Schlüsselerlebnis erwünscht?

Wenn mich jemand fragen würde, wann ich zu schreiben begonnen habe, würde ich ohne zu zögern mit „Ich schreibe schon immer!“ antworten. Diese Antwort ist natürlich totaler Schwachsinn, aber so rein gedanklich war ich in der  Überzeugung, dass das auch so ist.  Während ich aber heute meinen alten Laptop durchforstete, stieß ich auf einen Text, den ich vor circa 4 Jahren geschrieben habe. Grundsätzlich nichts besonderes, wenn es zu diesem Text nicht eine Geschichte geben würde…

Mein schulischer Charakter lies sich mit einem Satz relativ gut beschreiben: Ich war faul, aber trotzdem ehrgeizig! Kurz gesagt, minimaler Aufwand musste mit maximalsten Ergebnis gepaart werden, sonst war ich nicht zufrieden. So war es auch immer bei Referaten, die wir meistens zu zweit halten mussten. Da wir damals für Referate auch immer einen medialen Teil (Text, Video, etc.) einbauen sollten, war es einfach, die Arbeit aufzuteilen. Eine Freundin und damalige Schulkollegin von mir war anscheinend schon voller Tatendrang, also hatte sie ein Plakat und den halben Text für uns schon vorbreitet. Da ich ihr nicht die ganze Arbeit überlassen wollte, weil ich prinzipiell Leute hasse, die alles den anderen machen lassen, kümmerte ich mich um das Medium. Das Thema unserer Präsentation war „Magersucht“ und wie ihr euch vorstellen könnt, gibt es tausend Texte, Videos und sonstiges Material dazu. Ich hätte also ganz einfach die „Copy & Paste“- Methode anwenden können und mein Aufwand wäre mit einer Minute zu verbuchen gewesen. Da meine Freundin sich aber wirklich Mühe mit dem Plakat und dem Text gegeben hatte, wollt ich unsere gute Note nicht mit einem lieblos ausgesuchten Bild oder Ausschnitt einer Dokumentation riskieren. Also begann ich, mich einzulesen und dann selbst einen Text zu schreiben, den ich euch natürlich nicht vorenthalten will:

„Dünne Engel fliegen leichter
Ich heiße Hannah und bin 18 Jahre alt. Als ich klein war liebte ich es Schmetterlinge zu fangen, Baden zu gehen oder tonnenweise Schokopudding zu essen. Ich mag diese Dinge auch heute noch, nur leider habe ich keine Zeit mehr für solche Sachen, ich bin zu beschäftigt.
Heute habe ich andere Interessen, wie zum Beispiel Sport!
Manche Ärzte behaupten zwar, dass ich krank wäre, doch das bin ich einfach nicht!
Sie sagen mir ich muss mehr essen, doch meiner Meinung nach reichen eine Karotte und ein Knäckebrot pro Tag. Doch manchmal esse ich einen Teller Suppe, damit meine Mutter nicht mehr weint…
Ich hasse es meine Mutter weinen zu sehen. Ich will, nein, ich kann sie einfach nicht mehr weinen sehen. Denn sie hat schon viel zu oft um mich geweint, doch damit ihr euch etwas vorstellen könnt, beginne ich von vorne:

Stellt euch einmal ein Mädchen vor. So um die 13 Jahre alt, gesund, glücklich und unbesorgt. Es hat keine Ahnung vom Leben. Das Mädchen ist ziemlich klein und etwas pummelig. Sie hat blonde, lange Haare und süße Wangen, die immerfort rot werden.
So ein Mädchen war ich! Wirklich glücklich mit dem Leben und viele Freunde waren an meiner Seite.
Ich hatte nur Einsen und eine tolle Zukunftsaussicht. Ich wurde auf eine Modeschule angenommen, auf der ich meinen Traum vom Modedesignen verwirklichen wollte.
Wie gesagt: wollte!
Als ich auf die Modeschule kam, waren dort nur schlanke und hübsche Mädchen. Ich fühlte mich wie der letzte Dreck. Die Mädchen behandelten mich auch schrecklich. Da waren Aussagen wie „fette Kuh“ noch das Netteste was ich hörte. Ich fühlte mich schlechter und schlechter. Das aufstehen am morgen fiel mir schwer, mir war jeden Tag speiübel und ich hatte Angst. Wirklich panische Angst, so dass ich noch von den Beschimpfungen träumte. Es sind Albträume die mich bis heute verfolgen: In diesen Träumen stehen die Mädchen vor mir, beschimpfen mich aufs letzte und ich kann nirgendwo hin.

