Happy 1st Birthday, elitale! ♥

Huch, ich werde alt! Das wird mir nicht zu meinem 20. Geburtstag schmerzlich bewusst, sondern erst, als ich sehe, dass mein Blog schon ein Jahr existiert. Anscheinend merkt man es erst an den Kindern, wie schnell die Zeit vergeht. Elitale ist quasi mein Kind, um das ich mich regelmäßig kümmere. Von mir in die Welt gesetzt und ohne Vater, dafür aber mit viel Liebe, erzogen. Danke Emanzipation!

Aber nun mal im Ernst: Ich werde nicht nostalgisch, weil ich sehe, dass ich diesen Blog schon ein Jahr lang führe. Eher erschrecke ich vor dem Fakt, dass ich bald ein Jahr lang in Berlin lebe und studiere. Mit Moving to Berlin 1.0 habe ich begonnen und bis jetzt noch immer nicht aufgehört zu bloggen. Damals saß ich noch wohlbehütet in einem kleinen Dorf in Österreich und war gespannt auf mein kommendes Jahr. Das dieses Jahr so schnell vorbei sein wird, damit habe ich wirklich nicht gerechnet.

2016 habe ich viel gelernt. Vor allem in Berlin lernt man grundsätzlich ständig dazu. Kein Tag gleicht dem anderen. Am Wichtigsten ist es zu wissen, dass nie etwas nach Plan laufen wird. Du kannst etwas perfekt planen und unglaublich genau einteilen, im Endeffekt musst du doch flexibel und spontan sein. Dann schmeißt du alles um und bringst trotzdem etwas Tolles dabei raus. Die einzig wahre Kunst des Lebens!

Zu meinem Blog kann ich nur sagen: Wow! Ich hätte mir niemals gedacht, dass so viele Leute etwas von mir lesen. Mehr als 4000 Besucher, unzählige Klicks und mit dem heutigen Tag 49 Beiträge sind für mich ein super Resümee. Oft werde ich einfach darauf angesprochen, meist von Leuten, von denen ich nie gedacht hätte, dass sie meine Beiträge lesen. Ich freue mich auch immer über die lieben Facebook-Nachrichten, in denen ich gefragt werde, wann endlich wieder ein Artikel kommt oder es Kritik für mich gibt. Für mich ist dieser Blog ein Hobby, dass Spaß macht und anscheinend auch andere Leute in irgendeiner Hinsicht bereichert. Ich will keine Zeit in Werbung oder Sonstiges investieren, wenn ich diese Zeit besser für Recherche und das Texten verwenden kann. Die Ideen gehen mir eigentlich nie aus, aber falls es Themen gibt, die euch interessieren, schreibt mir einfach, vielleicht kann ich sie umsetzten.  Natürlich ist nicht jeder Beitrag unglaublich anspruchsvoll, aber das muss auch nicht so sein.

Wenn die kommenden Jahre so werden, wie das Jahr, das hinter mir liegt, dann kann ich wirklich dankbar sein. Jeder hat selbst sein Glück in der Hand und derzeit mache ich meiner Meinung nach das Richtige. Ich hoffe, ihr auch!

Bussi Baba und bis bald,

Melanie

Szczecin European Filmfestival 2016

Meine letzten sechs Tage kann ich mit einem Wort beschreiben: lehrreich. Von „immer schön die Nase pudern bevor gedreht wird“ bis hin zu „flexibel und spontan ist die beste Vorbereitung“ war alles dabei.

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https://wordpress.com/post/elitale.wordpress.com/4228 © Szczecin European Film Festival

 

Aber ich will niemand mit vielen Worten langweilen, sondern zeige euch hier lieber einige der Ergebnisse.

 

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Um die Beiträge sehen zu können, müsst ihr nur auf die Links klicken, die ich euch unten aufliste. Einige Videos sind noch in Arbeit, also stay tuned!

Interview mit Tomasz Razek & Bartosz Wójcik und Start der „European Competition“ . Außerdem würde ich mich sehr freuen, wenn ihr bei Electronic News vorbeischaut. Nächste Woche gibt es dann wieder einen Text von mir zu lesen.

