keinen Fall unter den Tisch gekehrt werden. Denn wir alle sind Menschen. Ja, auch Journalisten, wenn das auch viele gerne anders sehen würden. Das Bild des „informierenden Journalisten“ hat sich zum bösen, „linkslinken-lügenden-Drecksgutmenschjournalisten“ gewandelt. Wenn man dann zu allem Überschuss auch noch „anders“ aussieht, hat man es doppelt so schwer. Dennoch sollte ein miteinander ohne Hass keine Utopie mehr sein. Jedenfalls der Versuch dazu.

Bis bald,

Melanie

Rauch(freie) Nation?

1. Mai 2018: Der Tag, der viele Wirte in Österreich schon einige Sorgenfalten bereitet hat. Dank der neuen Regierung unter der ÖVP-FPÖ-Koalition dürfte sich dieses Datum noch ein bisschen nach hinten verschieben. Die Verschiebung oder sogar Aufhebung des totalen Rauchverbots in Österreich sorgt im Land selbst für hitzige Diskussionen – von unseren Nachbarländern werden wir aber nur müde belächelt.

Das Rauchen gesundheitsschädlich ist und vor allem für Kinder maßgebliche Folgen haben kann, dürfte mittlerweile kein Geheimnis mehr sein. Dass man auch nicht unbedingt Nichtraucher sein muss, um den kalten Gestank nach einem Gasthaus- oder Barbesuch zu hassen, ist ebenfalls keine neue Erkenntnis. Also warum wehren sich so viele gegen das totale Rauchverbot?

Wer raucht, konsumiert mehr und bleibt länger im Lokal – so das mitunter lauteste Argument der Gastronomie. Vor allem bei den eisigen Temperaturen im Winter in Österreich ist es auch durchaus verständlich, dass Raucher lieber in der Gaststätte qualmen als vor der Tür erfrieren.  Ergo würden ab einem eintretenden Rauchverbot die Anzahl der Gäste drastisch sinken und viele Wirte müssten über kurz oder lang ihren Job aufgeben. Dass das aber in anderen Ländern funktioniert, und Menschen trotz Rauchverbot das Haus verlassen und in Restaurants und Bars verweilen, wird gerne außer Acht gelassen. Diese Schwarzmalerei kann man auch gern als Panikmache ansehen, oder gehen Italiener nun nicht mehr in Restaurants oder Iren in Pubs? Beide Länder halten sich übrigens schon seit 2004 bzw. 2005 an strenge Rauchergesetzte. In Italien ist das Gesetz sogar das erfolgreichste Gesetz unter der Regierung Berlusconis!

Am allerwichtigsten sollte uns dennoch die Gesundheit sein. Ich spreche nun auch nicht von der Gesundheit erwachsener Menschen, denn die sind selbst verantwortlich, wie sie damit umgehen. Wer raucht, soll bitteschön rauchen. Welche Folgen das hat, müsste jeder nun wissen. Von Lungenkrebs über fahle Haut und gelbe Zähne ist die Spannbreite der Folgen des Rauchens breit. Als erwachsener Mensch kann ich aber entscheiden, ob ich das möchte oder nicht. Auch als Nichtraucher kann ich gezielt Raucherlokale meiden oder meine Mitmenschen bitten, nicht in meiner Nähe zu rauchen. Obwohl die Trennung in den meisten Gaststätten zu wünschen übrig lässt! Eine geöffnete Tür und der ganze Rauch zieht ins vermeintliche, „rauchfreie“ Nebenzimmer. Eh wuascht, wenn man am Tag davor fort war – die Rauchablagerungen schnäuzt man sich eh fünf Tage später noch aus den Nebenhöhlen!