Heute würde man sagen, ich wurde gemobbt, wie so viele Schüler. Ich selber beschreibe das nicht mehr als Mobbing, es war seelische Verstümmlung mit Beschimpfungen, die mir nie im Leben einfallen würden.
Kurz gesagt ich ging durch die Hölle, aber ich traute mich nicht, meine Lehrer oder Eltern einzuweihen. Ich war zu feige und hatte Angst, vor noch schlimmeren Beschimpfungen. Also ließ ich mir alles gefallen bis zu dem Tag, der mein Leben veränderte!
An diesem Tag sollten wir ein Kleid als Abschluss des ersten Jahres nähen. Jedoch würde das Kleid für eine andere Mitschülerin sein, also musste eine Hälfte der Klasse als Model dienen. Ich war in der Modelgruppe, und Carina musste meine Maße notieren.
Das Erste was ich zu hören bekam war:“ Wie soll ich denn das Maßband um dich rumbekommen? Du bist einfach viel zu fett!“ Ich kämpfte mit den Tränen, doch sie machte weiter:“ Gibt’s eigentlich noch Jeans in deiner Größe? Oder musst du dir sie schon selber nähen?“ Das war’s dann auch schon mit meiner Selbstbeherrschung. Ich rannte aus dem Raum und hörte hinter mir nur mehr das schallende Gelächter der anderen Mädchen.

Ich schwor mir, abzunehmen. Mindestens 10 Kilo. Außerdem wollte ich soviel Sport treiben, dass alle neidisch auf meinen Körper werden!
Also rannte ich nach Hause und druckte mir eine Energietabelle aus, damit ich nur mehr Lebensmittel zu mir nahm, die unter 100 Kalorien haben. Danach rannte ich so lange durch den Wald bis ich zweimal erbrechen musste.
Ich hatte ein Ziel vor Augen und ich kontrollierte mein Gewicht jeden Tag fanatisch. Falls ich zugenommen hatte, aß ich einfach einen Tag nichts.
Die Mädchen in der Schule hänselten mich weiter, doch als ich nach einem Monat 7 Kilo abgenommen hatte, wurde es ruhiger um meine Person und sie suchten sich ein anderes Opfer.
Ich war so angespornt, dass ich mein Projekt auch nicht nach 10 verlorenen Kilos abbrechen wollte. Ich war total in Fahrt, und mir machte es nichts aus, meine Eltern zu belügen, die mich jeden Tag fragten, ob ich wohl etwas gegessen habe.
Ich kam von Kleidergröße 38 auf Kleidergröße 34, doch das war mir nicht genug. Ich begann zu Essen um nachher wieder alles zu Erbrechen. Doch das reichte mir auch nicht, denn neben dem Sport schluckte ich Wattebällchen in Orangensaft getunkt. Den Orangensaft tauschte ich später durch Wasser aus, denn er hat einfach zu viele Kalorien. Aber irgendwie musste ich meinen Hunger stillen.
Natürlich fingen alle an, sich Sorgen um mich zu machen, sogar einige Mädchen, die mich vorher aufs Letzte gemobbt hatten. Da ich meine Mutter dauernd anschrie und keinen mehr an meiner Seelenverfassung teilhaben ließ, fingen sogar meine Eltern an, mich in Ruhe zu lassen. Ich war einfach zu versessen und nun war fast schon ein Jahr vergangen, seit ich meinen Lebensstil umschmiss. Damals hatte ich ein Gewicht von 40 Kilo bei einer Körpergröße von 170 cm.
Es war mir aber nicht genug, also versuchte ich es, 2 Wochen nichts zu essen. Das mir dabei aber die Haare ausgingen und meine Zähne anfingen, locker zu werden, sah ich nicht. Ich sah immer nur das kleine dicke Mädchen im Spiegel, das unbedingt abnehmen musste. Wenn ich einkaufen ging, nahm ich automatisch immer die falsche Kleidergröße, da ich der Meinung war, dass ich sowieso in keine 38 Jeans passte. Und Arztbesuche mied ich generell. Die erste Woche meines Projekts überstand ich gut. Es war Winter und ich hatte tausend Schichten an Kleidung an, um mich wenigstens etwas zu Wärmen. Doch in der zweiten Hälfte verließen mich die Kräfte. Ich musste mitten in der Stunde erbrechen und bekam extremen Schüttelfrost. Ich kann mich nur mehr daran erinnern, wie jemand schrie: „Holt einen Arzt!“
Danach verließ mich mein Gedächtnis für mehr als 3 Monate. Ich wurde durch eine Magensonde Zwangsernährt und meinen Geburtstag bekam ich gar nicht mit. Ich war ein psychisches Wrack mit 35 Kilo und 5 Gramm.
Man gab mir nicht mehr lange zu leben, doch ich kämpfte und so erwachte ich aus dem Koma und begann wieder selber zu Atmen.

