Tinderella meets Shrek

Klischees sollte man eigentlich nicht unterstützen. Als ich aber vor ein paar Tagen via Facebook meine Freunde gebeten habe, mir ihre lustigsten Dating-App-Konversationen zu senden, trudelten die Nachrichten von Frauen nur so ein. Schämt euch, ihr in der Männerwelt! Wenn das eure Mutter lesen könnte, was manche von euch an potenzielle Weibchen übermitteln. Aber eines muss man euch lassen, ihr seid oft wahnsinnig kreativ…

10 lustige Dating-App-Fails

 

1. Der Mitteilungsbedürftige

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Also du willst damit jetzt sagen, dass du sportlich, beruflich erfolgreich und beliebt bist? Gratuliere! Ach, und danke für die netten Grüße!

2. Der Flirtprofi

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Flirten, kann er!

 

3. Der Poet

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Kleines Gedicht dazu:

Manchmal würde ich gerne schreien,

doch dann lass ich es lieber sein.

Das ist ungefähr so wie mit dir,

hätt‘ ich doch besser geöffnet ein Bier.

4. Der Ehrliche

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         Diese Dating-App erinnert sogar daran, dass man etwas Nettes schreiben soll. Wie fortschrittlich!

 

5. Die Celebrity-Taktik

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             Ob Jennifer Aniston gerade die selbe Konversation mit Brad Pitt führt?

 

6. Der Bildungsresistente

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Wenn er sich nicht einmal die Mühe macht, ein Satzzeichen zu setzen…

 

7. Der Unkomplizierte

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Er weiß jetzt, wie es nicht geht.

 

8. Der Psycho

 

Es gestaltet sich schwer, in Frieden vegan zu leben..

 

9. Mr. Grey
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Klingt wahrscheinlich auch nur im Film so normal, weil er Millionär ist.

 

10.Der, der nicht aufgeben will

Danke Tinder für die tolle GIF-Funktion!

Wenn ich das so lese, würde ich gerne die Marktlücke schließen, und „Tinder-Benimmkurse“ anbieten. Aber die Idee wurde mir natürlich schon gestohlen, bevor ich sie überhaupt selbst hatte. Wer Tipps braucht, kann sich  an Horst Wenzel und seine „FlirtUniversity“ wenden, denn der weiß (angeblich), wie es geht!

Bis bald,

Melanie

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Geschwister – Die ewige Kindheit

Überraschung am Sonntag: Wir werden alle irgendwann erwachsen. Dieses Phänomen des „Erwachsen werden“ scheint sich aber gänzlich aufzulösen, wenn man seine Geschwister wiedertrifft. Geschwister sind quasi die Sandkastenfreundschaft, die man nie verlieren wird. Jedoch bringen sie uns immer wieder gerne auf die Palme, egal ob wir nun 20 oder 50 Jahre alt sind. Da ich mit einer kleinen Schwester gesegnet bin, kann ich nur aus jahrelanger Erfahrung sprechen:

10 Dinge die jede Frau kennt, die eine Schwester hat

 

1.Das Fernsehdilemma

Ihr sitzt beide vor dem Fernseher und deine Lieblingsserie läuft. Da du die Ältere der beiden bist, hast auch du das sagen und bist der Herr (oder eben die Frau) der Fernbedienung. Doch dann der kleine Schockmoment: Deine Mama ruft dich und du musst das Wohnzimmer verlassen. Der Krieg zwischen dir und deiner Schwester kann beginnen, denn du sprintest mit der Fernbedienung in der Hand Richtung Tür und sie nimmt die Verfolgung auf. Blaue Flecken inklusive!

2.Ihr werdet ständig verwechselt

Ob nun eure Eltern regelmäßig eure Namen vertauschen, Fremde dich begrüßen, weil sie denken, du bist deine Schwester oder der Satz „Ihr seht euch soooo ähnlich“ Standard ist: Ihr werdet es nie verstehen. Denn laut euch seid ihr so unterschiedlich, dass ihr manchmal eure genetische Gemeinsamkeiten anzweifelt. Aber wenn ihr Kinderfotos von euch seht, könnt ihr nur durch die Jahreszahl erraten, wer das nun von euch beiden ist.