Kinder haben es aber deutlich schwerer: Wenn ich an meine Kindheit zurückdenke, hat niemand darüber nachgedacht, ob es für mich ungesund sein könnte, sonntags in ein Gasthaus zu gehen. Warum auch? Rauchen gehörte eben dazu. Tradition und so. Heute kriege ich selbst die Krise, wenn ich sehe, dass Babys oder Kinder in Raucherbereichen sitzen müssen und dem ständigen Passivrauch ausgesetzt sind. Kinder können sich schließlich nicht wehren. Natürlich könnte man nun argumentieren, dass Eltern zu Hause auch rauchen und die Kinder dann diesem Rauch ausgesetzt sind. Aber wenn ein Verbot nur eine Familie zum Umdenken bringen würde, dann hätte es sich in meinen Augen schon gelohnt. Außerdem bezeichnen sich 27 Prozent der 12- bis 18-jährigen Jugendlichen laut Statista Austria als „aktive Raucher“. Kein Wunder, wenn der Konsum von Zigaretten mit 16 Jahren legal und so ein Packer’l immer und überall verfügbar ist. Bei einem Preis von circa 5 Euro pro Packung lässt sich das mit dem Taschengeld gut vereinbaren.

Die Wirtschaft über die Gesundheit einer Bevölkerung zu stellen, ist von einer Regierung weniger durchdacht. Ein generelles Rauchverbot wäre zwar eine große Umstellung für die Bevölkerung, da man heutzutage schließlich fast überall rauchen darf. Aber ebenso wäre es eine Bereicherung. Vielleicht nicht mehr für die heutigen Raucher, aber für unsere nachfolgenden Generationen, die „Qualmfrei“ aufwachsen dürfen. Denn Zigaretten haben mit der Tradition eines Landes weniger zu tun, und auch wenn: Hexenverbrennungen waren damals auch ganz nett…

Wer jetzt damit argumentieren möchte, dass Alkohol ebenfalls ungesund ist: Stimmt. Aber ob ich mir an der Theke fünf oder 20 Mixgetränke bestelle, dürfte meinen Sitznachbar erst dann stören, wenn ich ihm auf den Schoß speib. Davor freut’s den Wirt!

Bis bald,

Melanie

P.S.: Das „Don’t smoke“-Volksbegehren (https://www.dontsmoke.at/) liegt noch bis 4. April online und in jeder Gemeindebehörde zum Unterschreiben bereit.

Tu nichts, was dir nicht gut tut

„Mir geht’s nicht gut, aber daran ändern will ich auch nichts!“ – Die essentielle Hauptaussage einiger Personen in Gesprächen. In letzter Zeit ist mir aufgefallen, dass eigentlich jede zweite Unterhaltung genau auf diese Kernaussage aufbaut. Aber warum?

Nun gut, vielleicht liegt es an mir und ich bin einfach viel zu egoistisch. Ganz pragmatisch gesehen leben wir schließlich nur einmal. Wie lang auch immer diese Lebensdauer umfassen mag, von einem glücklichen Leben hat man mehr, wie auch immer man Glück definieren möchte.

Deshalb verstehe ich den Sinn der „Opferrolle“ nicht, in die sich so viele Leute drängen. Natürlich passieren auch furchtbare Dinge auf dieser Welt, aber die meisten Problemchen sind lösbar. Klar ist es auch schön, einfach jammern zu können und jemanden zuhören zu lassen. Aber auf DEN Ratschlag zu warten, während man sich selbst immer mehr in Mitleid suhlt… Auf kahlem Felsen wachsen schließlich auch keine Rosen.

Wir Menschen sind schlichte Gewohnheitstiere. Im Endeffekt erhoffen wir uns doch alle, dass wir mit möglichst wenig Aufwand das Beste für uns herausholen. Klappt eben nur bedingt bis gar nicht. Deshalb möchte jeder auf ein Problem lieber „Oh, du tust mir so leid!“ als „Dann ändere eben was!“ hören. Veränderung heißt eben, sich andere Gewohnheiten zuzulegen und jeder weiß selbst, wie schwer das ist.

Ich stelle mir daher oft die Frage: „Was würde mein 80-jähriges Ich wohl dazu sagen?“ Wäre ich stolz auf mich selbst? Würde ich etwas bereuen? Oder ist es vielleicht sogar reine Zeitverschwendung? Ich glaube, Ereignisse in der Vergangenheitsform anzusehen macht jedenfalls mir viel weniger Angst als die Zukunft. Obwohl Angst natürlich übertrieben ist.