Nun bin ich schon seit einem Jahr in der Klinik, und nach und nach versuche ich, wieder zu essen und mich nicht als dickes Mädchen zu sehen. Manchmal gelingt mir das.

Die Ärzte meinen, ich mache große Fortschritte. Aber ich bin nicht krank, die Magersucht ist Teil meines Lebens. Ich liebe sie und hasse sie zugleich, doch sie ist noch immer wie eine beste Freundin für mich. Ich habe gelernt, dass manche Freundschaften nicht für ewig gemacht sind. Deshalb wird sich mein Weg mit der von der Magersucht trennen, doch dies dauert noch seine Zeit!*“

(*Text ist aus dem Jahr 2012 und im Original übernommen)

Nach der Stunde fing  meine Professorin mich ab und fragte mich nach der Internetquelle für den Text, da ich logischerweise keine angegeben hatte. Mein 15- jähriges, gekränktes Ich musst ihr lange erklären, dass der Text wirklich von mir ist und ich sie nicht anlüge. Nachdem ich ihr auch erzählt habe, dass ich die ganzen Infos und Symptome der Krankheit eigentlich nur gegoogelt habe, war meine Professorin auf einmal ganz still und starrte mich  lange an. Ich fand das damals alles ziemlich komisch, da ich nicht verstand, worum es ihr ging. Mir ging’s ehrlich gesagt nur um die Note.

„Anscheinend hast du ein Talent dafür, du musst unbedingt weiterschreiben!“, sagte sie dann plötzlich zu mir. Wenn ich das hier so schreibe, kommt mir es so vor, als wäre das Ganze erst gestern passiert. Der Moment war einfach so verwirrend für mich, denn noch nie hatte jemand so etwas in der Art zu mir gesagt.

Grundsätzlich will ich damit sagen, dass man machmal einfach selber gar nicht weiß, was man eigentlich kann. Wahrscheinlich würde ich heute nicht Journalismus studieren, wenn meine Professorin damals nicht gewesen wäre. Natürlich hat mir das Schreiben schon davor Spaß gemacht, aber ich habe nie gedacht, dass meine Texte nur annähernd irgendjemanden interessieren würden.

Also wünsche ich euch nur eines: Nämlich jemanden, der euch etwas über euch selbst erzählt, das ihr noch gar nicht wusstet! Wer weiß, vielleicht wird etwas Großes daraus! 😉

Eure Melanie

Kommt Zeit, kommt Brot!