3.“Kannst du bitte den Müll rausbringen?“

„Hey, Mama hat gesagt, du sollst  den Müll rausbringen!“ Wer ohne diese Sünde lebt, werfe bitte jetzt den ersten Stein.

4.“Bitte erzähle es Mama und Papa nicht!“

Ja, ich habe dir gerade die Haare geschnitten. Und ja, es sieht schrecklich aus! Aber bitte sag nicht, dass ich das war!

 

5.“Nein, welche Bluse? Ich war nicht in deinem Zimmer!“

Und dann bekommst du ein Foto geschickt, auf dem sie das vermisste Kleidungsstück gerade trägt. Miststück!

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©https://pics.onsizzle.com/Instagram-Youre-literally-so-rude-come-8d99de.png

6.Der Party-Fail

Gemeinsam wird man älter und wenn man sich gut versteht, geht man auch gerne zusammen feiern. Zu seinem eigenen Vergnügen sucht man sich ein gezieltes Opfer der anwesenden Männerwelt aus, um:

A) Der eigenen Schwester eines Auszuwischen, weil der Typ einfach gar nicht geht,

oder

B) Ihr eventuell eine Freude zu bereiten, weil er doch nicht so schlecht aussieht.

Brace yourself, egal ob A) oder B), die Rache wird immer einen Tick schlimmer ausfallen! Wenigstens ist dann aber der Kater am Tag danach geteiltes Leid.

7.Mamas Styling-Geheimnisse

Gefühlt jede Mutter auf Erden findet es wahnsinnig süß, ihre beiden kleinen Töchter im Partnerlook zu stylen. Jedenfalls sollte es immer farblich abgestimmt sein. In diesem Fall gibt es auch nur zwei Möglichkeiten, denn entweder hasst ihr es beide wie die Pest oder ihr macht die Welt zu eurem Catwalk.

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8.Geheimnisse nimmt sie mit ins Grab

Ob es nun die schlechte Note ist, ihr irgendetwas zerstört habt oder nachts abgehauen seid: Sie wird es niemanden erzählen. Nicht, weil sie es für gutheißt, sondern, weil ein ungeschriebenes Schwestern-Gesetz sie zum Schweigen verpflichtet.

 

9.Niemand beschimpft meine Schwester…

…außer ich selber! Und dass mit der breitesten Schimpfwort-Palette, die je existiert hat! Aber wehe jemand anders beginnt meine Schwester zu beleidigen. Der wird nämlich kalt gemacht! Zumindest verbal…

 

10.Du bist stolz auf sie!

Egal was sie macht, irgendwie ist es auch ein bisschen deine Erziehungsarbeit gewesen. Und wenn nicht alles komplett schiefläuft, bist du verdammt stolz auf deine Schwester und freust dich immer, sie wieder zu sehen. Egal, wie weit sie weg ist!

 

Geschwister sind jene, die du zuerst nicht verstehst, die dich später ärgern,  die du dann liebst und auf die du letztendlich stolz sein wirst!

 

Bis bald,

Melanie

 

Verschiebung der Bundespräsidentenwahl: Wahlkartenpanne durch kranken Praktikanten

Tragische Szenen ereigneten sich heute Vormittag in Wien: Ein Anruf des derzeitigen Hofburgpraktikanten Bernd L. hat die Verschiebung der Bundespräsidentenwahl ausgelöst. Tausende Wahlkarten, die der junge BWL-Student in den letzten Wochen geklebt hatte, haben ihn massive gesundheitliche Probleme bereitet. Von Überforderung sei die Rede gewesen, ein ärztliches Attest bestätigt nun aber das Schlimmste.

Laut dem Landeshauptmann von Wien, Michael Häupl, sei der junge Bernd ein „sehr korrekter Bua“. Bei seinen wöchentlichen Besuchen in der Hofburg wurde Häupl immer mit einem Spritzwein empfangen. „Mein Spritzwein mischt er immer gut, da darf i mi net beschweren. Aber der soll sie net anscheißen, muss eh immer nur bis Mittwoch arbeiten. Hätt er halt Lehramt studieren müssen!“, so Häupl.