Also dein Job macht dir keinen Spaß? Dann kündige eben, es gibt so viele andere Perspektiven. Dein Partner ist ein Arschloch? Verlasse die Person, du hast Besseres verdient. Du willst schon ewig etwas machen, traust dich aber nicht? Mache es, in 80 Jahren wirst du dich lieber an einen „Fehler“ erinnern, als das du bereust, nie etwas probiert zu haben. Es gibt immer ein „Aber“, solange du eines zulässt.

Deshalb ist es okay, egoistisch zu sein. Im Endeffekt hat man eben nur das eine Leben. Und unglücklich zu sein bringt weder dir, noch deinem 80-jährigen Ich etwas. Außerdem kann man gesunden Egoismus auch Selbstfürsorge nennen. Und die ist sehr wichtig!

Bis bald,

Melanie

 

 

Die „Bitch Academy“

Alle meine Gebete in den letzten 21 Jahren wurden erhört! Mädels, packt eure Sachen, auf geht’s nach Russland, denn es gibt sie wirklich: Die Bitch Academy.

Nein, hier ist nicht die Rede von einer Universität, die diplomierte Prostituierte ausbildet. Obwohl das der Sache schon ziemlich nahekommen würde. In der „Bitch Academy“ in Moskau wird jungen (oder weniger jungen) Damen beigebracht, wie man sich einen Sugar Daddy angelt.

Für alle wohlbehüteten, unschuldigen Mitmenschen: Ein „Sugar Daddy“ ist ein meist etwas reiferer Herr, der eine Menge Geld am Konto hat. Umso höher der Kontostand, umso jünger meist auch die Frau an seiner Seite. Rein optisch sprechen wir hier nicht von der Kategorie David Beckham oder Enrique Iglesias, sondern Richard Lugner. Letzterer ist wohl der bekannteste „Sugar Daddy“ Österreichs, welcher übrigens wieder mit einer 58 Jahre jüngeren Frau turtelt.

Für umgerechnet schlappe 100 Euro kann man also Teil eines Kurses der „Bitch Academy“ werden. Man lernt dort eben auch wahnsinnig innovative Dinge: „Zuallererst musst du fröhlich sein. Lieb, sanft, zärtlich, adrett, nicht langweilig, sehr sexy und keine Hure.“ Die passende Lap-Dance-Kurseinheit gibt es natürlich auch dazu.

Nun, da ich quasi selbst eine Bitch Academy eröffnen könnte, mit meiner unglaublichen Lebenserfahrung und meinen unemanzipierten Lebensstil, hier ein paar exklusive Tipps von der Bitch persönlich für euch:

1) Schweigen ist Gold

Je weniger du redest, desto weniger kann der Mann auch erkennen, dass da etwas Hirn hinter der gepuderten Stirn ist. Männer haben ANGST vor Frauen, die 2+2 zusammenzählen können. Also rede nicht, schweige lieber.

2) No-Make-Up mit Make-Up

Soll heißen: Du bist hässlich. Vor allem ungeschminkt. Aber da wir um Himmelswillen nicht geschminkt aussehen sollen, musst du dich so schminken als wärst du nicht geschminkt. Das soll aber dann so aussehen, als wärst du trotzdem geschminkt, ohne aber geschminkt zu sein. Ihr versteht.

3) Du darfst alles machen…

…außer eben das, was du gerne machst. Denn alles was du gerne machst, wirkt so als hättest du Spaß am Leben. Und das kannst du ohne Mann doch schwer haben, oder?

Die drei durchaus essentiellen Tipps waren nun kostenlos, für alles weitere werden in Zukunft auch von mir Kurse angeboten. Da die Wirtschaft in Österreich auch 2018 wachsen wird, kann ich ruhig 150 Euro pro Kursteilnehmerin verlangen. Aber woher weiß ich das überhaupt, ich bin doch eine Frau?