Die Definiton von gutem Essen hat ungefähr so viele Facetten wie es Menschen auf der Erde gibt. Vor allem in den reichen Industrieländern sind die Nahrungsmittel die uns schmecken, nicht unbedingt die, die unserem Körper gut tun. Ob es nun an den hohen Zuckergehalt liegt, an der (noch) eher unerforschten Auswirkung gentechnisch veränderter Lebensmittel oder an den unzähligen Konservierungsstoffen: Die falsche Nahrung kann uns schwer krank machen! Aber woher soll man nun wissen, was ein gesundes Lebensmittel ausmacht, wenn man nie Bezug zur Gewinnung unserer Urprodukte hatte?

Die Internationale Grüne Woche (IGW) findet im Januar 2016 schon zum 81. Mal statt. Neben einer großen Anzahl von Ausstellerinnen und Aussteller im Bereich Ernährungs- und Landwirtschaft werden auch die kommenden und bleibenden Konsumtrends vorgestellt. So haben die Themen „Bio“, „Regional“ und „nachwachsende Rohstoffe“ eine immer höhere Bedeutung in der Branche. Doch nicht nur die rund 1.700 Austeller kommen hier auf ihre Kosten, sondern auch die prognostizierten 415.000 Besucherinnen und Besucher können so einiges an Wissen mitnehmen.

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Abbildung 1: Verschiedenste Getreidesorten Foto:©Melanie Köppel

Im Rahmen dieser Internationalen Grünen Woche hat auch die „Markthalle Neun“ im Berliner Kreuzberg es sich zur Aufgabe gemacht, den Besucherinnen und Besuchern eine kleine Wissensreise zu bieten. „BrotZeit“ ist das Motto des heutigen Sonntags und steht ganz im Rahmen des alten, traditionellen Nahrungsmittel. Von der Saatgutgewinnung bis zum fertig gebackenen Brot  wird den Interessierten das handwerkliche Verfahren näher gebracht. Auch die Auswahl der Zutaten, die verschiedenen Getreidesorten und die Herstellung in den eigenen vier Wänden wird an unterschiedlichen Austellungsständen vermittelt. Ebenso werden in hitzigen Debatten auch die Themen Demeter, Gentechnick und Nachhaltigkeit erklärt und diskutiert.

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Abbildung 2: Zubereitung libanesischer Gerichte Foto: ©Melanie Köppel

Doch nicht nur die nationale Küche ist in der Markthalle Neun vertreten, sondern auch Back- und Kochkünste aus den verschiedensten Ländern, wie Japan oder den Libanon. Durch den großen und vielfältigen Markt und die verschiedensten Werkstätten erhält man einen guten Einblick zum Thema Qualität unserer Lebensmittel.

Diese, und noch viele weitere Veranstaltungen, sind ein heißer Tipp für das interessierte Publikum der diesjährigen Internationalen Grünen Woche, die noch bis zum 24. Januar ihre Pforten in ganz Berlin geöffnet hat!

von Melanie Köppel aus Berlin, am 17.01.2016

Die Hinterlassenschaft der Sternenkinder

Bunte Murmeln, jede Menge Teddybären und flatternde Windräder sind am Boden verteilt. Trotz der eisigen Kälte versammeln sich täglich viele Eltern auf dem Alten St.- Matthäus- Kirchhof in Berlin- Schöneberg, um ihre Babys zu besuchen. Alle verweilen ein paar Minuten und genießen die vertraute Verbundenheit. Viele haben Geschenke oder Fotos dabei, andere zünden eine Kerze an, im Gedenken an ihre Sternenkinder.

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Abbildung 1: Friedhof der Sternenkinder Foto: ©Melanie Köppel

Der „Garten der Sternenkinder“ wird von einem riesigen Schiff aus Holz geziert. Rund 400 Gräber befinden sich bis jetzt hier verteilt und es werden jährlich mehr. Die Definition Sternenkind besitzt eine große Spannweite, jedoch kann man grundsätzlich sagen, dass es sich um ein tot- oder stillgeborenes Kind handelt. Für die Eltern im ersten Moment ein Riesenschock, denn das Baby, auf dass man sich so sehr gefreut und worauf man so lange gewartet hat, kann man nie richtig kennenlernen. „Kein Kind sollte vor seinem Vater sterben!“ sagte Anthony Hopkins im Film „Die Vorsehung“. Den Eltern von Sternenkindern spricht dieses Zitat aus der Seele.