Diese Sticheleien wollte Bernd L. nicht auf sich sitzen lassen und äußerte sich dazu in einem Exklusiv-Interview: „Wissen’s, als ich angefangen hab, war des ein locker Hacken. Ein bisserl Kaffee kochen, ab und an einen Spritzwein mischen und manchmal hab ich halt mit’n Café Sacher telefoniert, damit die einen Kuchen vorbeibringen.“ Diese Zeiten sind laut Hofburgpraktikant nun vorbei, ein Defekt in der Wahlkartenproduktionsfirma sei die Ursache. „Seit drei Wochen sitzt ich nur mehr da und hab Wahlkarten mit UHU zusammenpickt. Bei der Arbeit musst ja deppert werden! Aber anstatt g’scheiten Wahlkarten haben sie halt lieber Wahlwerbung gemacht. Irgendwo muss man halt sparen…“, kritisiert Bernd L. Auf die Frage, warum er das allein machen musste, erklärte der Praktikant: „Vor der ersten Wahl waren wir eh noch zu zweit, aber die andere Praktikantin haben’s aufgrund der Sparmaßnahmen kündigen müssen. Der Herr Hofer hat zu ihr nur gemeint, dass sie sich nix antun soll, weil er wird eh Präsident und dann hat sie ihren fixen Platz in der Kuchl‘ dahoam.“

Die strapazierende Situation für den Praktikanten in der Hofburg belastete ihn über Wochen hinweg. Heute früh zog Bernd L. dann einen Schlussstrich:“ Ich hab’s net mehr ausgehalten und bin heut Vormittag zum Arzt gegangen. Der hat mich untersucht und dann auch sofort krankgeschrieben. Die psychische Überlastung sieht er nur als kleineres Problem, beim Abhorchen hat der Arzt fast zum Weinen angefangen. Ich hab halt immer gedacht, dass meine Beschwerden von der frischen Farbe an der Wand in der Hofburg kommen. Der Herr Fischer hat ja ausmalen müssen, bevor er gegangen ist.“ Doch nun die tragische Diagnose: Raucherhusten. „Wissen’s, dabei rauch ich net einmal. Aber wenn der Herr Van da Bellen zweimal am Tag vorbeikommt, kann ich auch net immer lüften!“

Voraussichtlich ist Bernd L. nun drei Wochen im Krankenstand und will sich in der Zeit aber nicht auf die faule Haut legen. „Ich hab meine alten Panini-Sammelhefte von der EM ausgegraben, und da werd ich alle Österreicher wieder rausreißen und nochmal mit UHU ankleben. Ich darf ja nix verlernen“, so der Praktikant. „Nur was mich halt a bisserl anzipft ist, dass mir niemand eine gute Besserung gewünscht hat, außer der Herr Van der Bellen.“

Der Bundespräsidentschaftskandiat Alexander Van der Bellen habe Bernd L. ein Päckchen zukommen lassen, in dem eine Stange Marlboro war und einen handgeschriebenen Brief mit den Worten: „Tua net so deppat! Ich rauche schon über 50 Jahre und mehr als grün bin ich halt auch net worden.“

Bundespräsidentschaftkanditat Norbert Hofer sieht die ganze Sache gelassen: „Wir können den ganzen Spaß von mir aus noch 10 Jahre ausizögern, solange alles mit rechten Dingen zugeht!“

FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache ist weniger erfreut:“ Das ärztliche Attest des Bernd L. wird definitv angefochten!“ Laut geheimer Quelle sei der Arzt nämlich Vorarlberger und müsste so als Ausländer erst einmal richtig Deutsch lernen.

Manchmal mach ich irgendwas mit Medien

Der heutige Student hat es auch nicht leicht! Es reicht nämlich nicht mehr, einfach nur Student zu sein, sondern man sollte auch konkrete Pläne für später haben. Wenn man auf die Frage: „Was wirst du in 10 Jahren machen?“ mit „Irgendwas mit Medien“ antwortet, kann man in Mitleidsblicken fast ertrinken. Ab und an hört man dann auch die Leute untereinander tuscheln und nimmt Wortfetzen wie „zukünftiger Arbeitsloser mit Hobby“ oder „McDonald’s sucht doch immer“ wahr. Dabei lässt mich doch niemand ausreden, denn dass ich irgendwas mit Medien machen, aber eben auch noch reich heiraten werde, will keiner hören. Unfair!