Bis bald,

Melanie

 

P.s.: Wer sich nun die Frage stellt, wie ich auf die „Bitch Academy“ komme: Es gibt einen gleichnamigen Dokumentationsfilm und ein „kreuz&quer“-Dokumentation auf ORF2, in der das Thema behandelt wird.

 

Auf anderen Wegen

„Kunst, würde ich sagen.“

„Halts Maul, Max!“

Beide standen wir vor meinem roten Golf. Wie gerne wäre ich jetzt wo anders. Frankreich, Italien, Südkorea – alles wäre besser als dieser beschissene Wald.

„Frauen gehören eben doch besser in die Küche als hinter das Steuer“, schulterzuckend fährt er mit seiner Hand über die Beifahrertür. Der rote Lack ist komplett abgekratzt. Der Türgriff lässt sich nur mehr durch ein paar lose Schrauben erraten. Die ganze vordere, rechte Seite des Autos ist eingedrückt und der Spiegel liegt wahrscheinlich nun irgendwo unter dem Wagen. Allein die Fensterscheibe sieht noch recht intakt aus, von der dünnen Staubschicht mal abgesehen.

„Arschloch!“, zische ich leise. Die Tränen brennen in meinen Augen. Wie um alles in der Welt sollen wir nun nach Hause kommen? Mein prüfender Blick auf das Handy verrät: Ein Telefonat hier gleicht einem Weltwunder. Das wir noch leben auch.

Max steht vor der geöffneten Motorhaube. Seine gekräuselte Stirn verrät nichts Gutes.

„Weißt du eigentlich, was du hier tust?“, frage ich ihn. Etwas schadenfroh bin ich doch. Der ach so selbstbewusste Max sieht im Moment aus wie ein kleines Kind. Nur sein dichter Bart gibt ihm doch seine 25 Jahre zurück. Wenigstens optisch.

„Es ist jedenfalls nicht meine Schuld“, kontert er pampig.

Für einen kurzen Moment dachte ich sogar, dass er gut aussieht. Hat sich aber nun doch wieder erledigt. Max war schon immer so. Das Einzige, was uns verbindet, ist das kleine Dorf, in dem wir beide aufgewachsen sind. Manchmal frage ich mich wirklich, wie man ernsthaft in einem 600 Seelendorf fern weg der Zivilisation leben kann. Dann fällt mir wieder ein, dass ich es tue.

„Jetzt hör schon auf zu heulen und hilf mir besser!“

Wütend wische ich mir die Tränen von den Wangen. Warum muss eigentlich ich mit dem größten Vollidioten hier festsitzen? „Selbst schuld“, denke ich mir. Wenn man sich beim Rauchen erwischen lässt, muss man damit rechnen, dass man den Sohn der Nachbarin in die nächste Stadt fahren muss. Alles besser als eine Strafpredigt von meinen Eltern.

Dass ich aber immer auf supercool vor Max machen muss, und deshalb die Kurve etwas zu schnell genommen habe, ist nun wirklich nur auf meinem Mist gewachsen. Ich unterdrücke die Tränen, merke aber, dass meine Stimme versagt.

„Max?“

„Hmm?“, er streckt den Kopf kurz hinter der Motorhaube hervor.

„Glaubst du, wir müssen hier übernachten?“

„Ich würde lieber frontal gegen diesen Felsen laufen als mit dir hier zu übernachten.“

Danke dafür. Warum ist Max eigentlich so gemein zu mir? Ich habe ihm nie etwas getan. Na gut, das Haarbüschel, das ich ihm im Kindergarten ausgerissen habe, wird er mir heute wohl verziehen haben.

„Komm, beweg dich, wir müssen nach Hause laufen“, ohne sich einmal umzudrehen, stampfte Max los.

„Bist du wahnsinnig?“

„Ich lasse dich auch alleine hier stehen, ist mir egal!“

Da es langsam dunkel wird, riskiere ich es lieber nicht und tänzle ihm mit meiner Tasche unter dem Arm hinterher. War eine super Idee, meine neuen Stiefletten mit Absatz anzuziehen.

