#metoo

Falls sich jemand eine krasse Story erwartet: Hier seid ihr falsch, ihr müsst eigentlich gar nicht mehr weiterlesen.

Die Schauspielerin Alyssa Milano („Charmed – Zauberhafte Hexen“) rief mit dem Hashtag #MeToo eine regelrechte Welle ins Leben, welche sich schon mehr als einen Monat im Internet hält. Grund dafür: Filmproduzent Harvey Weinstein, der in seiner Karriere fast um die 40 Frauen sexuell belästigt und sogar eine davon vergewaltigt haben soll.

Der Aufruf an sexuell belästigte, missbrauchte oder vergewaltigte Frauen durch Alyssa Milanos vor circa einem Monat stürmt auch heute noch das Internet und es hagelt  Tweets, Facebook-Posts oder Instagram-Bilder, in denen Frauen von ihren Vorfällen zum Thema berichten. Nun könnte man meinen, dass dieser „Trend“ nicht nur ein positives Beispiel für den Feminismus ist, sondern auch, dass den Männern einmal ordentlich die Leviten gelesen werden. Könnte man.

Wo hört flirten auf und wann fängt die sexuelle Belästigung an?

Eine Vergewaltigung ist eine absolut furchtbare Tat und darf auf keinen Fall unbestraft bleiben. Genauso wie Missbrauch und andere schlimme Vorfälle.  Ich glaube, da sind wir uns alle einig. Aber ein „Hallo Schöne“ oder eventuell auch eine unabsichtliche, unpassende Berührung durch einen Mann als Verbrechensdelikt einzuordnen, katapultiert die Frauenwelt  wieder 60 Jahre zurück hinter den Herd. Damals hat sich anscheinend auch fast keine getraut, den Mund aufzumachen, wenn ihr etwas nicht gepasst hatte.

Spätestens seit dem Fall Kachelmann sollte man vielleicht darüber nachdenken, dass nicht immer die Frau das Opfer ist. Auch das Leben von Männern kann durch solche Aussagen zerstört werden. Und nicht selten ist der Akt der Rache der letzte Ausweg, den eine Person wählt.

Es ist nicht in Ordnung, dass Männer sich das nehmen, was sie wollen und Frauen eben dazu gehören. Es ist aber auch nicht in Ordnung, dass sich Frauen selbst in Opferrollen drängen und alle Männer zu Verbrecher machen. Denn das ist es nämlich, was Männern auch oft die Macht über Frauen gibt, die ihnen aber (un)bewusst zugespielt wurde.

Die Ideologie des Feminismus hat auch nichts mit Männerhass zu tun, sondern zielt die Gleichberechtigung von Mann und Frau an. Durch solche Trends, die oft als Sieg des Feminismus abgestempelt werden, zerstören sich die Frauen oft selbst den Traum der Gleichberechtigung. Das ist nur meine Meinung, ich weiß, dass das auch sehr viele Frauen da draußen anders sehen.

Vielleicht hatte ich in meinen 21 Jahren Lebenszeit einfach nur Glück oder ich empfinde manche Aussagen einfach nicht so schnell als sexuelle Belästigung wie andere. Denn nach langem Nachdenken ist mir noch kein Moment eingefallen, wo ich im Nachhinein sagen könnte, dass ich sexuell belästigt wurde. Eher taten mir die Männer Leid, die ich vielleicht einmal etwas schärfer darauf angesprochen habe, dass sie mir vielleicht beim Reden ins Gesicht und nicht aufs Dekolleté schauen sollten. Fällt doch auch schon unter sexuelle Belästigung, oder? Suprise, suprise: Den meisten Männern ist es nämlich eher peinlich, wenn man sie darauf anspricht!

Wie auch immer, allen mutigen Frauen, die ihre #MeToo-Geschichte geteilt haben, den vollsten Respekt. Allen anderen, die sich damit Aufmerksamkeit, Rache oder 10-Sekunden-Fame erreichen wollten, wünsche ich, dass sie NIE in so eine Situation kommen müssen, die wirklich ein Leben zerstören kann.

Und übrigens, seid lieb zu den Männern, die können es gerade gebrauchen 😉

Bis bald,

Melanie

Advertisements

5 Kommentare zu „#metoo

  1. Mein Reden, eine Frau die sich schön macht, möchte gesehen werden. Ein Kompliment welches sich darauf bezieht ist nichts negatives. Burka kann doch nicht das Ziel sein. Genau so wie ein Minirock über ein freundliches Kompliment hinaus keine Einladung ist. Wir sollten die Balance wahren.

    Gefällt mir

    1. Würde ich jetzt nicht so unterschreiben. Eine Frau macht sich gerne schön, um sich selbst wohl zu fühlen, würde ich behaupten! Außerdem ist die Burka auch etwas, was zu Frauen gehören kann, wenn sie es möchten. Aber ja, ein Minirock ist keine Einladung für Straftaten, das stimmt! 🙂

      Gefällt mir

  2. Danke für deinen Text! Es sind persönliche Schilderungen, die ich verstehen kann. Ich habe in der vergangen Woche einige Artikel und Kolumnen gelesen, die wertvolle Gedanken und Überlegungen enthalten haben. Letztendlich habe ich versucht, meine Erfahrungen und Gefühle aufzuschreiben. Vielleicht hast du Lust meinen Text zu lesen? Und – viel wichtiger – deine Eindrücke zu meinen Gedanken mit mir zu teilen. Herzlichst, Sarah.
    https://frauk.blog/2017/11/16/vor-dem-gerichtstermin-pruefe-ich-mein-erscheinungsbild-metoo/

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Sarah,
      danke für dein Kommentar! Ich habe deinen Text gelesen und bin sehr beeindruckt! Ich kann dich sehr gut verstehen. Ich hoffe auch, dass sich einiges ändern wird in Zukunft. Vielleicht sind ja wir die Generation, die dafür den Grundstein legen kann! Ich wünsche dir alles Gute, und habe großes Mitgefühl für das, was dir passiert ist!
      Lieben Gruß, Melanie

      Gefällt 1 Person

      1. Danke dir! 🙂 In den vergangenen Jahren gab es immer wieder Debatten und immer ging es einen kleinen Schritt voran. Wenn man sich nur die Diskussionen über „Nein heißt Nein“ ansieht.. . Dementsprechend hoffe ich auch, dass wir die Generation sind, die erneut einige Schritte weitergeht. Alles Liebe dir und danke für deinen ausführlichen Kommentar. Beste Grüße aus Stuttgart, Sarah

        Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s