Bis dann,

Melanie

 

 

Drogen – Alltag in Berlin

„Ich werd doch nicht abhängig wie du. Ich hab mich total unter Kontrolle. Ich probier das mal, und dann ist Schluss.*“ Christiane F., mittlerweile bekannt unter ihrem vollen Namen Christiane Felscherinow, ging mit dem Buch „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ als eine der bekanntesten Drogensüchtigen in die deutsche Geschichte ein. Mit zwölf machte sie ihre ersten Erfahrungen mit Haschisch, mit dreizehn verfiel sie dem Heroin. Unvorstellbar, dass so ein junges Mädchen eiskalt in die Welt der Drogen eintaucht. Statt sich um Schminke und Klamotten zu sorgen, dreht es sich im Leben des süchtigen Mädchens um die ständige Beschaffung der Droge, die damit verbundene Prostitution und die Angst vor dem Turkey.

Laut einem Artikel des Tagesspiegel starben im Jahr 2015 1226 Menschen am Rauschgiftkonsum. Die Haupttodesursache sei eine Überdosis an Heroin gewesen. Der „goldene Schuss“, wie man es auch nennt. Eine Zunahme des Konsums der harten Drogen lässt sich in den letzten Jahren verzeichnen. So gab es vergangenes Jahr 15 Prozent mehr erstauffällige Konsumenten von Heroin. Dunkelziffer ungewiss.

Berlin gilt als Hauptstadt der Drogenszene und auch, wenn man mit Drogen nichts zu tun haben will, hat man es irgendwie trotzdem. Jeder kennt irgendjemand, der regelmäßig kifft oder auch zu härteren Drogen greift. Gefühlt werden dabei die Dealer immer jünger. „Hey, wanna buy drugs? Drogen? Weed?“- Hunderte Male wird man das täglich in Berlin gefragt. Heutzutage muss man sich theoretisch nicht mehr um Drogen bemühen. Es reicht, das Haus zu verlassen. Die Hotspots der Szene sind allerseits bekannt. Der Kotti, der Görlitzer Park oder die Revaler Straße sind längst keine Geheimtipps mehr. Der Rest erledigt sich von selbst.

Doch wie steht es um unsere Jugend? Ist der Fall von Christiane F. Schnee von gestern und nur ein Einzelbeispiel? Um Antworten auf meine Fragen zu bekommen habe ich bei den verschiedensten Suchtberatungsstellen Berlins angerufen. Schlussendlich landete ich bei Frederik Rühmann, Sozialarbeiter und Projektleiter bei Karuna. Bei Drugstop – Komma – Karuna handelt es sich um eine Suchberatung und Tageseinrichtung für drogenabhängige Jugendliche im Alter von 13 bis 27 Jahren. Die Beratung unterteilt sich in verschiedene Phasen, wobei die Hilfe individuell an den Jugendlichen angepasst wird.

Wie alt sind die meisten Kinder und Jugendlichen, die zu Ihnen in die Einrichtung kommen?

Der Großteil der Jugendlichen ist zwischen 16 und 21 Jahre alt. Wobei es natürlich auch jüngere Fälle gibt.

Welche Droge wird am häufigsten konsumiert?

Größtenteils Cannabis. Jedoch werden auch immer öfter härtere Drogen konsumiert.

Im dem Buch „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ gilt Heroin als DIE Droge. Hat sich das geändert?

Heroin ist immer noch ein großes Thema. Ich würde sogar behaupten, dass der Konsum in den letzten Jahren wieder zugenommen hat.

Wie finanzieren sich Jugendliche den Konsum?

Diese Suchtmittel sind alle sehr teuer. Hauptsächlich beginnen Jugendliche ihren Konsum durch Diebstahl, Betrug oder Überfälle zu finanzieren. Wenn das nicht mehr reicht spielt dann die Prostitution eine immer größere Rolle.

Also kann man hier vom typischen Straßenstrich ausgehen?

Auch, aber eher läuft die Prostitution sozusagen im Alltag. Über Beziehungen ergeben sich dann Freier. Es kommt auch vor, dass Dealer diese Situationen für Sex nutzen. Pädophile stellen auch manchmal ihre Wohnungen zur Verfügung, wo dann Kinder und Jugendliche vorbeikommen, um Drogen zu nehmen, zu spielen oder dort zu schlafen. Meist zieht sich so etwas über Jahre hinweg und schlussendlich kommt es dann zu sexuellen Handlungen.