„Willst du dir was brechen oder ziehst du die hässlichen Dinger noch aus?“

„Ich kann dich damit heute noch erstechen, wenn du willst“, gifte ich zurück. Lieber breche ich mir alle Gliedmaßen als zuzugeben, dass ich auf diesen Schuhen nicht laufen kann. Schon gar nicht auf dem matschigen Waldboden.

„Wo gehen wir eigentlich hin?“, frage ich, um das Thema zu wechseln.

„Nach Hause.“

Vor meinem inneren Auge sehe ich schon die morgige Vermisstenanzeige in der Zeitung.

„Finden wir zurück?“

„Zur nächsten Straße bestimmt.“

„Es ist dunkel, Max.“

„Und du bist eine Heulsuse!“

Ich verkneife mir meine Antwort. Das letzte, was ich gerade brauchen kann, ist ein unnötiger Streit. Unauffällig fummle ich in meiner Tasche rum. Ich ertaste das angenehm glatte Material meiner Zigarettenpackung und öffne sie noch in der Tasche. Gekonnt ziehe ich eine heraus und zünde sie im Gehen an. Das mir bei jedem Schritt der Absatz im Boden stecken bleibt, versuche ich zu überspielen.

„Gib mir auch eine.“

„DU rauchst?“

„Ja, aber ich bin nicht so dumm und lasse mich erwischen.“

Am liebsten hätte ich ihm die Packung an den Kopf geworfen. Als ich im das Feuerzeug gebe, berühren sich unsere Hände für einen kurzen Moment. Er erstarrt und sieht mir in die Augen.  In der Dunkelheit des Waldes spüre ich seinen Blick auf mir ruhen.

„Ähm… zündest du sie dir an oder willst du sie essen?“, lenke ich ab.

Max‘ Blick bleibt standhaft. Langsam zündet er sich die Zigarette an und sieht mir direkt in die Augen.

„Du hast voll schöne Augen, ist mir nie aufgefallen“, sagt er nach einer Weile.

„Danke, aber wir sollten weiter. Ich will hier nicht erfrieren.“

Schnell drehe ich mich um und stampfe weiter. War das gerade ein Flirtversuch? Der Idiot. Außerdem ist es verdammt kalt. War das gerade eine Schneeflocke?

„Hast du hier Netz?“, fragt Max.

„Scheiße, ja!“, zum zweiten Mal an diesem Tag bin ich den Tränen nahe.

„Heulst du jetzt oder telefonierst du endlich?“, da war er wieder, der alte Max.

„Warum rufst du eigentlich niemanden an?“

„Ich habe keinen Akku mehr, also mach schon.“

Nach vier missglückten Versuchen erreiche ich endlich meinen Vater. Erfreut ist er nicht, aber wer wäre das schon, wenn man um halb 12 Uhr aus dem Bett geklingelt wird.

„Und? Holt er uns ab?“

„Ja, wir müssen zum Auto zurück“, kaum habe ich den Satz ausgesprochen, drehe ich mich um und laufe los.

„Falsche Richtung, Prinzessin!“, grinsend zieht er mich am Gürtel meiner Jacke zurück.

„Sag noch einmal Prinzessin zu mir und du wirst bald eine sein“, keife ich ihn an.

Langsam drehe ich mich um, meinen Gürtel hat er noch immer fest in seiner Hand.

„Lässt du mich bitte los?“

„Ungerne“, antwortet Max.

Er zieht mich zu sich und ich kann mich nicht wehren. Will ich mich eigentlich wehren? Er riecht so gut. Irgendwie nach Vanille. Oder doch Zimt? Egal, ich wehre mich nicht mehr, sondern genieße die Umarmung.

„Max?“

„Hmm?“

„Was…?“

„Sei einfach leise!“, unterbricht er mich und zieht mich noch näher zu sich in der Dunkelheit des Waldes.

 

 

Ist es wirklich wünschenswert, dass Journalisten Models beleidigen dürfen?

