Human= Human

Samstagabend. 23:15. Ich bin in der S-Bahn auf dem Weg nach Hause. Leicht melancholisch,  wie ich finde,  doch das dürfte niemanden überraschen, da ich kurz zuvor einen Weihnachtsmarkt besucht habe. Das Studenten am Weihnachtsmarkt keine Zuckerwatte essen, sondern sich anderwärtigen Dingen zuneigen, dürfte wohl kein Geheimnis sein.

Jedenfalls sitze ich an einem Platz in einer Vierernische und blicke aus dem Fenster. Unzählige Leute sind auf den Weg nach Hause, unterhalten sich, lachen oder hören ganz verträumt Musik. Der Zug hält in der  letzten Station, bevor ich aussteigen muss, als ein Mann  eintritt. Er setzt sich mir gegenüber und lächelt mich an. Sein Lächeln gehört nicht nur seinem Mund, sondern erreicht auch seine Augen. „Kalt“, meinte er, während er sich die Hände reibt. Ich schaue ihn an und meine:“ Ja, sehr kalt!“ Fragend blickt er mir direkt in die Augen:“See-a?“ – „Viel kalt“, sage ich und er strahlt nun wieder über das ganze Gesicht und nickt eifrig.

Das dieser Mann kein Deutscher ist, hätte ich eigentlich schon auf den ersten Blick erahnen können. Er hat pechschwarzes Haar und den dazu passenden Bart, doch seine Haut ist nur ein paar Nuancen dunkler als meine.  Seine Augen sind so braun wie schwarzer Kaffee und seine Zähne erstrahlen in einem makellosen Weiß. Außerdem zeichnen sich feine Lachfältchen an seinen Augen und auch rund um seinen Mund ab. Der Mann trägt zwei Tragetaschen bei sich, in denen er sorgfältig zusammengelegte Kleidungsstücke stapelt. Sein Mantel ist leicht schmutzig und seine Hose löchrig. Er ist „Ausländer“, doch dieser bin ich strenggenommen auch. Nur ist er eben ein „schmarotzender, fauler“  Flüchtling und ich eine „zahlende“, europäische Studentin.

Die Stimme des Bahnführers schallt durch den Wagon und verkündet meine Endstation. Der Mann lächelt mich noch immer an und nickt mir freundlich zu, wenn sich unsere Blicke treffen. „Einen schönen Abend noch“, wünsche ich ihm, während ich mich langsam erhebe. „Dank!“ Er strahlt mich wieder an, nickt und sagt etwas in einer Sprache, die ich leider nicht verstehe. Er hat bestimmt etwas Schöne gesagt. Das verrät nämlich sein strahlendes Gesicht.  Ich hätte gerne mehr von ihm erfahren, mir seine Geschichte angehört. Trotzdem steige ich aus und gehe nach Hause.

Ich wünsche jedem von euch, dass er einmal in seinem Leben diese Erfahrung macht. Ich wünsche jedem, dass er einen Menschen  trifft, der einfach „anders“ ist, als man selbst. Der Mann machte mich auf eine gewisse Art und Weise glücklich. Ich weiß nicht, wieso er das tat. Aber es ist mir eigentlich auch völlig egal.

Jeder sollte eine Person treffen, die eine andere Hautfarbe, Nationalität, Sprache und Kultur hat, wie einer selbst. Nicht nur, um andere Menschen, und vor allem Flüchtlinge, aus einer anderen Perspektive zu sehen. Nein, vielmehr, um einzusehen, dass auch diese Menschen einfach nur Menschen sind. Durch den Körper dieses Menschen fließt Blut- so wie durch meinen Körper. Dieser Mensch hat Gefühle und eine Familie- so wie ich. Doch am allerwichtigsten: Dieser Mensch hat ein Recht auf Leben und Liebe, so wie es eigentlich jeder Einzelne haben sollte! Natürlich ist nicht jeder Mensch „gut“, aber ich traue mich zu behaupten, dass es jedenfalls 99% der Menschen sind. Terror und Krieg sind zwei große, furchteinflößende Wörter in diesem Jahrhundert und eigentlich möchte ich nicht, dass meine Kinder so aufwachsen müssen. Grundsätzlich möchte ich keinen in dieser Art und Weise leben lassen.