Private (Vor)Urteile

Apropos reich heiraten: Das ist meist nicht mehr nötig, wenn man sowieso Bonzen-Eltern hat. Diese Eltern schicken ihre Kinder dann auch gerne auf private Hochschulen, um ihren Rotzgören den Titel zu erkaufen. Inklusive Porsche, der täglich in der hauseigenen Uni-Garage parkt, versteht sich. Also wieso sich das Leben erschweren, wenn man mit dem gekauften Titel doch irgendwas mit Medien machen kann? Problem dabei ist eben nur, dass es den Studiengang „Irgendwas mit Medien“ leider noch nicht gibt, egal, wieviel die Eltern dafür ausgeben würden.

Immer diese Lügenpresse

Aber nun im Ernst: Ich bin nicht Dagi Bee, die sich durch ihre Chia-Samen-Züchterei und DM-Shoppingtouren über Wasser halten kann. Die macht nämlich „irgendwas mit Medien“. Ich bin Journalismus-Studentin. Journalisten? Ach, die Leute, die für die Zeitung schreiben. LÜGENPRESSE! Ich habe den Part gerne schon übernommen.  Genau aus diesem Grund behaupte ich, dass ich irgendwas mit Medien machen möchte. Ich werde eben lieber bemitleidet, als bespuckt.

Um Shampoos zu testen, muss ich mir keine teure Ausbildung leisten. Irgendwas mit Medien- das liegt heutzutage praktisch jedem, der einen Knopf an einer Kamera bedienen kann. Wahrer Journalismus ist etwas für Hartgesottene. Eben für jene, die gerne zu wenig schlafen, zu viel denken und eventuell auch drei Tage am Stück nur Nudeln essen. Klingt nach einem Studentenleben, das man aber noch mit 40 führen wird. Die Arbeit dahinter interessiert keinen, denn wichtig ist das Endprodukt. Dieses setzt sich aus lebenslangem Lernen, stundenlangem Lesen und endloser Begeisterung zusammen. Meinung zu verfassen, Diskussionen anzuregen und sich der Welt zu stellen, gehört da dazu. Das dieser Beruf nur wenig Zukunft haben wird, sei dahingestellt. Aber lieber mache ich das, was mich erfüllt, als in einem versifften Büro Bleistifte zu spitzen. Journalismus gleicht einem Eheversprechen. Etwas in guten wie in schlechten Zeiten treu zu bleiben, so bis der Kontostand uns scheide!

Bis bald,

Melanie

Erzählen Sie…

1922-Fasziniert starre ich noch immer auf die Jahreszahl. Zweimal rechne ich, um mir wirklich sicher zu sein. Im Oktober 2016 wird Anton Plattner 94 Jahre alt. 94 Jahre voller Arbeit und Angst, aber auch voller Glück und Dankbarkeit. Auf dieses Leben zurückzublicken gleicht einer Märchenstunde. Ein Märchen, welches ein gutes Ende nehmen durfte…

Von der Nachkriegszeit in den nächsten Krieg

Als Drittes von neun Kindern wurde Anton Plattner 1922 in Terlan, einem Dorf in Südtirol, geboren. Der erste Weltkrieg liegt nur einige Jahre zurück, die Italianisierung ist im vollem Gange. In der Schule und in der Öffentlichkeit wurde nur Italienisch gesprochen, Deutsch war verboten. „Mein Vater hätt‘ uns aber bei den Ohren gezogen, wenn wir daheim nicht Deutsch gesprochen hätten“, so Plattner.

Im Jahre 1935, mit 13 Jahren, wurde Anton Plattner von zu Hause weggeschickt, um beim Hof des Großbauern Kroaner zu arbeiten. Als siebtes und damit auch fremdes Kind in der Familie hieß es oft: „Bua tu dies, Bua tu das.“ Aber trotz der vielen Arbeit auf der Landwirtschaft war es der Bäuerin wichtig, dass die Lernerfolge in der Schule stimmten. So verfolgte Anton Plattner einen Alltag über Jahre hinweg, der sich aus Schulbildung und Arbeit zusammensetzte. Eine Bezahlung für das Schuften gab es nicht, lediglich Kost und Quartier wurden geboten, sowie die getragene Kleidung der älteren Kinder am Hof. Gern erinnert sich Anton Plattner noch an ein besonderes Ereignis zurück: „Einmal wurde mir ein ganz neuer Anzug mit soliden Schuhen gekauft. Ich fühlte mich damals wie ein richtiger Gentleman!“