 „Aber diese Schenkel sind einfach nicht Mode, sie sind zu fett.“

Wow, okay. Als ich letzten Sonntagabend durch meinen Facebook-Feed scrollte, erregte ein Post besonders meine Aufmerksamkeit: „Ist es wirklich wünschenswert, dass Models dick sein dürfen?“ Ein Meinungsartikel der WELT von der Autorin Inga Griese. Wenn ihr auf den Link klickt, kommt ihr direkt zum Artikel!

Grundsätzlich hat mich die Überschrift des Artikels nicht überrascht. Ein paar Leser mit einer kontroversen Frage ködern und ab geht die Post. Standard. Aber beim Lesen hatte ich eher das Gefühl, dass die Autorin genau so viel Lust hatte, den Text zu schreiben, wie auf eine Weisheitszahn-OP. Auch das schockierte mich jetzt weniger, es gibt journalistisch gesehen natürlich spannendere Aufgaben als einen Meinungsartikel über „dicke“ Frauen zu schreiben.

Aber der Abschnitt des Artikels schockierte mich dann doch:

„Und jetzt mal ehrlich: Die Oberschenkel sind furchtbar. Man kennt die Sorte nur zu gut im Zusammenhang mit zu kurzen Shorts in Disneyland Orlando. Dies ist kein Bashing gegen Dicke. Warum auch. Zumal dick ebenso wie dünn oftmals subjektiv eingeschätzt wird.

Aber diese Schenkel sind einfach nicht Mode, sie sind zu fett. Man darf das noch sagen in Europa. In den USA würde man wahrscheinlich wegen Diskriminierung verklagt.“ – Inga Griese

Ist es etwa in Mode, andere zu beleidigen? Und dann im nächsten Atemzug zu sagen, dass es doch kein „Bashing“ sei? Außerdem sollte Frau Griese als Chefredakteurin des Stil-Magazins ICON sehr wohl wissen, was nun in Mode ist.

Bodyshaming

Bodyshaming ist nie cool. Egal welcher Herkunft. Man sagt niemanden, dass er zu dick sei. Außer man ist Arzt und hat eine berechtigte Sorge! Natürlich sagt man im Gegenzug auch niemanden, dass er/sie mehr essen sollte, weil jemand zu „dünn“ ist. Das ist nicht hilfreich und bringt der angesprochenen Person durchaus wenig. Frau Griese, bitte merken Sie sich das!

Außerdem verstehe ich nicht, wie man vor allem als Frau, gegen „fette Oberschenkel“ wettern kann. Meine Güte, wir sind Menschen, Frauen haben Cellulite und nicht jede hat Modelbeine wie Heidi Klum. So schön es auch wäre!

Ich finde auch, dass Schönheit meist durch Ausstrahlung und Selbstwertgefühl bestimmt wird als durch Makel zerstört. Ashley Graham geht hier mit gutem Beispiel voran.

Frauen wird seit Jahren vorgebetet, wie sie zu sein haben und wie sie aussehen müssen. Bei Männer ist das immer etwas lockerer, Hauptsache, das Gehalt stimmt. Was natürlich auch nicht gut ist. Aber hey, es ist leichter, viel zu verdienen, als sein ganzes Leben lang jeden Tag wie frisch aus den Ei gepellt auszusehen und sich auch so zu benehmen!

Niemand sagt, dass man sich Models als Vorbild nehmen muss und ich glaube heutzutage hat sich die Rolle des Vorbilds ziemlich geändert. Selten sind es wirklich Models.

Der Beruf des Models

Model aber ist, das wird gern vergessen, ist ein Beruf. Mit bestimmten Anforderungen“, schrieb Inga Griese. Gut, ergibt Sinn, damit meinte sie aber, dass zum Beispiel Ashley Graham diesen Anforderungen nicht entspricht.

Das Einzige, was an Ashley Graham vielleicht nicht einem Model entspricht, sind die „typischen“ Modelmaße. Sonst präsentiert, post und verkauft sie sich selbst wie jedes andere Model. Vielleicht manchmal sogar besser als andere, aber das ist Geschmackssache.