Ich weiß nicht, woher dieser Fremdenhass tatsächlich kommt. Beziehungsweise der Hass der Menschen untereinander und gegeneinander. Seien es nun die Medien, die Politik oder andere Umstände. Dennoch glaube ich, dass das Verhalten einiger Personen sich schon lange in eine krankhafte, soziale Phobie verwandelt hat. Was mich wiederum traurig stimmt.

Aber ich will mich nicht traurig stimmen lassen, denn ich habe  einen neuen Menschen in meinem Leben kennengelernt, der mich einfach durch seine pure Anwesenheit glücklich machte. Gut, ich werde diesen Mann wahrscheinlich nie mehr wiedersehen und ich weiß so gut wie gar nichts über ihn. Aber trotzdem bin ich unendlich Dankbar, ihn getroffen zu haben und ich wünsche ihm alles erdenklich Gute! Einfach nur, weil er mir gezeigt hat, dass jeder Mensch einfach nur ein Mensch ist.

Bis zum nächsten, euphorischen Blogpost,

Melanie

Organization is my second name!

Leider bin ich  der Typ Mensch, der alles aufschiebt. Mit alles, meine ich wirklich alles!  Morgen auf Urlaub fliegen? Cool, da habe ich ja immerhin noch 8 Stunden, 3 Minuten und 42 Sekunden Zeit, meinen Koffer zu packen! In zwei Tagen eine große Prüfung? Geil, noch zwei Tage nichts tun und am Abend davor hektisch versuchen, sich mit zwei Red Bull ein fotografisches Gedächtnis anzueignen. 23. Dezember und noch immer keine Geschenke gekauft? Alle Jahre wieder, mehr fällt mir dazu nicht ein. Ihr seht also, was ich euch damit sagen will.

Jedenfalls funktioniert die Verachtung des realistischen Zeitverhältnisses nicht, wenn man umzieht. Ich habe alles wenigstens auf 5 Tage vor Start verschoben. Dadurch stürme ich derzeit durch das Haus wie Tine Wittler aus der Fernsehsendung „Einsatz in 4 Wänden“. Ihr wisst schon, die Blonde, die alles dekoriert. Tja, ich zerstöre eher. Dank RTL habe ich nicht nur eine verschobene Sicht auf Hartz4 Familien, sondern auch eine gestörte Wahrnehmung in puncto Umzug. Bei Tine sieht es immer so aus: Sie schnippt, das Haus ist perfekt und alles ist fein säuberlich verpackt. Ich schnippe und mir fliegt höchsten die Lampe auf den Kopf. Technisch begabt bin ich leider auch nicht. Während der liebe Gott die Talente verteilte, saß ich wahrscheinlich in irgendeinem Baumarkt fest und versuchte verzweifelt, 5 Umzugskartons auf einmal zu tragen. Das zählt heute noch zu einer meiner Lieblingsfreizeitbeschäftigungen. Sarkasmus óle!

Übrigens noch eine weitere, amüsante Frage aus dem Archiv:

Wie willst du  alles in DAS Auto kriegen?

Mach dich nicht lächerlich, das ist doch nicht mein Auto. George Clooney holt mich. Keine Sorge, danach werde ich natürlich deinen Namen quer über sein Gesicht einblenden.

Bis zum nächsten Mal! Hoffentlich dann schon aus Berlin,

Melanie

Yep, still NOT in Berlin!

