Wer braucht noch Feminismus?

„Feministinnen sind doch nur irgendwelche Kampflesben, die Männer hassen und sonst nichts zu tun haben“, Zitat einer Facebook-Bekannten von mir, die sich vor kurzem mit diesen Worten unter einem Zeit-Online-Artikel äußerte. „Heftig!“, dachte ich mir damals. Zu mehr war ich leider nicht im Stande, weil ich ziemlich erschüttert über so viel Hass in einem Kommentar war. Denn grundsätzlich hat sich die Gute selbst damit beschimpft. Meiner Meinung nach ist es nämlich nicht möglich, eine Frau und keine Feministin zu sein.

Oberkörperfreie Frauen die mit selbstgemalten Plakaten irgendwelche Straßen stürmen, und Männerhasserinnen: Das sind meist die ersten Gedanken die einem in den Sinn kommen, wenn man an Feministinnen denkt. Traurig, dass diese Bewegung von einem furchtbaren Klischee überschattet wird. Denn Feminismus ist nicht gleich Feminismus: Radikaler Feminismus, Gleichheitsfeminismus oder Marxistischer Feminismus sind nur Beispiele für Strömungen innerhalb des Überbegriffes Feminismus. Die eigentliche Definition des Wortes lautet aber so:

Feminismus ist eine Ideologie und gesellschaftliche Bewegung, die die Gleichberechtigung der Frau in allen Lebensbereichen und eine Veränderung der gesellschaftlichen Rollen von Frauen anstrebt.

Und die oben genannte Gleichberechtigung fängt schon bei ganz kleinen Dingen an. Wenn man in der Stadt unterwegs ist und gezielt darauf achtet, wird einem auffallen, dass wenn sich Personen entgegenkommen, hauptsächlich Frauen ausweichen werden. Als ich das zum ersten Mal gehört habe, habe ich es als lächerliche Theorie abgetan. Trotzdem versuche ich immer öfter einfach NICHT auszuweichen und siehe da: Ich wurde noch nie so oft angerempelt, und dass größtenteils von Männern.

Ein weiteres Phänomen ist das „Manspreading“, also die gespreizte Beinhaltung beim Sitzen von Männern in Verkehrsmitteln. Schon einmal als Frau mit zwei Männern auf der Rückbank eines Autos eine Fahrt genossen? Die beiden Herren könnten noch so dünn sein, die Dame wird trotzdem am wenigsten Platz haben. Und warum? Weil sich die Frau auch selbst am wenigsten Platz nehmen wird.

Und nun kommen wir zum eigentlichen Grundproblem: Frauen werden zum schwächeren Geschlecht erzogen, obwohl sie weder dümmer noch wirklich schwächer sind. Nicht die Männer stacheln dieses Ungleichgewicht in der Gesellschaft an, sondern eben die Frauen, die sich wortlos unterordnen. Dieses Unterordnen kann man in vielen Lebenslagen und auch alltäglichen Dingen, wie oben genannt, erkennen. Ein ewiger Kreislauf!

Deshalb ist es für mich unverständlich, wie Frauen sagen können, dass Feminismus völliger Schwachsinn ist. Feminismus besteht eben nicht nur aus Alice-Schwarzer-Zitaten und Demonstrationen, sondern für das einstehen der eigenen Rechte. Und diese eigenen Rechte beziehen sich nicht nur auf das Wahlrecht und eine faire Entlohnung, sondern auch auf ganz alltägliche Dinge. Eine Frau kann ihre Rechte fordern und sie selbst sein, ohne dass sie ihre Weiblichkeit verliert. Feminismus sollte nicht gebraucht werden, sondern ganz selbstverständlich sein, so dass in utopischer Zukunft vielleicht wirklich keiner mehr nötig ist.

Bis bald,

Melanie

 

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10 Kommentare zu „Wer braucht noch Feminismus?

  1. Sachen schön definieren ist einfach, man muss aber auch kontrollieren ob die Definition mit der Wirklichkeit übereinstimmt.

    ZB „die Inquisition war auf das Seelenheil und den Schutz von Menschen vor Untaten ausgelegt wie kann sie da schlecht sein?“
    Ist formell richtig, aber Leute verbrennen, weil sie unter Folter zugegeben haben, dass sie Hexen sind, ist halt nicht so das Wahre.

    Wenn du wissen willst, warum die Freundin so denkt bringt damit schön definieren nichts.