Mode sollte für alle da sein, und nicht bei einer bestimmten Kleidergröße anfangen oder aufhören. Für mich als Käuferin ergibt es logischerweise mehr Sinn, wenn ich ein Kleidungsstück an Ashley Graham oder anderen PlusSize Models sehe als an einem Victoria Secret Engel. Aus dem einfachen Grund, da ich dann so viel leichter einschätzen kann, wie es an mir aussehen könnte. Wenn ich ein Kleid an Bella Hadid sehe, fällt es mir schon um einiges schwerer. Geschweige denn, ob der Designer überhaupt meine Größe produziert hat.

Und jetzt kommen wir zum springenden Punkt: Modeist füralle da. Wir müssen uns alle irgendwie etwas anziehen, und wer ist denn nicht gerne geschmacklich passend angezogen?

Die Modebranche hat nun langsam verstanden, dass es auch Größen jenseits der 32 gibt. Da mit dem anderen Extrem anzufangen, ergibt natürlich Sinn, aber wo bleiben die „Durchschnittsgrößen“? Warum werden immer nur gewisse Köperformen und -größen präsentiert? Ist ein Model mit Größe 38 oder 40 vielleicht zu normal?

Anstatt sich über „dicke“ Models auszulassen, sollte man vielleicht besser für mehr Vielfalt innerhalb der Modewelt appelieren. Denn dann haben wir alle was davon, auch die kleinen Mädchen, die dann weder Size Zero noch Plus Size nacheifern „müssen“.

Bleib du selbst,

Melanie

Anmerkung: Meinungsartikel, nicht alle Aspekte wurden im Text angesprochen.

Wir müssen reden… mit Veuve Noire

Veuve Noire ist keine Anfängerin vor der Kamera. Die Posen sitzen gekonnt, die Schokoladenseite immer in Szene gesetzt. Als Travestie-KünstlerIn hat sich Veuve einen Namen gemacht, als Kieztour-Guide und Host der Olivia Jones Bar auf der Großen Freiheit ist sie allerseits bekannt.  Für das Projekt „Deutschland, wir müssen reden!“ des Journalismus-Jahrganges 2015 der DEKRA Hochschule in Kooperation mit dem Deutschen Hygiene Museum hat sich Veuve gerne Zeit genommen, um auch ihre Ansichten zum Thema Rassismus vor der Kamera zu teilen. Was ihr schon einmal Schlimmes widerfahren ist und was ihr Künstlername bedeutet, lest ihr hier.

Fröhlich winkend und gleichzeitig telefonierend begrüßt uns Veuve Noire am Eingang der Olivia Jones Bar in Hamburg. Es ist erst 17.30 Uhr und auf der Reeperbahn herrscht gähnende Leere. „Der Betrieb fängt heute erst gegen 20 Uhr an! Kommt rein, meine Süßen“, erklärt uns Veuve. Die Olivia Jones Bar selbst ist wie ihre Chefin und deren Mitarbeiter: schrill und originell, jedoch im klassischen rustikalen „Bar-Stil“ gehalten. „Kreativer Denkmalschutz“ heißt es hier. An den Wänden hängen dutzende Fotos von bekannten Persönlichkeiten, die in der Bar schon die eine oder andere Nacht verbracht haben. Auch Bardame Tanna bereitet schon fleißig die Theke vor und begrüßt uns herzlich.

Für unser Kamerateam wurde extra Platz gemacht und so verwandelt sich langsam die Bar in ein Aufnahmestudio. Mit den Stühlen müssen wir improvisieren, und so sitzen Veuve und ich auf Bierkisten. Außerdem sollten wir uns beeilen, denn bereits um 19.00 Uhr beginnt die gut besuchte Kiez-Tour der Drag Queen. Queen ist jedenfalls der passendste Begriff: In einem rot-schwarzen Mantel und mit neuer, raspelkurzer blonder Frisur wirbelt sie durch die Bar und bereitet sich auf das Interview vor. An ihrer Jacke hat sie viele kleine Aids-Schleifen als Anstecker angebracht. Am internationalem Welt-Aids-Tag ein Muss für die Künstlerin.