 

Der Beginn einer langen Reise

Im Mai 1939 wurde die Bevölkerung Südtirols vor die Wahl gestellt: Entweder man entschied sich für das Deutsche Reich oder man bleibt ohne ethnischen Minderheitsschutz in der Heimat unter der Führung Mussolinis. Herr Plattner durfte im Alter von 17 Jahren noch nicht für sich selbst entscheiden, so wurde er mit seiner Familie nach Österreich gebracht. „Ich wäre nicht nach Österreich gegangen. Ich hatte am Bauernhof alles und ich konnte alles. Aber im Konsulat wurde bestimmt, dass ich mit meinen Eltern mitgehen muss. Mein Vater hat sich für Hitler und das Deutsche Reich entschieden. Die Bauersleute, bei denen ich arbeitete, stimmten für Mussolini und blieben in Italien. Verständlich, bei diesem schönen Besitz“, erklärt Plattner.

Die Reise der Familie Plattner in die neue Heimat Kainach in der Steiermark dauerte eine Woche. Der Vater hatte Verwandte in Graz und gab die Steiermark als sein Wunschziel in Österreich an. Dort angekommen schickte man Anton Plattner mit seinem Bruder Martin zum Arbeitsamt. Den jungen Männern wurde erklärt, dass sie sowieso in den Krieg eingezogen werden. Wer sich aber freiwillig für die Wehrmacht meldete, wurden sowohl Wohnung auch als Arbeit nach dem Krieg versprochen. „Am 10. August 1940 war meine Musterung und am 1. Februar 1941 wurde ich der Deutschen Wehrmacht übergeben. Es ging alles sehr schnell!“, erinnert sich Anton Plattner.

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Anton Plattner zu Hause in Kainach. ©Melanie Köppel

Das Interview

Anton Plattners Geschichte faszinierte mich von Anfang an. Umso mehr freute es mich, dass ich ihn und seine Frau Ella besuchen durfte. Mit einer Flasche Wein in der Tasche klingelte ich also an seiner Haustür. „Die Schuhe kannst‘ gern anlassen, ich bin der Hausmann“, begrüßte er mich fröhlich und ich folgte ihm in die Küche, wo auch seine Ehefrau schon wartete. „Da werd‘ ich auf meine alten Tag nochmal rauschig!“, schmunzelte er, als ich ihm die Flasche Wein gab und unser Gespräch konnte beginnen…

Sie sind Zweisprachig aufgewachsen, aber dann mit 17 nach Österreich gekommen. Haben Sie Italienisch jemals wieder gebraucht? Können Sie es noch?

, sì signorina, parlo italiano! (lacht) Aber gebraucht habe ich es eigentlich nicht mehr. In der Gefangenschaft in Amerika habe ich dann noch etwas Englisch gelernt. Nach dem Arbeiten mussten wir immer eine Stunde lernen, aber im Schreiben war ich ganz schlecht. I speak no English! (lacht)

Was war ihr schlimmstes Erlebnis als Soldat? Wenn man überhaupt ein Einziges als Schlimmstes definieren kann.

Wir Soldaten wurden in zwei Truppentransporter eingeschifft: Einmal der Transporter „Donau“, in dem ich war und der Zweite hieß „Ibizzia Laura“. Am fünften Tag dieser Schiffsfahrt wurden wir auf offener See in der Nähe von Kirkenes (Norwegen) von Torpedos der Engländer getroffen. Es war der 30. August 1941 gegen 17:30 Uhr, als die „Donau“ angegriffen wurde, sofort in der Mitte brach und innerhalb drei Minuten versank. Ich war mit meinem Kameraden Bertl Plank im ersten Deck in der Nähe der Treppe. Die Schwimmwesten hatten wir als Kopfkissen für unser Nachtlager benutzt und in meinem Schrecken hatte ich die einfach liegen gelassen. Das Schlimmste an dieser Situation war, dass ich nicht schwimmen kann. Ich traute mich nicht, einfach ins Meer zu springen und die Rettungsboote waren alle demoliert…

Sind Sie trotzdem gesprungen?