Kommen dann die Jugendlichen selbst zu Ihnen und suchen Hilfe oder machen das grundsätzlich die Eltern?

Sowohl als auch.  Jedoch kommt aber auch oft das Jugendamt mit den Jugendlichen zu uns. Das ist von Fall zu Fall verschieden.

Wie viele schaffen die Therapie wirklich?

Da gibt es keine verlässlichen Zahlen. Zum einem ist die Entwöhnung ein langwieriger Prozess, wobei es hier immer viele Rückfälle und Abbrüche geben kann. Das soll aber nicht heißen, dass die Therapie dann kein Erfolg war. Gegebenenfalls benötigen die Jugendlichen viele Anläufe um drogenfrei zu sein. Vor Rückenfällen ist aber niemand geschützt.

Sind es wirklich immer Kinder und Jugendliche, die aus „Problemfamilien“ kommen? Oder sind es auch Jugendliche aus „guten“ Familienverhältnissen?

„Gute Familienverhältnisse“ muss man, wie Sie, unbedingt in Anführungszeichen setzten. Denn kein Jugendlicher entwickelt grundlos ein Suchtverhalten. Es sind auch Jugendliche dabei, die aus der sogenannten bürgerlichen Mitte stammen. Aber man weiß nie, was in den Familien vorgefallen ist. Deshalb, wie gesagt, grundlos entwickelt niemand ein Suchtverhalten.

Was war Ihr schlimmstes Erlebnis in Ihrer Arbeit als Suchtberater?

Ich darf natürlich keine Details erzählen. Jedoch kann ich sagen, dass es einige Jugendliche gibt, die es schaffen, und in ein normales Leben zurückfinden. Umso trauriger ist es für mich, wenn einige junge Menschen es nicht schaffen, und sich das Leben nehmen. Das ist besonders tragisch, weil man in jedem Jugendlichen Hoffnung hat.

Bei meiner letzten Frage hat sich Frederik Rühmann etwas mehr Zeit gelassen, um die passende Antwort zu finden. Kein einfacher Job, wenn man täglich mit dem Schicksal junger Drogenabhängiger konfrontiert ist. Vor allem dann, wenn die Droge den Kampf gewonnen hat.

Bis zum nächsten Blog,

Melanie

*“Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“: Christiane F. zu einem befreundeten Fixer, kurz bevor sie zum ersten Mal Heroin konsumierte (S.82)

Hallo, ich bin’s!

Acht Wochen: Ich kann es drehen und wenden wie ich will, auf mehr komme ich nicht. 53 Wochen hat das Jahr 2016, acht Wochen davon bin ich zu Hause. Also, so wirklich zu Hause, in Österreich eben. In der Zeit freue ich mich eigentlich immer darauf, Leute zu treffen, die sich freuen, dass sie mich sehen. Obwohl ich nun schon bald ein Jahr nicht mehr zu Hause wohne, gibt es jedoch immer lustige Konversationen zwischen manchen Mitmenschen und mir, die ich mir lieber ersparen würde.

10 Sätze, die ich regelmäßig zu hören bekomme, wenn ich zu Hause bin

 

1.“Ach, du bist’s ja wirklich!“

Wer soll ich sonst sein?

 

2.“Hast mich vermisst?“

Freundlicher Verweis auf Yep, still NOT in Berlin! Nein, ich tue es ein Jahr später immer noch nicht.

 

3.“Du bist meine Lieblingsdeutsche!“

Stopp! Nur weil ich länger in Deutschland bin, bin ich keine Deutsche. Ich war auch schon einmal etwas länger im Meer, und bin noch immer kein Fisch.

 

4.“Was machst du denn da?“

Leben, atmen und jetzt anscheinend auch mit dir reden.

 

5.“Du studierst Journalismus oder? Also da einen Job zu kriegen ist sehr schwer…“

Macht nix, da ich ja noch die österreichische Staatsbürgerschaft habe, lieg‘ ich eh euch auf der Tasche.

 

6.“Hast gar keine Angst, so ganz allein? Was da alles passieren kann…“

Nein, keine Sorge, ich werde schon niemanden was antun.

 

7.“Wo bist du jetzt eigentlich daheim? Österreich oder Berlin?“

Nehmen wir einmal an, du könntest nur deine rechte oder deine linke Hand behalten. Für welche würdest du dich entscheiden?