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Trotz des ernsten Themas sitzt mir eine strahlende Veuve gegenüber. Ihren Humor hat die Drag Queen behalten, auch wenn Homophobie und Rassismus oft in ihrem Alltag vorkommen. In Hamburg auf der Reeperbahn hat sie jedenfalls ihren Platz gefunden: „Jeder soll so sein und leben, wie er möchte. Das sollte eigentlich in ganz Deutschland möglich sein!“

Im Interview erzählt Veuve mir, dass es leider auch schon furchtbare Erlebnisse gab. „Einmal ging ich geschminkt die Straße entlang. Mir pfiffen einige Männer hinterher, was mich natürlich sehr freute“, erzählt sie. Was Veuve aber nicht wusste: Die Männer dachten, es handelt sich um eine Frau und keine Travestie-Künstlerin. „Als die das bemerkt haben musste ich wirklich meine Beine in die Hand nehmen und um mein Leben laufen!“

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Mit dem Künstlernamen „Veuve Noire“ (Bedeutung: „Schwarze Witwe“, die gleichnamige Spinne, die ihre männlichen Artgenossen nach dem Paarungsakt tötet und verspeist) klingt Veuve für Männer doch eigentlich sehr gefährlich. Auf der Olivia-Jones-Seite sagt sie dazu aber nur: „Männer zum Frühstück, Mittag, Abendessen? Gerne! Aber töten? Ich mache doch mein Spielzeug nicht kaputt!“

So wie Veuve kein kaputtes „Spielzeug“ möchte, will sie auch keine kaputte Gesellschaft mehr. „Wir leben im 21. Jahrhundert: Jeder soll das sein, was er möchte!“, ist Veuves finales Statement. Teile des Interviews sind ab Mai 2018 im Deutschen Hygiene Museum Dresden zu sehen in der ersten großen Rassismus-Ausstellung Deutschlands!

Bis zum nächsten Update,

Melanie

P.S.: Du willst jetzt schon jetzt Ausschnitte des Interviews sehen? Oder hast Fragen zum Projekt? Folge uns einfach auf unseren sozialen Medien, wie Facebook, Instagram oder Twitter. Wir freuen uns auf dich!

Deutschland, wir müssen reden!

Rassismus ist ein Thema, das uns alle etwas angeht. Wie? Ein alter Hut? Leider nein. Alleine im Jahr 2016 stieg die Anzahl rechter Gewalttaten um 44 Prozent. Mittlerweile sind es 1.485 Fälle. Vor allem Flüchtlingsunterkünfte sind vermehrt im Visier solcher Angriffe. Haben wir nichts aus der Geschichte gelernt? Was bedeutet Rassismus eigentlich? Und was ist denn überhaupt „wirklich deutsch“?

Diese Gedanken hat sich auch der Journalismus-Jahrgang 2015 der DEKRA Hochschule für Medien in Berlin in Kooperation mit dem Deutschen Hygiene Museum Dresden gemacht. Das Abschlussprojekt der Journalisten besteht aus einer Live-Sendung am 21.12.2017 in Dresden direkt aus dem Hygienemuseum und steht unter dem Titel „Deutschland, wir müssen reden“. Nun könnt ihr euch natürlich vorstellen, dass für uns eine Live-Sendung nicht genug ist.

Zwei Interviewfilme zu den Themen „Rasse/Rassismus, Volk und Heimat“ sowie „Vielfalt/Identität/Wie wollen wir leben?“ werden produziert und Teil der Sonderausstellung, welche ab Mai 2018 im Deutschen Hygiene Museum zu sehen sein wird.  Gespannt? Wir auch, denn in den kommenden Wochen besuchen uns zahlreiche Persönlichkeiten und werden vor der Kamera über dieses wichtige Thema sprechen. Mo Asumang und Tyron Ricketts durften wir schon als unsere Gäste begrüßen.

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Melanie