Nein, ich glitt an einem Seil ins Wasser, weil die Kameraden von oben drängten. Verständlich, wir hatten auch nicht viel Zeit. Ich habe auch sofort Wasser geschluckt und wurde in die Tiefe gezogen. Das Nächste, an das ich mich erinnern kann, ist, dass mich ein Kamerad im Schwitzkasten, und mir regelmäßig mit voller Wucht auf den Kopf geschlagen hatte. Ich hatte so viel Salzwasser geschluckt, allein daran hätt‘ ich sterben können. Der Kamerad trug eine Schwimmweste und schrie die ganze Zeit: „Gib Ruh‘, gib Ruh‘!“ Ich kann mich heute noch an die Rufe der verzweifelten Soldaten im Wasser erinnern. Mein unglaubliches Glück war, dass ich nach einer halben Stunde im Wasser auf ein Kriegsschiff von unserem Verband von ein paar Matrosen hochgetragen wurde. Bertl wurde auch gerettet und wir sind uns um den Hals gefallen, als wir uns wiedergesehen haben.

Frau Plattner, die auch am Tisch sitzt und gespannt zuhörte, fragte mich kurz, wie mein Nachname lautet. „Schau, du hasts auch nicht mehr g’wusst“, sagte sie zu ihrem Mann. „Wennst du 100 Jahr alt bist, vergisst halt auch mal was!“, entgegnete dieser nur lächelnd. Das holte mich kurz wieder in die Gegenwart zurück, denn beim Erzählen wirkt Herr Plattner nicht wie fast 100…

Wie viele Kameraden haben diesen Angriff nicht überlebt?

Von den 1000 Kameraden, die am Schiff waren, haben es 600 nicht geschafft. Ich hatte bei dem Unglück Gott „angerufen“ und versprochen, dass ich jeden Sonntag in die Kirche geh‘, wenn ich das überlebe. Ich bin so dankbar, dass ich das überstanden hab‘. Mein Versprechen habe ich gehalten, jedoch, wenn ich es manchmal nicht mehr in die Kirche schaffe, dann höre ich die Messe im Radio.

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Anton Plattner hat seine Erinnerungen selbst niedergeschrieben. ©Melanie Köppel

Wurden Sie während des Krieges jemals krank?

In Russland hat mich die Gelbsucht erwischt. „Oh, weg weg, sonst krieg‘ ma alle die Gelbsucht!“, hat der Arzt damals gerufen und mich in ein Not-Lazarett nach Witebsk (Weißrussland) verwiesen. Da waren schon mindestens 20 Soldaten mit Gelbsucht und auch Verwundete.  Links lagen die Männer mit Gelbsucht und rechts die Verwundeten. Nach ein paar Wochen kam ich in das Heimatlazarett nach Warschau. Innerhalb vier Monaten war ich wieder geheilt. Medikamente oder Ähnliches gab es nicht, also musste sich mein Körper von allein erholen.

Wie ging es weiter?

Nachdem ich 10 Tage Heimaturlaub erhielt und danach zurückmusste, meldete ich mich freiwillig, um in Afrika einzuziehen. Mir wurde bewusst, dass ich aus Russland nie mehr lebend heimkommen würde, da ich sehr schwach war. Der Weg nach Afrika war schon sehr anstrengend.  Habidere, da hatte ich schon das Gefühl, dass das alles nicht gut gehen wird. Mit dem Güterzug ging es durch Italien bis nach Sizilien, danach mit dem Flugzeug weiter nach Tunis. Eigentlich wollten wir nach Tripolis, aber da in dieser Gegend die Engländer kämpften, waren wir schon beim Eintreffen zum Rückzug gezwungen. Am 11. Mai 1943 gegen 10:30 Uhr haben uns die Amerikaner schlussendlich in Gefangenschaft genommen.