    Was sie anspricht ist eher, dass im modernen Feminismus Identitätspolitik vorherrscht, die binäre Gruppen von Unterdrücker und Unterdrückten Buffet bildet und damit virtue signaling betreibt, dass man dieses Muster beachtet.

    Der Feminismus hat sich extrem radikalisiert, er ist auch antiwissenschaftlich geworden und lebt in filterblasen, in denen Kritik nicht zulässig ist.

    Der obige Ansatz über die Definition von Feminismus, den du wahrscheinlich irgendwo gelesen hast, weil er sehr verbreitet ist, ist Teil davon.

    Interessanterweise würde dein Ansatz oben, dass Frauen falsch erzogen werden, übrigens auch bedeuten, dass es nicht sexistisch ist, wenn weniger Frauen in Führungspositionen kommen. Sie sind dann ja objektiv schlechter aufgrund der Erziehung.
    Welches übrigens ein klar weiblich besetztes Gebiet ist.
    Es gibt allerdings interessanterweise Mädchen, die dieser Erziehung problemlos entgehen: die CAH Mädchen. Sehr interessant aus meiner Sicht:
    https://allesevolution.wordpress.com/2011/06/03/congenital-adrenal-hyperplasia-cah/
    https://allesevolution.wordpress.com/2012/12/20/hormone-und-spielverhalten/

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    1. Lieber Christian,
      danke für die Kritik und den spannenden Artikel!
      Die Definition ist aus dem Duden, deshalb habe ich sie auch gewählt.
      Natürlich hat sich der Feminismus radikalisiert, aber es bedeutet nicht automatisch, dass jede/r Feminist/in sich radikalisiert hat.
      Mich hat mehr die Ausdrucksweise der „Freundin“ schockiert, als ihre Art zu denken, denn ihre Meinung ist ihr gutes Recht.

      In Sachen Frauen und Führungspositionen muss ich Dir leider Unrecht geben, denn in Deutschland sind nur 36% Frauen in Führungspositionen zu verzeichnen (https://www.welt.de/wirtschaft/gallery156999604/Immer-weniger-Studenten-bekommen-BAfoeG.html). Ich finde, dass der Feminismus schon einige gute Veränderungen gebracht hat (siehe Wahlrecht), aber, und da sind wir einer Meinung, auch viele schlechte Seiten hat. Deshalb: Feminismus ist nicht gleich Feminismus!

      Ich bedanke mich jedenfalls für dein Kommentar und die neue Sichtweise, die Du mir hier übermittelt hast!
      Liebe Grüße und vielleicht bis bald,
      Melanie

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  2. Liebe Melanie,

    tolle, wichtige Worte! Ich bin immer ganz fassungslos wenn Frauen Feminismus per se ablehnen. Oder, was ich fast genauso schlimm finde, behaupten, es gäbe doch gar keine Ungleichheit mehr. Da frage ich mich immer, in was für einer Welt die denn bitte leben…

    Liebe Grüße,
    Myriam

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    1. Liebe Myriam,

      danke für dein liebes Kommentar! Sehe ich genauso.
      Natürlich gibt es auch immer schlechte Seiten innerhalb Bewegungen, aber alles per se abzulehnen, finde ich auch unverständlich.
      Liebe Grüße und vielleicht bis bald,
      Melanie

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  3. Werte Elitale,

    bitte gestatten sie mir eine Bemerkung zum sog. Manspreading (no offence!). Das liegt an der Anatomie des männlichen Beckens. Ich – als Mann – kann schlichtweg nicht entspannt mit geschlossenen Beinen sitzen. Das geht nur, wenn ich permanent die komplette äußere Oberschenkel – Muskulatur anspanne.

    Mit freundlichen Grüßen
    R.

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    1. Lieber R.,

      ich verstehe das vollkommen und meine Aussage dazu sollte auch keine Anfeindung gegenüber Männern sein, sondern nur darstellen, dass Frauen einfach gelernt bekommen, sich selbst weniger Platz „zu nehmen“. Dass die Anatomie dabei eine Rolle spielt, ist mir vollkommen klar! Es gibt ja auch das sogenannte „She-Bagging“, also Frauen, die immer ihre Tasche auf freien Plätzen legen und somit alles blockieren. Hätte ich das aber auch noch behandelt, wäre meine Nacht kurz geworden, da ich nicht mehr aus dem Schreiben herausgekommen wäre 😉

      Danke für das Kommentar und beste Grüße,
      Melanie

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