Ich mache sehr gerne Fehler. Man kann super daraus lernen, sich ewig daran erinnern und wenn man seinen geistigen Verstand einigermaßen gut beherrscht, dann macht man keinen Fehler zweimal. Blöd für mich, dass das mit dem Verstand oft nicht so funktioniert. Ein Fehler, den ich gerne immer und immer wieder mache, ist es, manche Ereignisse viel zu früh anzukündigen. Damit beschere ich nicht nur meinen Mitmenschen oft viele Momente der Verwirrung, sondern mir selbst meist ganz viele Überraschungen. Wenn zum Beispiel der Postbote ganz entzückt zu fragen beginnt, wie es wohl in Berlin sein wird und mir dann erklärt, dass er es von der Nichte seiner Ex dessen Lehrerins Brieffreundin gehört hat. Ihr versteht bestimmt meine Metapher. Jedenfalls gibt es dann immer ganz tolle Fragen und Aussagen in diesem Zusammenhang, welche eindeutig in die Kategorie amüsant fallen. Oft würde ich in solchen Situationen gerne frei heraus und herrlich sarkastisch antworten. Lässt aber meine gute Erziehung und meine Moral nicht ganz zu. Deshalb habe ich die zehn besten Fragen und Aussagen aus meinen hintersten Gedankengängen hervorgeholt, um einfach so zu antworten, wie ich es hauptsächlich gerne würde.

1.Was machst denn du noch da? Bist du nicht in Berlin?

Was? Wir sind nicht in Berlin? Geographie war leider noch nie so meine Stärke. Aber wenn ich mich nochmal verfahre, dann komme ich vielleicht irgendwann am Meer an. Würde mir auch Recht sein.

2.Warst du schon einmal in Berlin?

Nein, warum auch? Die Wohnung kann man sich ganz leicht auf Amazon bestellen, die Unis warten nur auf mich und für die Ummeldung reicht eine eingescannte „Billa- Vorteilscard“. Geht alles ganz easy von zu Hause aus.

3.Also ich würde mich das nicht trauen….

Tue ich ja eigentlich auch nicht, aber die Stimmen in meinem Kopf befehlen es mir.

4.Vielleicht hast du dann einen Berliner als Freund und bleibst für immer dort.

Du wünscht mir nur einen?! Also ich hab da so an drei gedacht. Einer kocht, der andere putzt und der Dritte macht meine Wäsche. Ja, dann würde ich für immer dort bleiben.

5. Was sagt den denn dein Freund dazu?

In Bezug auf die letzte Frage, welcher von den Vieren nun?

6.Hast du dann kein Heimweh?

Falls ich haben sollte, fahre ich einfach zu irgendeiner Kläranlage. Dort riecht es dann wenigstens wie zu Hause.

7.Ich muss dich unbedingt einmal besuchen kommen! (Meist Leute, von denen ich ewig nichts mehr gehört habe oder mit denen ich  zum ersten Mal in meinem Leben rede.)

Ja, total gerne! Schreib dich auf die Liste, wo noch die restlichen 100 Anfragen darauf warten, bearbeitet zu werden. Würde dir terminlich das Jahr 2076 gut passen?

8.Wenn du dann einmal im Fernseher zu sehen bist, erwähnst du mich eh, oder?

Klar, während ich George Clooney interview, werde ich deinen Namen einblenden lassen! Am besten quer über sein Gesicht.

9. Berlin ist ja sooo weit weg. Kommst jetzt drei Jahre gar nicht mehr heim?

Nein, eine Stunde zu fliegen oder acht Stunden mit dem Auto sind mir dann doch zu Hardcore.

10. Absoluter Klassiker: Wirst du mich vermissen?!

Ehrlich gesagt: Nein! Aber weißt du, wen ich wirklich vermisse? Den Typ, mit dem ich letztens gute 10 Sekunden Augenkontakt hatte. Wenn er mich jetzt noch auf Facebook „Spotten“ würde, könnt da noch echt was Romantisches draus werden.

Bevor sich jemand gekränkt fühlt: Es gibt keine dummen Fragen, bloß dumme Antworten. Humor ist im Endeffekt doch nur trotzdem zu lachen!

Bis zum nächsten Mal,

Melanie