 

8.“Kannst‘ schon langsam Deutsch?“

Äh, was habe ich davor gesprochen? Hindi?

 

9.“Du bist schon ziemlich oft daheim…“

Nachvollziehbare Aussage für jemanden, der selbst immer zu Hause ist!

 

10.“Hast du noch immer kein Heimweh?“

Nein, nur Angst vor der Abschiebung.

 

„Die beiden schönsten Dinge sind die Heimat, aus der wir stammen, und die Heimat, nach der wir wandern.“

Johann Heinrich Jung-Stilling

 

Bis bald,

Melanie

Playboy einmal anders

Kontrovers. Das ist das passende Wort. Sich als Hidschab tragende Muslima in einem beliebten Männermagazin ablichten zu lassen, erfordert definitiv Mut. Und passt natürlich gar nicht in das Bild einer Gläubigen. Die Journalistin Noor Tagouri hat es trotzdem getan und wird dafür gefeiert, aber auch hart kritisiert. „Schlampe“ und „Hure“ sind noch die nettesten Ausdrücke, die Tagouri für ihre Aktion erntete. Verständlicherweise kamen diese Äußerungen von konservativen Muslimen. Aber auch Frauenrechtsaktivisten übten harte Kritik an den Bildern, denn schließlich gebe es auch Frauen, die dazu gezwungen werden, ein Kopftuch zu tragen.

So wie es aussieht, hat sich in unseren Köpfen ein schematisches Denken eingenistet, welches nur schwarz oder weiß erlaubt.  Der Playboy steht, auch trotz Interviews und Geschichten, für Nacktheit und kann einem das Gefühl vermitteln, dass Frauen genau auf das reduziert werden. Jedoch hat sich das Blatt gewendet, denn seit dem Herbst 2015 werden keine nackten Bunnys mehr in den amerikanischen Ausgaben abgedruckt. „Die Zeiten ändern sich“, hieß es damals kurz und knapp. Also warum sollte man dann keine Hidschab tragenden Muslima in einer Ausgabe zu sehen bekommen?

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Noor Tagouri auf ihrer Instagram-Seite. ©Noor Tagouri

 

Noor Tagouri erscheint im Playboy in der Serie „Renegade“, also zu Deutsch „Abtrünnige“. In der Rubrik geht es um Menschen, „die alles – sogar ihr Leben – riskiert haben, um das zu tun, was sie lieben“. Das Ziel der Journalistin ist es, eine erfolgreiche Reporterin zu werden. Trotz oder eben gerade mit Hischab. Mit ihren 22 Jahren hat die junge Amerikanerin mit libanesischen Wurzeln schon so einiges erreicht. Highschool-Abschluss mit 16 und Universitäts-Abschluss mit 20: Um ihren Traum näher zu kommen hat Noor Tagouri keine Zeit verschwendet. Im Moment arbeitet sie für die Nachrichenwebsite „Newsy“ und steht kurz davor, eine eigene Nachrichtensendung zu präsentieren.

Schenkt man einer Studie der Ökonomin Doris Weichselbaumer glauben, gleicht der berufliche Erfolg der jungen Journalistin einem Wunder. Wie Der Standard berichtete, haben Frauen mit Kopftuch schlechtere Jobchancen und werden am Arbeitsmarkt regelrecht diskriminiert. Jedenfalls in Deutschland und Österreich. Doch vielleicht ist genau diese „Einzigartigkeit“ ausschlaggebend für den Erfolg von Tagouri in der Medienbranche. Was nicht heißen soll, dass es ihr besonders leicht gemacht wird. Auf viele Interview-Anfragen bekommt sie Antworten wie: „Mit Leuten wie dir rede ich nicht.“

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Noor Tagouri auf ihrer Instagram-Seite. © Noor Tagouri

Vielleicht sorgen  Noor Tagouris Bilder  im Playboy doch für ein kleine Revolution in den Köpfen der Leute. Denn die Fähigkeiten einer Person beschränken sich nie auf äußere Erscheinungsmerkmale. Wie dem auch so, egal ob nun im Playboy oder als Nachrichtensprecherin: Ihr hübsches Gesicht und ihre positive Ausstrahlung können sich auf alle Fälle sehen lassen. Daran ändert ein Kopftuch nichts.

Bis bald,

Melanie