Aber wie geht man nun mit dem traurigen Verlust um? Kann das Leben danach überhaupt weitergehen? Bernd Boßmann, Schauspieler und der Besitzer des ersten Friedhofscafés Deutschlands im St.-Matthäus- Kirchhof, setzt sich für die Eltern der Sternenkinder ein und versucht zu helfen, wo es nur geht. Die Idee zum „Garten der Sternenkinder“ entstand am Anfang des Jahres 2007, als ihn eine Mutter in seinem Café besuchte und vom Verlust ihres Sohnes erzählte. Sofort waren viele Sponsoren gefunden und im April 2007 fand die erste Bestattung statt.

Bernd Boßmann
Abbildung 2: Bernd Boßmann beim Interview Foto: ©Delia Roscher

„Die Auflagen sind in Deutschland sehr streng. Erst ein Kind über 1000 Gramm ist offiziell Bestattungspflichtig und bekommt auch eine Urkunde.“, so Boßmann, “ Ich finde diese Definition sehr traurig, denn für die Eltern ist das verlorene Kind trotzdem ein fester Bestandteil der Familie!“ Das Verständnis und die Hilfe von Bernd Boßmann lockt daher auch viele Vereine für Eltern von Sternenkindern in das Friedhofscafé „Café finovo“. Die Vereine „Erste Hilfe Köfferchen Berlin“ oder die „Verwaisten Eltern“ treffen sich dort gerne, um sich auszutauschen.

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Abbildung 3: Schatullenbeispiele und Grabfiguren Foto:© Delia Roscher

„Im Umgang mit den Eltern muss man besonders vorsichtig sein!“, meint Bernd Boßmann. Wörter wie „Sarg“, „verrottbar“ oder „Tod“ werden ganz aus dem Wortschatz gestrichen. Stattdessen wird aus dem Sarg eine Schatulle, diese auch selbst von den Familien der Kinder gestaltet werden können. Das gibt den Hinterbliebenen oft ein besseres Gefühl und lässt die Tragödie leichter verkraften, soweit das möglich ist. Bernd Boßmann versucht, die Eltern an Psychologen weiterzuleiten und kümmert sich hauptsächlich auch um die rechtlichen Verpflichtungen. Der ehemalige Schauspieler erzählt:“Ich wollte immer selbst Kinder, habe aber leider nie welche bekommen. Diese Arbeit mit den Eltern ist so etwas wie eine Erfüllung für mich. Daraus Profit zu schlagen wäre unmoralisch! Ich bin froh, dass ich helfen kann.“

von Melanie Köppel aus Berlin, am 07.01.2016

10 Things about the f*** winter

Das menschliche Gehirn erinnert sich grundsätzlich leichter an negative Erfahrungen als an Positive. Und nein,das ist kein Schwachsinn, der aus meinem Kopf stammt, sondern wissenschaftlich belegt. Könnt ihr sogar googeln! Deshalb habe ich eine sehr repräsentative Umfrage gestartet, in der sich zeigte, dass 75% meiner Befragten den Winter Scheiße finden. Gut, ich habe nur 4 Personen befragt aber immerhin habe ich mich fast bemüht. Ich war übrigens eine der 4 Personen und ich habe den Winter noch nie gemocht. Okay, Schifahren kann man noch irgendwie akzeptieren, aber dann sind wir auch schon wieder fertig.