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Die Route, die Anton Plattner während des Krieges zurücklegte. ©Anton Plattner

Wie haben Sie kommuniziert? Englisch haben Sie doch erst in Amerika gelernt…

In jedem LKW der Amerikaner war mindestens ein Deutschsprachiger. Der hat uns erklärt, wie wir uns verhalten sollen. Das war auch meine Gewissheit, dass es jetzt aus ist. „Wenn einer was tut, dann erschießen wir euch alle!“, hat der immer wieder gerufen. Dann wurden wir alle auf einen LKW verladen und Richtung Durchgangslager gebracht. Lager ist übertrieben, denn eigentlich wurden wir nur von einem Stacheldrahtzaun umrundet, an dem hunderte Schwarze mit Maschinengewehren standen. An diesem Tag hab ich zum ersten Mal einen Schwarzen gesehen!  Wilde Burschen waren das. Am nächsten Tag haben wir dann alle eine Gefangenennummer um den Hals bekommen. Ich hatte die 46500, bei den Zehner-Zahlen bin ich mir unsicher. Mit dieser Nummer haben wir dann zwei Packerl Kekse, etwas Dosenfleisch und eine Flasche Zitronenwasser bekommen.

Wann kamen Sie dann endgültig nach Amerika?

 Am 14. August 1943 wurde ich in New York eingeschifft, danach ging es weiter nach Alabama, wo wir am 27. August mit dem Zug eintrafen. Dort wurde ich wieder in ein Lager gebracht, welches wirklich schön und sauber war. In dem Lager mussten wir alle 10 Stunden täglich arbeiten. Im Sommer bei der Erdnussernte, im Winter im Holzschlag, wo wir Telegrafenmasten stockten. Wenn wir bei der Erdnussernte nicht gebraucht wurden, wurden wir im Steinbruch eingesetzt. Ich kann mit der Gabel umgehen, also war die Erdnussernte für mich eine leichte Aufgabe, denn man macht das wie bei den Heuhiefler. Einmal war ich mit meinen Kameraden schon mit 25 Hiefler fertig, da kam unser Chef in einem weißen Cadillac. Das war ein Auto! Der versprach uns Coca-Cola und eine Tafel Schokolade, wenn wir noch weiterarbeiten würden. Innerhalb einer Stunde war er zurück und wirklich jeder bekam etwas. „Good boys, good boys!“, hat er dann immer gerufen. Das war mein erstes Cola in meinem Leben!

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Als Kriegsgefangener in den Vereinigten Staaten. ©Anton Plattner

Wann sind Sie dann wieder nach Hause gekommen?

Der Krieg dauerte bis zum 8. Mai 1945, da  durften wir aber noch nicht heim, da uns gesagt wurde, das es zu Hause nichts zum Essen gibt. Erst im April 1946 wurde ich nach Liverpool gebracht. Dort musste ich Putzarbeit und Straßenreinigungen erledigen. Wir dachten alle, dass wir sofort nach Hause konnten, aber wir durften noch nicht. Mitte Mai hieß es dann plötzlich: Wer Österreicher ist, soll sich am nächsten Tag sofort in der Schreibstube melden. Die Freude war so groß, als ich erfuhr, dass ich endlich heim darf. Die Reise bis in die Steiermark dauerte bis 19. Juli 1946, wo ich im Entlassungslager in Feistritz eine Fahrkarte und 50 Schilling Wegzehrung erhielt.  Am 20. Juli kam ich endlich in Kainach an und meine Reise hatte ein Ende.

Haben Sie Ihren Kameraden, den Bertl Plank, wiedergesehen?

Ja, unsere Wege haben sich nach Russland getrennt, aber wir haben uns dann nach dem Krieg wiedergetroffen. Da war ich ihn besuchen und hab ihn zum Essen eingeladen. Den hat’s viel schlechter erwischt als mich. Er war in Gefangenschaft in Jugoslawien, also im heutigen Slowenien. Den ganzen Tag hat er nur Wasser und Brot gekriegt, da hab‘ ich dagegen wirklich gut gelebt.

Nach guten drei Stunden in der gemütlichen Küche der Familie Plattner wurde es für mich an der Zeit zu gehen. Doch eine letzte Frage kam mir noch auf:

Was sagen Sie denn heute darüber?

Ich hoff‘, dass so ein Blödsinn nicht nochmal passiert! Irgendwann müssen die Leut‘ ja gescheiter werden…

Irgendwann, hoffentlich.

Eure Melanie