Hier nun meine unglaublichen „Top 10″, die euch belegen, dass der Winter einfach schrecklich ist:

1.Kälte

Wenn mir nochmal jemand weiß machen will, dass ich die Kälte gewöhnt sein muss, dann bitte meldet euch für den nächsten Geographie Kurs an. Österreich liegt nicht am Nordpol und das sich bei -9°C mein Gesicht in einen roten Eiszapfen verwandelt, ist auch normal. Derzeit wäre ich jedenfalls nicht überrascht, wenn sich die streunenden Huskys in Berlin als verirrte Eisbärenfamilie entpuppt. So viel zum Thema globale Erwärmung!

2.Dunkelheit

Morgens, beim Versuch den Lichtschalter zu finden,kann man schon an seine Grenzen stoßen. Man fällt aus dem Bett und kann nur hoffen, dass man von einem der Nachbarn gerettet wird, der mit einer Fackel in der Hand die Tür aufbricht.

3.Kurze Haare

Ja, ich weiß, ich bin selbst Schuld. Bevor ich halb erfriere, trage ich Mützen, wenn man die aber wieder abnimmt, sieht man aus wie Kirsten Stewart in ihrer Kurzhaar- Phase, nachdem sie in die Steckdose gegriffen hat. Man ist in dem Fall dann so oder so eine Belastung für die Umwelt. Entweder durch die abstehenden Haare als optische Belästigung oder eben durch die Mütze, die man ganz unhöflich auch im warmen Raum am Kopf lässt.

4.Heizen

Der Grad zwischen Skandinavien und tropischer Urwaldsauna ist schmal. Sehr schmal. Die passende Einstellung ist von Wohnung zu Wohnung individuell und während man verzweifelt versucht, im dicken Norwegerpulli die Heizung runterzudrehen, kann man schon mal leicht an einem Hitzeschock sterben.

5.Jacken

Wenn man nicht gerade mit einer Elfenfigur gesegnet ist, sieht man in den meisten Winterjacken aus, wie Cindy aus Marzahn im Kartoffelsack. Das Schlimme daran ist auch noch, dass man sich kaum bewegen kann. Ihr wisst, wovon ich rede!

6.Handschuhe

Der Graus eines jeden Smartphone-Besitzers sind eindeutig Handschuhe. Nichts lässt sich bedienen und irgendwie sind die Hände trotzdem eiskalt. Falls dann doch irgendwie was geht, schickt man versehentlich eine Autokorrektur- SMS an seinen Professor mit dem Inhalt:“ Ich liebe dich.“

7.Tee in der Thermoskanne

Thermoskannen sind unglaubliche Erfindungen und bereichern mein Leben. Auch im negativen Sinne, denn ich hatte noch nie eine Thermoskanne, die nicht mindestens einmal sich von ganz alleine in meiner Tasche entleert hat. Während man dann den Tee verflucht, bügelt man seine Blöcke, Mappen und Notizbücher bis zur Unkenntlichkeit.

8.Öffentliche Verkehrsmittel

Derzeit stell ich mir die Mitarbeiter der BVG so vor:

Mitarbeiter A: „Ach du Scheiße, es hat 0,08 mm geschneit!“
Mitarbeiter B: „Komm, das ist zu gefährlich. Lass mal die nächsten 20 Züge ausfallen!“
Mitarbeiter A: „Liebe Fahrgäste! Auf Grund einer technischen Störung….“

End of the story.

9.Rutschige Gehwege

Wie ihr nun schon wisst, attackiere ich gerne diverse Böden. Die derzeitigen Wetterverhältnisse lassen die Anzahl meiner Akrobatik Shows in schwindlige Höhen steigen. Trotz relativ gutem Schuhwerk könnt ihr mich durch die Straßen von Berlin schlittern sehen, während ich noch immer Mädels bewundere, die im Schnee mit hohen Schuhen stolzieren.

10.Schneematsch

Während der Schnee auf meinem Balkon schön glitzert, sieht der Schnee in den Straßen aus wie ein großer Kuhfladen, den ich mit in meine Wohnung trage. I’m not amused!

Bleibt stark und packt euch warm ein, in zwei Monaten ist das Leben wieder besser!

Eure Melanie